Nachhaltigkeit unter Volldruck: Michael Walthers Atlantikprojekt und Re.solution gewinnen den Sustainable Impact Award
Am 15. Oktober 2026 ist die Geschichte von Michael Walther in Aachen wieder präsent: Der Kieler Wassersportler und Klimaaktivist setzt sich mit weltweiten Stand-up-Paddle-Projekten für emissionsfreie Fortbewegung und ein stärkeres Bewusstsein für den Klimawandel ein. Im vergangenen Jahr wollte er als erster Europäer den Atlantik ohne externe Unterstützung per Paddelboard überqueren. Eine Kollision mit einem treibenden Container beendete die Fahrt auf den Kanaren.
Bei der Preisverleihung in Berlin berichtet Walther über diesen Rückschlag und die notwendige Neuorientierung. Der Atlantik ist eben kein Schwimmbecken, und ein Container im falschen Moment reicht, um monatelange Planung zu zerlegen. Trotzdem blieb es nicht bei einem gescheiterten Versuch.
Mit Muskelkraft über 6.000 Kilometer
Am 19. September 2025 startete Walther in Lagos, Portugal, erneut zu einer Atlantiküberquerung auf einem Stand-up-Paddelboard. Sein Ziel war Französisch-Guayana, die Strecke rund 6.000 Kilometer lang. Vorgesehen waren etwa 4 Millionen Paddelschläge. Täglich wollte er ungefähr 15 Stunden paddeln und ausschließlich Muskelkraft nutzen.
Das Offshore-SUP ist sechs Meter lang, ohne Motor und ohne Kite. Wind, Strömungen und hohe Wellen können den Fortschritt bremsen oder bereits zurückgelegte Distanzen wieder zunichtemachen. Dazu kommt die mentale Belastung einer Reise, bei der Wasser, Himmel und Erschöpfung irgendwann ineinanderlaufen.
Anfang September absolvierte Walther eine Probetour, um seine Ausrüstung unter realen Bedingungen zu testen. An Bord: Solaranlagen, eine Salzwasseraufbereitungsanlage, Navigationsgeräte und Satellitenkommunikation. Für die Wetterentwicklung waren ab Samstag, dem 20. September, zunehmende Nordwinde vorhergesagt. Zunächst sollten dadurch günstige Downwind-Bedingungen von Portugal in Richtung Kanaren entstehen. Ab Sonntag, dem 28. September, wurden nördlich der Kanaren schwächere Winde prognostiziert.
Mit der Expedition wollte Walther auf Klimaschutz und den Erhalt der Meere aufmerksam machen. Unterstützt wurde das Projekt unter anderem von VILSA-BRUNNEN, SEIKO, Gebrüder Weiss, boot Düsseldorf, Sports for Future e.V. und der Paulchen-Esperanza-Stiftung.
Die Expedition gehört zur Zero-Emissions-Initiative, die seit 17 Jahren Aktionen zu Klima- und Meeresschutz organisiert. Gegründet wurde das Zero-Emissions-Projekt 2008 von Thomas Reinke und Michael Walther. Für seine Arbeit wurde Walther von der Deutschen UNESCO-Kommission und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgezeichnet.
Zu den früheren Projekten zählen eine klimaneutrale Umrundung Schleswig-Holsteins 2020 und eine SUP-Durchquerung Deutschlands 2022. Das Projekt produziert außerdem Filme: „The Great Route“ dokumentiert eine SUP-Expedition in Grönland. „Time to Act“ wurde 2024 auf Island gedreht und im Mai 2025 in deutschen Kinos veröffentlicht.
Vier Preisträger, vier Wege
Die WirtschaftsWoche verleiht gemeinsam mit Generali und Lavazza den Sustainable Impact Award. Ausgezeichnet werden Unternehmen, die nachhaltige Geschäftsmodelle und gesellschaftliche Verantwortung vorantreiben. WirtschaftsWoche-Chefredakteur Horst von Buttlar bezeichnet Nachhaltigkeit als Maßstab für die gesamte Unternehmensstrategie.
Generali-Deutschlandchef Stefan Lehmann fordert Unternehmen auf, die grüne Transformation selbst mitzugestalten und sich nicht ausschließlich auf staatliche Maßnahmen zu verlassen. Das für das kommende Jahr prognostizierte BIP-Wachstum von etwas mehr als einem Prozent wird laut Artikel vor allem durch staatliche Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung getragen. Viel Geld, aber kein Freifahrtschein für Untätigkeit.
In der Kategorie „Enabler für Nachhaltigkeit“ wurde Nokera aus Leipzig ausgezeichnet. Das Holzbauunternehmen entwickelt skalierbare Lösungen für bezahlbaren und klimafreundlichen Wohnraum. Nokera verwendet Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft, klimaneutrale Baukonzepte und Kreislaufwirtschaft. Die emissionsarme Bauweise soll den CO₂-Fußabdruck von Gebäuden reduzieren.
Für die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft baut Nokera bis Ende 2028 an acht Standorten 35 digital geplante Nachverdichtungshäuser mit insgesamt 210 Wohnungen. Die Wohnungen sind zwischen 36 und 52 Quadratmeter groß. Genutzt werden Baulücken und Freiflächen, die bislang nicht rentabel bebaut werden konnten. Laut SWSG-Geschäftsführer Samir M. Sidgi liegen die Baukosten rund 30 Prozent unter denen konventioneller Bauweise. Landeszuschüsse ermöglichen Mieten, die ein Drittel unter dem lokalen Durchschnitt liegen.
Die Kategorie „Nachhaltige Unternehmensführung“ ging an die Ulrich Walter GmbH aus Diepholz mit ihrer Marke Lebensbaum. Der 1979 gegründete Bio-Pionier produziert und vertreibt ökologischen Tee, Kaffee und Gewürze. Seine Landwirtschaft soll Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit fördern. Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Gentechnik kommen nicht zum Einsatz; natürliche Ressourcen sollen besonders schonend genutzt werden.
Als „Generali SME EnterPrize“-Preisträger wurde Werner Schmid aus Fulda geehrt. Der Metall- und Kunststoffverarbeiter verankert Nachhaltigkeit, Innovation und regionale Verantwortung in seiner Unternehmensphilosophie. Beide Geschäftsführer gehören dem Energieteam an, einer ist zusätzlich Umweltbeauftragter. Dieser kann laut Unternehmen eigenständig über sein Budget entscheiden.
Werner Schmid fertigt hochpräzise Bauteile unter anderem für die Automobil- und Lüftungsindustrie, die Elektromobilität, E-Bikes und Wärmepumpen. Schon beim Bauteilentwurf beraten die Beschäftigten ihre Kunden zu ressourcenschonender Fertigung. Nachhaltigkeit beginnt dort also nicht erst am Ende der Produktionshalle.
In der Kategorie „Generali Newcomer EnterPrize“ gewann Re.solution aus Aachen. Das Tech-Start-up entwickelt eine zirkuläre Wertschöpfungskette für Polyester aus Textilabfällen. Jährlich werden rund 69 Millionen Tonnen Polyesterfasern auf fossiler Basis für Kleidung, Heimtextilien und technische Textilien produziert. Ein großer Teil davon landet nach der Nutzung auf Deponien oder wird verbrannt.
Bestehende Recyclingverfahren haben Schwierigkeiten mit Fasermischungen, Wirtschaftlichkeit und Produktqualität. Re.solution gewinnt aus polyesterhaltigen Alttextilien Monomere in Neuware-Qualität zurück. Das elektrifizierte Verfahren nutzt grünen Strom, statt fossile Chemikalien einzusetzen. Pro Tonne Produkt sollen rund eine Tonne Salzabfall vermieden werden.
Die Technologie entstand aus mehrjähriger Forschung an der RWTH Aachen. Die erste kommerzielle Großanlage soll 2029 in Nordrhein-Westfalen entstehen. Über ein Lizenzmodell will das Unternehmen die Technologie weltweit verbreiten. Für einen deutlichen Effekt auf den Polyestermarkt seien Hunderte Anlagen erforderlich.
Was Klimamanagement leisten muss
Viele Unternehmen wollen angesichts der Klimakrise künftig klimaneutral wirtschaften. Damit das nicht bei glänzenden Broschüren und ein paar Emissionszertifikaten stehen bleibt, soll ein systematisches Klimamanagement sicherstellen, dass Klimaschutzmaßnahmen wirksam und glaubwürdig sind.
Die Ansätze haben sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt, unterscheiden sich aber deutlich in Qualität und Umfang. Einige Unternehmen erfassen nur standortbezogene Treibhausgasemissionen und kompensieren diese mit Emissionszertifikaten. Andere berücksichtigen auch vor- und nachgelagerte Emissionsquellen, setzen wissenschaftsbasierte Klimaziele, entwickeln Maßnahmenprogramme und berichten öffentlich über Fortschritte.
Der Bericht „Klimamanagement in Unternehmen – Entwicklung eines Bausteins auf Grundlage des Umweltmanagementsystems EMAS“ des Umweltbundesamtes schlägt dafür einen einheitlichen Anforderungsrahmen vor. Ziel ist, Vergleichbarkeit, Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit des Klimamanagements zu verbessern. Veröffentlicht wurde der Bericht am 28.09.2020.
Benannt werden sieben zentrale Elemente: eine organisationsweite Klimastrategie; Klimaziele mit Zielpfaden und Maßnahmen zur Zielerreichung; die Ermittlung und Steuerung geschäftsrelevanter Klimarisiken; die Bilanzierung der Treibhausgasemissionen nach anerkannten Standards einschließlich Liefer- und Wertschöpfungsketten; Anforderungen an die Kompensation von Treibhausgasemissionen; Klimaberichterstattung sowie die Integration von Klimaschutz und Klimarisiken in Unternehmensprozesse und -strukturen.
Zur praktischen Umsetzung und Überprüfbarkeit soll der Klimamanagement-Baustein in das europäische Umweltmanagementsystem EMAS, das Eco-Management and Audit Scheme, eingebettet werden. Bestehende Str
