Heute, am 29.09.2026, blickt Baden-Württemberg auf einen unruhigen Nachrichtenmorgen: In Tübingen steht ein großer BioNTech-Standort vor dem Aus, an der Universität Stuttgart gab es einen Feuerwehreinsatz, und in Oberndorf am Neckar wurde eine Frau lebensgefährlich angeschossen.

Auch für Landesbeamte, die Beschäftigten bei Mercedes-Benz und den Ulmer Förderverein „Gute Clowns“ gibt es wichtige Nachrichten. Dazwischen: sommerliche Temperaturen, ein Streit beim Cannstatter-Volksfestumzug und ein 18-Jähriger, der seinen Führerschein kaum hatte und ihn schon wieder verlor.

BioNTech schließt Tübinger Standort

BioNTech will den Standort am ehemaligen CureVac-Sitz in Tübingen Ende 2027 schließen. Betroffen sind dort mehr als 700 Beschäftigte. Nach Angaben des Unternehmens wurde trotz monatelanger Bemühungen kein Investor für Tübingen sowie die Standorte in Idar-Oberstein und Marburg gefunden. Das schwierige Markt- und Investitionsumfeld und die stark gesunkene Nachfrage nach Corona-Impfstoffen hätten die Suche erschwert.

Die geplanten Schließungen hatte BioNTech bereits im Frühjahr mit geringer Auslastung, Überkapazitäten und notwendigen Kosteneinsparungen begründet. Zugleich will sich der Konzern stärker auf Krebsmedizin konzentrieren. Mit dem Konzernbetriebsrat wurden zusätzliche Abfindungsregelungen für eine sozialverträgliche Abwicklung vereinbart; Einzelheiten dazu sind zunächst nicht bekannt.

Tübingen ist der frühere CureVac-Standort. BioNTech hatte die Übernahme des früheren Impfstoffkonkurrenten im Sommer 2025 angekündigt. CureVac-Gründer Ingmar Hoerr warf BioNTech im Zusammenhang mit der Übernahme eine Täuschung vor, weil eine ursprünglich geplante gemeinsame Firma nicht umgesetzt worden sei.

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Auch in Hessen und Rheinland-Pfalz werden Standorte geschlossen: Marburg soll Anfang 2028 folgen, Idar-Oberstein Ende 2028. Insgesamt geht es um rund 1.800 Beschäftigte. In Marburg, auf dem Gelände der historischen Behringwerke, wurden bisher mRNA-Covid-19-Impfstoffe und Plasmid-DNA für mRNA-Impfstoffe und Zelltherapien hergestellt. BioNTech hatte das Werk vom Schweizer Pharmakonzern Novartis übernommen und umfassend investiert. In Idar-Oberstein produziert das Unternehmen unter anderem Therapeutika für frühe klinische Entwicklungsphasen.

BioNTech und beauftragte Makler prüften Käufer aus dem In- und Ausland, darunter mittelständische Unternehmen sowie Investoren aus den Bereichen mRNA-Produktion, Antikörper und Plasmide sowie Zell- und Gentherapie. Für alle drei Standorte gab es Prüfungen und vertrauliche Gespräche, einen Vertragsabschluss aber nicht.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer kritisierte die Entscheidung und forderte, Möglichkeiten für eine Weiterführung zu prüfen. Er warnte außerdem vor dem Wegfall deutscher RNA-Produktionskapazitäten und möglichen Folgen für die Pandemieversorgung.

Anders verlief der Verkauf der Berliner Tochter JPT Peptide Technologies GmbH: Das auf Peptidforschung, -entwicklung und -analyse spezialisierte Unternehmen wurde von der Münchner Dubag Group übernommen. Rund 130 Arbeitsplätze bleiben dabei betroffen beziehungsweise werden übernommen.

BioNTech hatte gemeinsam mit Pfizer den ersten zugelassenen Covid-19-Impfstoff entwickelt und damit Milliarden verdient. Die Nachfrage nach Covid-19-Impfstoffen geht seit Jahren zurück; ein weiteres zugelassenes Produkt hat BioNTech bislang nicht. Weltweit beschäftigt der Konzern rund 7.200 Menschen und steckt in einem mehrjährigen Umbau. Geforscht wird vor allem an Krebsmedikamenten, mRNA-basierten Immuntherapien und Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten, die Krebszellen gezielter behandeln sollen.

Im ersten Halbjahr des Jahres verzeichnete BioNTech einen Verlust von 1,35 Milliarden Euro. Die Mitgründer Uğur Şahin und Özlem Türeci verlassen das Unternehmen spätestens Ende 2026. Sie wollen mit Arife ein eigenes Unternehmen zur Entwicklung neuer mRNA-Medikamente gründen, ebenfalls mit Hauptsitz in Mainz, und an BioNTech beteiligt bleiben. Guido Oelkers soll spätestens zum 1. Februar 2027 Şahins Nachfolge als Vorstandsvorsitzender antreten. Er kommt vom schwedischen Biopharmaunternehmen Swedish Orphan Biovitrum (Sobi), das er seit 2017 leitete.

Feuerwehreinsatz auf dem Campus Vaihingen

An der Universität Stuttgart wurde ein Labor auf dem Campus Vaihingen wegen eines starken Geruchs geräumt beziehungsweise überprüft. Offenbar war Schwefelwasserstoff ausgetreten. Beschäftigte riefen die Feuerwehr, Einsatzkräfte rückten mit Schutzanzügen und Atemschutz an.

Bei den Messungen fanden sie jedoch keine weiteren Chemikalien. Ein Mitarbeiter wurde untersucht und blieb unverletzt. Der Geruch war da, die ganz große Gefahr offenbar nicht – trotzdem kein Moment, in dem man gern ohne Atemschutz herumsteht.

Unfälle, Betrug und ein Schuss am Bahnhof

In Heilbronn verlor ein 18-Jähriger in der Nacht auf Sonntag die Kontrolle über sein Auto und prallte gegen mehrere Bäume. Den Führerschein hatte er erst kurz zuvor erhalten, nachdem er in der Nacht 18 geworden war. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts auf ein illegales Autorennen. Das Smartphone des Fahrers wurde beschlagnahmt.

Fast 30.000 Euro verlor der Förderverein „Gute Clowns“ aus Ulm durch eine ausgeklügelte Betrugsmasche. Am vergangenen Wochenende erhielt der Verein zunächst eine E-Mail zur angeblichen Aktualisierung der Bank-Authentifizierungs-App. Danach rief ein vermeintlicher Bankmitarbeiter an. Die Vereinsvorsitzende klickte auf einen zugesandten Link und verlor dadurch nahezu die gesamten Rücklagen.

Der Verein finanziert Clown-Einsätze in verschiedenen Ulmer Einrichtungen. Durch den Verlust könnte diese Arbeit gefährdet sein.

In Oberndorf am Neckar soll ein Mann am späten Abend auf dem Bahnhofsgelände auf eine Frau geschossen haben. Sie wurde in eine Klinik gebracht und schwebt in Lebensgefahr. Bei der anschließenden Fahndung nahm die Polizei einen Tatverdächtigen fest.

Arbeitswelt, Volksfest und Wetter

Bei einer Betriebsversammlung in Stuttgart bekräftigte der Vorstand von Mercedes-Benz das Vorhaben, längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich zu prüfen. Rund 5.000 Beschäftigte des Werks Untertürkheim kamen zusammen. Mehr als vier Stunden diskutierten Management und Belegschaft über mögliche Kostensenkungen an deutschen Standorten.

Nach Darstellung des Managements könnten bei ausbleibenden Einsparungen zwei deutsche Werke geschlossen werden. Die Stimmung unter den Beschäftigten bleibt angespannt.

Beim Cannstatter-Volksfestumzug protestierten Tierschutzaktivisten gegen Tiere als Bestandteil des Umzugs. Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper nahm einem Aktivisten ein Transparent ab, nachdem die Gruppe zu seinem Wagen aufgeschlossen hatte. Noppers Sprecherin erklärte, das Transparent habe den Umzug gestört und gefährdet; Nopper habe nur das Transparent berührt. Die Aktivisten werfen ihm dagegen vor, einen von ihnen verletzt zu haben.

Das Wetter bleibt zunächst sommerlich warm und sonnig. Heute werden meist 25 bis 29 Grad erwartet, örtlich bis zu 30 Grad. Auch morgen soll viel Sonne scheinen. Am Donnerstag wird es bewölkter und etwas kühler.