Im Theater an der Uni in Regensburg wird es mörderisch – und zunächst ziemlich gemütlich. Die Uni-Theatergruppe „KeinDrama“ hat Joseph Kesselrings „Arsen und Spitzenhäubchen“ in der deutschen Übersetzung von Helge Seidel uraufgeführt. Unter der Regie von Samantha Geller stehen zwölf Schauspieler auf der Bühne.

Im Zentrum der Komödie stehen zwei ältere Tanten, hinter deren liebenswerter Fassade sich mörderische Geheimnisse verbergen. Drei Akte lang, insgesamt 135 Minuten plus Pause, kippt die freundliche Oberfläche immer weiter. Die Aufführungen finden bis Mittwoch täglich um 19:30 Uhr statt.

Besuch bei Abby und Martha

Die Handlung spielt in New York, einer von Verbrechen geprägten Stadt. Im alten Haus der Schwestern Abby und Martha Brewster ist allerdings jeder Besucher willkommen. Manche Gäste bleiben dauerhaft. Bekannt sind die Teestunden der beiden, ebenso Marthas Quittenmarmelade, Kekse und Holunderwein. Pfarrer und Polizisten schätzen die frommen, freundlichen Frauen.

Auch um ihren verrückten Neffen Teddy kümmern sich Abby und Martha. Teddys Bruder Mortimer ist mit Elaine verbunden, der Tochter des Pfarrers. Lange wirkt die Lage friedlich – bis Mortimer zufällig die Fenstertruhe durchsucht. Er ist auf der Suche nach wichtigen Unterlagen und stößt dabei auf das erschütternde Geheimnis seiner Tanten.

Der schwarze Humor entsteht dabei weniger aus großen Pointen als aus den Situationen selbst. So beschreibt es Jakob Nolte, dessen Neuübersetzung eine schnelle, wendige und dem Schauspiel dienende Sprache verwenden soll. In Regensburg ist jedoch die deutsche Übersetzung von Helge Seidel Grundlage der Aufführung.

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Kesselrings einziger großer Theatererfolg

Joseph Otto Kesselring wurde am 21. Juni 1902 in New York City geboren und starb am 5. November 1967 in Kingston, New York. Der US-amerikanische Schriftsteller, Dramatiker, Schauspieler und Regisseur stammte aus einer deutschstämmigen Familie.

Von 1922 bis 1924 unterrichtete Kesselring Musik am Bethel College in North Newton, Kansas. 1925–1926 war er musikalischer Leiter und Direktor eines Amateurtheaters in Niagara Falls, New York. Anschließend arbeitete er als Schauspieler, Autor und Regisseur von Unterhaltungsstücken sowie als Verfasser von Kurzgeschichten und Gedichten. Ab 1933 war er hauptberuflich als freier Autor und Bühnenschriftsteller tätig; im selben Jahr heiratete er in New York die Pianistin Charlotte Elsheimer.

1939 schrieb Kesselring „Arsen und Spitzenhäubchen“, im Original „Arsenic and Old Lace“. Darin ermorden zwei alte Damen ohne Schuldgefühl zwölf Männer. Das Stück war sein einziger großer Erfolg unter insgesamt zwölf Theaterstücken und verschaffte ihm erheblichen Wohlstand.

Nach der Broadway-Premiere am 10. Januar 1941 lief die Komödie dort dreieinhalb Jahre vor ausverkauftem Haus. Bis 1944 wurde sie mehr als 1.000-mal am Broadway aufgeführt. Auch in London war sie erfolgreich, bevor Frank Capras Hollywoodverfilmung mit Cary Grant, Priscilla Lane, Raymond Massey und Peter Lorre 1944 in die Kinos kam.

Vom Broadway auf die Uni-Bühne

Kesselring schrieb die Komödie 1939, zu Beginn des Zweiten Weltkriegs. Heute wird das Stück weiterhin auf amerikanischen und europäischen Bühnen aufgeführt und gilt als Klassiker des schwarzen Humors. Im deutschsprachigen Raum gibt es mehrere Fassungen: die hochdeutsche Übertragung von Annemarie Artinger, die niederdeutsche Version „Arsenik un ole Spitzen“ von Konrad Hansen, die alemannische Bearbeitung „Gift un Spitzehüübli“ und die schweizerdeutsche Fassung „Freude herrscht“ von Roger Thiriet.

Zu Kesselrings ausgewählten Werken zählen „Aggie Appleby Maker of Men“ (1932; verfilmt 1933), „Cross Town“ (1937), „Arsenic and Old Lace“ (1939; Druckausgabe 1941, verfilmt 1941, veröffentlicht 1944), „Maggie MacGilligan“ (1942), „Jig, Lisp and Amble“ (1943), „Identically Yours“ (1945), „Solomon’s Mother“ (1946), „Four Twelves are 48“ (1951), „Surgery Is Indicated“ (1954), „Accidental Angel“ (1955), „A Frog in His Pocket“ (1958), „Mother of That Wisdom“ (1973) und „My Life, Love, and Limericks: An Autobiography in Verse“ (1973).

1973 erschien postum seine in Versen verfasste Autobiografie. Seit 1980 vergibt der National Arts Club jährlich den von seiner Witwe Charlotte gestifteten Joseph Kesselring Prize an etablierte und aufstrebende Dramatiker.

In Regensburg bleibt derweil die Tür zum Haus der Brewsters offen. Es gibt Tee, Süßes, Holunderwein – und eine Fenstertruhe, in der Mortimer besser nicht zu gründlich suchen sollte.