Neue Professorin Sarah Lichtenthäler stärkt Kreislaufwirtschaft an der Hochschule Koblenz
Am 29.09.2026 bekommt die Hochschule Koblenz Verstärkung für ein Feld, das längst nicht mehr nur in Forschungsberichten vorkommt: Prof. Dr. Sarah Lichtenthäler ist neue Professorin. Sie soll das Profil der Hochschule in den Bereichen nachhaltiges Wirtschaften und Kreislaufwirtschaft stärken. Von der RWTH Aachen, an der sie zuvor promovierte, führt ihr Weg damit an die Hochschule Koblenz.
Die Transformation zu einer nachhaltigeren Wirtschaft sieht Lichtenthäler als zentrale Herausforderung. In ihrer Forschung möchte sie wirtschaftliche Anreize und Geschäftsmodelle entwickeln, die Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft mit langfristiger Wertschöpfung verbinden. Ihre Perspektive ist dabei interdisziplinär: Internationale Ökonomie trifft auf aktuelle Nachhaltigkeitsfragen – und soll neue Impulse für Forschung und Lehre geben.
Von Elektrofahrzeugen zur Kreislaufwirtschaft
Lichtenthäler studierte Economics an der Universität zu Köln und erwarb dort den Master of Science. Anschließend promovierte sie an der RWTH Aachen im Bereich International Economics. Ihre Dissertation trägt den Titel „Essays on the International Market Diffusion of Electric Vehicles“. Darin geht es um die internationale Verbreitung von Elektrofahrzeugen und die damit verbundenen ökonomischen Fragen.
Von 2021 bis 2026 arbeitete sie am Institut der deutschen Wirtschaft, zuletzt als Senior Economist für Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit. Dort untersuchte sie unter anderem wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Herausforderungen beim Übergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise. Ihr Blick bleibt also nicht beim Produkt stehen: Es geht auch darum, welche Anreize Unternehmen brauchen, welche Modelle funktionieren und wo es in der Praxis hakt.
Eine gemeinsame Studie mit Adriana Neligan, über die Lichtenthäler berichtet, ist im Journal of Circular Economy erschienen. Untersucht wurde, welche Rolle Digitalisierung und Innovation bei der Umsetzung zirkulärer Praktiken in deutschen Unternehmen spielen. Die zentrale Erkenntnis: Digitalisierung unterstützt die Kreislaufwirtschaft insbesondere dann, wenn sie mit Innovation verbunden wird.
Digitale Fähigkeiten allein reichen demnach nicht aus, um zirkuläre Lösungen umzusetzen. Nötig ist die Verbindung mit Innovation. Nadin-Shirin Zimmermann kommentiert dazu, dass Innovationsfähigkeiten – insbesondere bei neuen Geschäftsmodellen – dazu beitragen, Zirkularität in Unternehmen zu validieren, zu quantifizieren und zu pilotieren.
Hochschule mit breitem Praxisbezug
Die Hochschule Koblenz hat mehr als 8.700 Studierende an den Standorten Koblenz, Remagen und Höhr-Grenzhausen. Laut Artikel ist sie die größte Hochschule für angewandte Wissenschaften in Rheinland-Pfalz. Mehr als 80 praxisorientierte Bachelor-, Master-, Fern- und duale Studiengänge verteilen sich auf sechs Themenfelder. Für eine Professorin, die wirtschaftliche Fragen mit Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft verknüpft, gibt es dort also reichlich Anknüpfungspunkte.
Beim StudyCheck Award 2026 zählt die Hochschule zu den 50 bestbewerteten Hochschulen Deutschlands. Unter den öffentlichen Hochschulen in Rheinland-Pfalz belegt sie Platz 1. Das klingt nach Rückenwind für die neue Professorin – auch wenn nachhaltiges Wirtschaften im Hochschulalltag vermutlich nicht nur aus guten Platzierungen besteht, sondern aus vielen kleinen, manchmal zähen Entscheidungen.
Wenn sie nicht forscht oder lehrt, joggt und schwimmt Lichtenthäler, fährt Rennrad und beschäftigt sich mit ihrer Familie und ihren beiden kleinen Kindern. Sie hört Podcasts zu Politik und Gesellschaft, Wissenschaft sowie Gesundheit und interessiert sich für gutes Essen. Zwischen Forschungsfragen, Kinderalltag und Rennrad bleibt offenbar noch Platz für ziemlich unterschiedliche Themen.
Warum Kreislaufwirtschaft jetzt Druck bekommt
Der größere politische Rahmen steht seit Dezember 2024: Damals wurde die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie, kurz NKWS, beschlossen. Sie gilt als wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer zirkulären Wirtschaft. Ihr Leitbild ist klar umrissen: Der Wert von Rohstoffen und Produkten soll möglichst lange erhalten bleiben, Materialien sollen sparsam eingesetzt und möglichst lange im Kreislauf gehalten werden.
Hinter diesen Zielen steckt mehr als der Wunsch nach weniger Abfall. Der Abbau von Rohstoffen verursacht hohe Kosten für Umwelt, Menschen und Wirtschaft. Eine Wirtschaftsweise mit ständig wachsendem Bedarf an primären Rohstoffen gilt langfristig als ökonomisch, ökologisch und sozial nicht tragfähig.
Die Strategie soll außerdem die Resilienz und Innovationskraft des Industriestandorts Deutschland stärken. Der Wandel zu einer Kreislaufwirtschaft wird als zentral für das Erreichen klima- und umweltpolitischer Ziele beschrieben; zugleich werden große wirtschaftliche Chancen genannt. Genau dort setzt Lichtenthäler an: bei Geschäftsmodellen und Anreizen, die aus dem abstrakten Kreislaufprinzip konkrete Wertschöpfung machen können – in Unternehmen, Forschungsprojekten und vielleicht bald auch in der Lehre an der Hochschule Koblenz.
