Am 1. Juni 2026 kündigte die Universität Potsdam die Gründung eines neuen internationalen Graduiertenkollegs mit dem Titel „Cultures of Repair“ an. Dieses innovative Programm wird in Zusammenarbeit mit der renommierten University of Melbourne umgesetzt und zielt darauf ab, den Begriff der „Reparatur“ neu zu definieren. Hierbei wird Reparatur nicht nur als praktische Handlung verstanden, sondern als ein alternatives Paradigma für gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen. Das Kolleg wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für einen Zeitraum von fünf Jahren gefördert, wobei die offizielle Förderung am 1. Februar 2027 beginnt.

Der Fokus des Graduiertenkollegs liegt auf der Auseinandersetzung mit beschädigten sozialen, technischen und ökologischen Kontexten. Ziel ist es, neue Möglichkeiten des Zusammenlebens in einer „beschädigten Welt“ zu entwickeln. In diesem Kontext werden Krisen, Brüche und Störungen nicht als Hindernisse, sondern als Ausgangspunkte für neue Handlungs- und Denkrichtungen betrachtet. Prof. Dr. Anja Schwarz, die Sprecherin des Kollegs und Professorin für British Cultural Studies an der Universität Potsdam, betont die Relevanz dieser Ansätze in der heutigen Zeit.

Doktorandenausbildung im internationalen Austausch

Während der ersten Förderphase des Kollegs werden insgesamt zwei Kohorten von Doktorand:innen ausgebildet. Jede Kohorte besteht aus zwölf Promovierenden, wobei sechs an der Universität Potsdam und sechs an der University of Melbourne eingeschrieben sind. Die DFG finanziert sechs Promovierende für eine Dauer von 3,5 Jahren an der Universität Potsdam und gewährt den gleichen Zeitraum für sechs Promotionsstipendien an der Partneruniversität. Die Promovierenden führen ihre Promotion an ihrer Heimatuniversität durch, verbringen jedoch zwei Jahre gemeinsam, jeweils ein Jahr an jeder Universität.

In einem weiteren Schritt wurden auch neue Graduiertenkollegs an anderen Hochschulen ins Leben gerufen. So haben die Goethe-Universität Frankfurt und die Bauhaus-Universität Weimar über sieben Millionen Euro an Fördermitteln von der DFG für ihr gemeinsames Graduiertenkolleg „Gewohnter Wandel. Gesellschaftliche Transformation und räumliche Materialisierung des Wohnens“ beantragt. Die Forschung, die im Herbst 2024 beginnt, konzentriert sich auf die aktuelle Lage der Wohnungsversorgung sowie auf gesellschaftliche Wandlungsprozesse und die Schaffung sozial gerechter Wohnräume.

Forschungsschwerpunkte und soziale Herausforderungen

Das Graduiertenkolleg beleuchtet verschiedene Themen, wie Veränderungen durch soziale Auseinandersetzungen, ökologische Anforderungen und die Auswirkungen von Digitalisierungsprozessen auf die Wohnumwelt. In der ersten Förderphase sind Promotionen für bis zu 36 Doktorand:innen über die komplette Laufzeit von neun Jahren geplant. Die Bauhaus-Universität Weimar übernimmt zunächst die Sprecherschaft des Kollegs, unterstützt von Partnern wie dem Institut Wohnen und Umwelt in Darmstadt, der Frankfurt University of Applied Sciences und weiteren Institutionen, die sich mit den komplexen Fragen des Wohnens und dessen Beziehung zu gesellschaftlichen Transformationsprozessen beschäftigen.

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Die Relevanz der Thematik wird durch die Herausforderungen in der Wohnungsversorgung unter dem globalisierten Kapitalismus betont. Hierbei spielen ökologische Ansprüche, der Klimawandel sowie die soziale Reproduktion und Gesundheitsvorsorge eine zentrale Rolle. Es gilt, das Wechselverhältnis zwischen gesellschaftlichem Wandel und der gebauten Form des Wohnens zu analysieren und zu verstehen, wie die gebaute Umwelt Alltagspraktiken und soziale Interaktionen beeinflusst.

Die Initiativen an der Universität Potsdam sowie an der Goethe-Universität Frankfurt und der Bauhaus-Universität Weimar zeigen, wie wichtig es ist, aktuelle Herausforderungen anzugehen und wie universitäre Forschung maßgeblich zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen kann. Beide Graduiertenkollegs setzen sich demnach intensiv mit den Herausforderungen und Potenzialen des Wohnens, der Reparatur und der sozialen Transformation auseinander.