Eine Delegation der Universität Potsdam (UP) besuchte am 15. und 16. Mai 2026 die Universität Lettlands in Riga, um die bestehenden Beziehungen zwischen beiden Institutionen weiter auszubauen. Die Gruppe, angeführt von Präsident Prof. Oliver Günther, PhD, umfasste zudem Vizepräsidentin Britta van Kempen, Leiterin des International Office Katharina Schmitt, Prof. Dr. Iwan-Michelangelo D’Aprile und Kaspar Renner, Koordinator der DAAD-geförderten Germanistischen Institutspartnerschaft. Ziel des Besuchs war die Vertiefung der Zusammenarbeit im Rahmen des 2025 gegründeten Zentrums für interdisziplinäre Deutschland-Studien.
Die Delegation führte Gespräche mit wichtigen Vertretern der Universität Lettlands, darunter Rektor Gundars Bērziņš und Dekanin Dace Balode. Auch Raivis Bičevskis, Direktor des Zentrums für Deutschland-Studien, war an den Diskussionen beteiligt. Der Besuch umfasste zudem Besuche an bedeutenden Orten wie dem Universitäts- und Wissenschafts-Campus Tornkalns sowie der Lettischen Nationalbibliothek, die über eine umfangreiche Sammlung deutschsprachiger Bestände verfügt. Ein weiteres Highlight war das Treffen mit der ehemaligen lettischen Staatspräsidenten Egils Levits und der deutschen Botschafterin in Lettland, Gudrun Masloch.
Bedeutung der Lettisch-Deutschen Zusammenarbeit
Die Gespräche konzentrierten sich auf die Relevanz der Lettisch-Deutschen Zusammenarbeit in Zeiten europäischer Herausforderungen. Die Universität Potsdam hat seit über einem Jahrzehnt enge Kontakte zur Universität Lettlands, die durch das interdisziplinäre Zentrum gefestigt werden sollen. Das Zentrum unterstützt unter anderem die Ausbildung von Deutschlehrkräften und fördert den Wissensaustausch. Besonders hervorzuheben ist die Unterstützung durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), die deutsche Botschaft in Lettland und das Goethe-Institut.
Die Grundsteinlegung für die Zusammenarbeit wurde 2015 durch eine Kooperation zwischen dem Potsdamer Institut für Germanistik und der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Riga gesetzt. In einer weiteren Erweiterung dieser Partnerschaft wurde im Januar 2025 die Germanistische Institutspartnerschaft zwischen Potsdam, Riga und Tartu gegründet, ebenfalls gefördert durch den DAAD.
Kulturelle Verbindungen und historische Kontexte
Die Beziehungen zwischen Lettland und Deutschland sind nicht nur akademischer, sondern auch kultureller Natur. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten zahlreiche Letten als „Displaced Persons“ in Deutschland, viele in Barackensiedlungen in Städten wie Münster und Oldenburg. Münster entwickelte sich dabei zum kulturellen Zentrum der lettischen Gemeinschaft in Deutschland, in dem das Lettische Gymnasium von 1951 bis 1998 das einzige seiner Art war. Diese historische Dimension wirft ein Licht auf die vielschichtigen Verbindungen, die es zwischen beiden Ländern gibt und welche bis in die heutige Zeit nachwirken.
Zugleich ist es wichtig zu erwähnen, dass die deutsch-lettischen Beziehungen auch in einem komplexen politischen und sozialen Kontext stattfinden. Die Exilgemeinde in Deutschland hat über die Jahre eine wichtige Rolle gespielt, doch die Integration in die Gesellschaft verlief unterschiedlich: Viele Letten konnten sich gut einleben, während andere weiterhin in ihren kulturellen Wurzeln verankert blieben. Der Rückgang der Mitgliederzahlen in kirchlichen Gemeinschaften zeigt ebenfalls die sich wandelnden gesellschaftlichen Strukturen an. Die Evangelisch-Lutherische Kirche der Letten im Exil, die 1944 gegründet wurde, verbuchte in den letzten Jahren einen signifikanten Rückgang ihrer Mitgliederzahl.
In Anbetracht dieser vielschichtigen historischen und kulturellen Aspekte unterstreicht die Delegationsreise der Universität Potsdam die Wichtigkeit, die Verbindungen zwischen Lettland und Deutschland nicht nur zu pflegen, sondern aktiv auszubauen. Der Austausch auf akademischer Ebene stellt einen weiteren Schritt in eine hoffnungsvolle Zukunft dar, die von Zusammenarbeit und gegenseitigem Verständnis geprägt ist. Die Universität Potsdam bleibt somit ein zentraler Akteur in diesem bedeutenden Prozess.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sowohl die aktuellen Entwicklungen als auch die historischen Hintergründe eine derartige Zusammenarbeit im Kontext europäischer Werte und Herausforderungen unerlässlich machen. Die Errichtung und Pflege solcher interdisziplinären Studienzentren fördern nicht nur das Verständnis zwischen den Nationen, sondern tragen auch zur gemeinsamen kulturellen Identität bei.