Niedersachsens Landarztquote: 41 Medizinstudierende starten mit zehnjähriger Verpflichtung ins Studium
Zum Start des Wintersemesters haben in Niedersachsen 41 Medizinstudierende über die Landarztquote ihr Studium aufgenommen. Einer ihrer Studienorte ist die Universitätsmedizin Göttingen. Dazu kommen die Medizinische Hochschule Hannover und die Universität Oldenburg. Für die neuen Studierenden beginnt damit nicht nur ein anspruchsvolles Studium, sondern auch ein Weg mit klarer Verpflichtung für später.
An der Universitätsmedizin Göttingen sind jeweils 15 Plätze zum Winter- und Sommersemester für Bewerberinnen und Bewerber der Landarztquote vorgesehen. An den drei niedersächsischen Standorten waren insgesamt 45 Studienplätze für die Quote reserviert. Weitere 15 der insgesamt 60 vorgesehenen Plätze sollen zum Sommersemester 2027 vergeben werden. Ausgewählt wurden die 41 Studierenden aus 120 Bewerbungen.
Mehr als nur die Abiturnote
Seit der Einführung des Programms im Jahr 2022 sind die Bewerberzahlen nach Angaben der Ärztekammer Niedersachsen stabil hoch. Entscheidend ist dabei nicht allein die Abiturnote. Neben fachlichen Kriterien flossen soziale und kommunikative Fähigkeiten in die Auswahl ein.
Das niedersächsische Verfahren berücksichtigt unter anderem Einfühlungsvermögen, soziale Kompetenz und praktische Erfahrungen. Wer etwa im Rettungsdienst, in der Krankenpflege oder in der Altenpflege gearbeitet hat, kann diese Qualifikationen einbringen. Zuständig sind die Ärztekammer Niedersachsen und der Niedersächsische Zweckverband zur Approbationserteilung. Das Bewerbungsverfahren beginnt jeweils am 1. März 2023 – so ist es für die Einführung des Programms festgelegt.
Zehn Jahre Landarztpraxis
Die Verpflichtung ist ziemlich konkret: Nach dem Medizinstudium und dem Abschluss der fachärztlichen Weiterbildung müssen die Studierenden zehn Jahre lang als Hausärztin oder Hausarzt in einer unterversorgten ländlichen Region Niedersachsens arbeiten. Wer diese Vereinbarung nicht einhält, muss mit einer Vertragsstrafe von bis zu 250.000 Euro rechnen.
Niedersachsen führt die Landarztquote seit dem Wintersemester 2023/2024 ein. Jährlich werden 60 Studienplätze der Humanmedizin als Vorabquote reserviert. Sie richten sich an Menschen, die später als Hausärztinnen oder Hausärzte im ländlichen Raum arbeiten möchten. Das Land reagiert damit auf den erwarteten Ruhestand vieler Ärztinnen und Ärzte, die derzeit dort praktizieren.
Versorgung zwischen Dorf und Hörsaal
Hinter dem Modell steht ein nüchternes Problem mit sehr konkreten Folgen: In manchen ländlichen Regionen fehlen Hausärztinnen und Hausärzte, während Wege zur Praxis länger werden. Die Quote soll einer ärztlichen Unterversorgung entgegenwirken und eine flächendeckende, wohnortnahe medizinische Versorgung sichern.
Die Ärztekammer Niedersachsen sieht allerdings nicht nur in der Allgemeinmedizin wachsenden Nachwuchsmangel. Auch in anderen Fachrichtungen besteht weiterer Handlungsbedarf. Für die Studierenden in Göttingen, Hannover und Oldenburg heißt das erst einmal: Vorlesungen, Prüfungen, Praktika – und im Hinterkopf eine berufliche Entscheidung, die schon vor dem ersten Staatsexamen ziemlich weit in die Zukunft reicht.
