141 römische Goldmünzen: Luxemburgs Schatz aus dem Burgus von Holzthum geschniegelt
Auf einem Acker im Norden Luxemburgs liegt seit fast 1.700 Jahren ein Geheimnis im Boden. Bei Holzthum, an der Straßenkreuzung zwischen Holzthum und Dickt in den Ardennen, haben Archäologen 141 römische Goldmünzen gefunden. Der Schatz wurde 2019 entdeckt und zwischen 2020 und 2024 vom Luxemburger Nationalinstitut für archäologische Forschung (INRA) geborgen.
Der Fundort liegt im Ösling, in der Gemeinde Parc Hosingen. Einheimische nennen die Stelle „Um Rank“ – „Am Ring“. Landwirte wussten schon lange von einer kreisförmigen Struktur unter dem Acker. Heute ist klar: Dort stand ein römischer Kontrollposten, ein sogenannter „Burgus“. Das INRA untersuchte die Fläche rund fünf Jahre lang. Die Grabungen wurden vom Minenräumdienst der luxemburgischen Armee begleitet, weil im Boden noch Munition und Sprengstoff aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet wurden.
Ein Schatz, der fast vier Jahre geheim blieb
Im September 2019 suchten zwei Amateurarchäologen auf dem Feld eigentlich nach historischen Keramikscherben. Stattdessen fanden sie zunächst eine römische Münze an der Oberfläche. Mit einem Metalldetektor stießen sie auf 40 weitere Stücke. Ausgegraben haben sie die Münzen nicht: Sie markierten die Fundstellen und informierten die Behörden. Bei den anschließenden INRA-Ausgrabungen kamen rund 100 weitere Münzen außerhalb der früheren Wälle des Burgus ans Licht.
Wegen der historischen Bedeutung blieb der Fund fast vier Jahre lang unter Verschluss. Im Dezember 2024 gaben das INRA und das luxemburgische Kulturministerium die Entdeckung gemeinsam bekannt – unmittelbar nachdem eine parlamentarische Anfrage beantwortet worden war. Ein Abgeordneter der Piratepartei Lëtzebuerg hatte im Oktober 2024 gefragt, ob in der Gemeinde Parc Hosingen ein Goldschatz gefunden worden sei.
Im Januar 2025 wurde der Schatz außerdem in die Datenbank „Coin Hoards of the Roman Empire“ der University of Oxford aufgenommen. Nach der Bergung kamen die Münzen ins Labor. Die Untersuchungsergebnisse sollen in einer wissenschaftlichen Publikation veröffentlicht werden. Lynn Stoffel und ihr Team rechnen damit, noch mehrere Jahre für die Untersuchung und die Klärung der Fundgeschichte zu benötigen.
Gold für mehr als zwanzig Jahresgehälter
Der Schatz besteht aus 141 Solidi aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts. Die Münzen stammen aus dem 4. und 5. Jahrhundert n. Chr.; sie tragen die Bildnisse von neun Kaisern, die zwischen 364 und 408 regierten. Dazu gehören Valens, Valentinian I., Valentinian II., Gratian, Theodosius I., Magnus Maximus, Arcadius und Flavius Honorius. Ein Drittel der Stücke wurde in Augusta Treverorum, dem heutigen Trier, geprägt. Die übrigen Münzen kommen aus verschiedenen Teilen des Römischen Reiches.
Zur Römerzeit entsprach der Wert des Schatzes vermutlich mehr als dem Zwanzigfachen eines Jahresgehalts. Ein numismatisches Gutachten schätzt die Münzen heute auf rund 300.000 Euro. Einzelne Exemplare können bis zu 25.000 Euro wert sein. Der luxemburgische Staat kaufte den Fund aus historischen Gründen an und zahlte den Betrag an die Anspruchsberechtigten aus. Inzwischen liegen die Münzen an einem geheim gehaltenen Ort in einem Tresor – ziemlich unspektakulär für einen Schatz, der einst in einem Acker verschwand.
Archäologin Lynn Stoffel vermutet, dass ein wohlhabender Römer das Geld um 408 versteckte. Germaneneinfälle machten die Straßen damals unsicher. Der Besitzer konnte den Schatz offenbar nicht mehr bergen. Die Münzen blieben liegen, während über ihnen Jahreszeiten kamen und gingen, bis sie fast 1.700 Jahre später wieder ans Licht gelangten.
Die seltenen Münzen des Eugenius
Drei Münzen zeigen den römischen Kaiser Eugenius. Er regierte das Weströmische Reich nur etwa zwei Jahre, von 392 bis 394. Zuvor war er Hofbeamter und Rhetoriklehrer aus dem heutigen Slowenien. Nach dem Tod Kaiser Valentinians II. wurde er zum Kaiser ernannt.
Der oströmische Kaiser Theodosius I. widersetzte sich seiner Herrschaft. Nach einem Bürgerkrieg und der Niederlage gegen Theodosius wurde Eugenius um 394 n. Chr. hingerichtet. Wegen seiner kurzen Regierungszeit sind Münzen mit seinem Porträt äußerst selten: Europaweit waren bislang weniger als 50 Exemplare bekannt. Numismatikerin Susanne Börner vom Heidelberger Zentrum für antike Numismatik bezeichnet die drei Neufunde deshalb als besonders relevant für die Forschung.
Goldauflage statt purem Edelmetall
Nicht jedes Stück aus dem Erdreich ist vollständig aus Gold. Unter den 141 Münzen befinden sich auch Fälschungen mit einem Kern aus Kupfer oder Eisen und einer Goldauflage. Die Archäologen erkennen solche Stücke unter anderem daran, dass silbriges Metall durch die Goldschicht scheint. Schon in der Antike wurden Münzen teilweise durch Kerben auf ihre Echtheit geprüft – ein kleiner Schnitt, der zeigen sollte, ob unter der glänzenden Oberfläche tatsächlich wertvolles Metall steckte.
Unklar bleibt, wer diese Fälschungen herstellte. Möglich ist, dass der römische Staat Gold sparen wollte. Ebenso könnten Privatpersonen die Stücke zu Verkaufszwecken produziert haben. Das INRA bewertet den Holzthumer Fund gerade deshalb als wichtig, weil der gesamte archäologische Zusammenhang untersucht werden konnte. Nach Angaben des Kulturministers Eric Thill ist er für Luxemburg außergewöhnlich und kann helfen, die spätrömische Epoche in der Region und in Europa besser zu verstehen.
Wie beweglich die Münzwelt der Spätantike und der folgenden Völkerwanderungszeit war, zeigt auch ein Blick auf den heutigen Handel. Auf MA-Shops werden etwa ein Dinar der Hephthaliten aus dem 5. bis 8. Jahrhundert aus Electrum für 875 Euro und ein weiterer für 675 Euro angeboten. Ein Æ 12 Nummi der Vandalen aus Karthago, etwa 480–523 n. Chr., kostet 385 Euro; ein Æ 4 Nummi aus Karthago, 480–533, wird für 175 Euro angeboten.
Daneben finden sich zahlreiche Nachahmungen römischer Münzen: eine zeitgenössische Imitation ostgermanischer oder sarmatischer Stämme aus der Zeit um 300–500 für 190 Euro, pseudo-imperiale Vandalenprägungen im Namen Justinians I. für 159 Euro statt 199 Euro oder ein „Aureus“ (subaeratus) unsicherer germanischer Stämme im Namen des Probus für 390 beziehungsweise 590 Euro. Ein Goldsolidus der Langobarden im Namen Justinians I. ist mit 2.904 Euro ausgezeichnet, ein Tremissis des Desiderius sogar mit 4.500 Euro.
Auch Ostgoten, Gepiden, Vandalen und Langobarden tauchen in den Angeboten auf: ein ostgotischer Minimus des Baduila aus Ticinum für 120 Euro, eine Gepiden-Viertelsiliqua für 450 Euro oder ein Solidus des Ostgotenkönigs Athalarich, geprägt 530–539, für 2.450 Euro. Die Liste reicht bis zu islamischen Beyliks, der Goldenen Horde, einer byzantinischen Nachahmung für 600 Euro und einer AR-Siliqua im Namen Leos I. für 302,50 Euro.
Besonders häufig werden barbarische Imitationen der Kleinbronzen und Antoniniane des Tetricus angeboten. Die Stücke aus den Jahren 271–274 liegen je nach Erhaltung und Anbieter bei 20, 25 oder 30 Euro, ein Antoninian bei 30 Euro; weitere AE-Antoniniane und Minimi nach Victorinus, Tetricus I., Tetricus II. oder Claudius Gothicus kosten zwischen 9 und 19 Euro. Eine barbarische Bronzeimitation aus der Völkerwanderungszeit wird für 15 Euro angeboten, ein AE-Minimus als Nachahmung eines FEL-TEMP-REPARATIO-Follis für 51 Euro. Versandkosten kommen jeweils hinzu – meistens 3,95, 10, 11, 12, 15 oder 20 Euro, gelegentlich auch 25 Euro; manche Angebote werden kostenlos verschickt.
Zwischen all diesen späteren Münzen stehen auch ältere Vergleichsstücke: ein AR-Stater von Aspendos aus Pamphylien, etwa 465–430 v. Chr., für 95 Euro, ein Æ-Limesdenar der Julia Domna unter Septimius Severus aus den Jahren 196–211 für 85 Euro oder AE-Dupondius-Prägungen des Postumus von 259–269 für 199 bis 359 Euro.
