Die psychische Gesundheit von geflüchteten Menschen ist ein drängendes Thema in Deutschland. Viele Neuankömmlinge aus Kriegs- und Krisengebieten tragen immense psychische Belastungen mit sich. Schätzungen zufolge haben rund 80 Prozent dieser Personen traumatisierende Erfahrungen gemacht. Eine erhebliche Anzahl, nämlich 40 bis 50 Prozent, leidet an behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankungen. Doch trotz dieses hohen Bedarfs finden viele Betroffene keinen geeigneten Therapieplatz. Psychotherapeut:innen berichten häufig von einer unzureichenden Vorbereitung auf die speziellen Herausforderungen, die die Behandlung von geflüchteten Menschen mit sich bringt. Ein Mangel an Sprach- und Kulturmittler:innen verstärkt diese Problematik, da sie dazu beitragen könnten, kulturelle Missverständnisse zu vermeiden. Leider wird der Einsatz solcher Fachkräfte in der Regelversicherung oftmals nicht finanziert, was die Versorgungslücken weiter erhöht. Hierzu informiert die Universität Witten/Herdecke, dass Verzögerungen in der Hilfestellung dazu führen können, dass psychische Erkrankungen chronisch werden.

Das Projekt „Assisting Refugees to Access Psychological Support“ (ARAP) der Universität zielt darauf ab, diese Versorgungsengpässe zu schließen. Es beginnt mit einem Erstgespräch, das den Unterstützungsbedarf der Betroffenen klärt. Im Anschluss vermittelt das Projektteam geeignete psychotherapeutische Behandlungsangebote im regionalen Netzwerk. Darüber hinaus werden auch niedergelassene Psychotherapeut:innen sowie Psychotherapeut:innen in Ausbildung fortgebildet, um sie auf die Bedürfnisse von geflüchteten Menschen vorzubereiten. Fachkräfte, die mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen arbeiten, haben ebenfalls die Möglichkeit, sich über das Projekt fortzubilden. Das Versorgungsnetzwerk soll bis November 2028 aufgebaut werden und wird durch Fördermittel des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) der Europäischen Union sowie der Dr. Lisa-Kurz-Stiftung und der Heidehof Stiftung ermöglicht.

Bedarf an psychologischer Unterstützung

In Deutschland leben rund 1,8 Millionen Schutzsuchende, viele von ihnen sind erheblichem Stress ausgesetzt, der aus Krieg, Verfolgung und der langen Flucht resultiert. Der Bedarf an Präventionsmaßnahmen, frühzeitiger Diagnostik und passender Behandlung ist hoch. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert patientenorientierte Forschung zur Entwicklung geeigneter Angebote, um die psychosoziale Versorgung der Geflüchteten zu verbessern. Eine neue Webseite, „mentalhealth4refugees.de“, bündelt Forschungsaktivitäten und bietet Informationen für Betroffene sowie Akteure aus dem Gesundheitswesen und der Wissenschaft. Diese Plattform ist in mehreren Sprachen verfügbar, um möglichst viele Menschen zu erreichen.

Die Webseite wird mit rund 275.000 Euro vom BMBF gefördert und ist Teil einer größeren Fördermaßnahme, die aus 20 Einrichtungen in sieben Forschungsverbünden besteht. Sie behandelt verschiedene Themen, darunter das Stresserleben von Jugendlichen und die Traumafolgen für geflüchtete Familien. Besondere Aufmerksamkeit wird auf kulturelle Sensibilität und verständliche Sprache gelegt. Hierzu wurden auch Workshops mit Geflüchteten und Fachleuten durchgeführt, um die Webseite bedarfsgerecht zu gestalten.

Strukturelle Hürden und Versorgungslücken

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Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat Vorschläge zur Verbesserung des Zugangs zu Therapeuten gemacht, doch viele geflüchtete Menschen unter dem Asylbewerberleistungsgesetz haben keinen Anspruch auf die Regelversorgung der Krankenkassen. In dieser ohnehin angespannten Situation wurden die finanziellen Mittel für die Psychosozialen Zentren drastisch gekürzt, was drohende Schließungen oder Personalabbau zur Folge hat. Ein dringender Bedarf an mindestens 27 Millionen Euro für 2025 wird signalisiert, um die psychosoziale Versorgung aufrechtzuerhalten. Selbst in den Bundesländern, die investieren, wie Rheinland-Pfalz, bleibt die Unterstützung unzureichend. In Bayern sind viele Hilfsangebote kaum vorhanden.

Zusätzlich zu den strukturellen Hürden, wie bürokratischen Aufwänden und Sprachbarrieren, gehen Fehlentscheidungen bei der Genehmigung von Psychotherapie durch Sozialämter häufig zu Lasten der Betroffenen. Fachlich und ethisch fundierte Screeningverfahren sind notwendig, um psychische Probleme bei Geflüchteten frühzeitig zu erkennen. Politische Maßnahmen müssen daher nicht nur die Identifizierung psychischer Erkrankungen erleichtern, sondern auch mit einer angemessenen Versorgung einhergehen. Es ist ein wachsendes Bewusstsein für die Notwendigkeit, Lösungen statt Stigmatisierungen zu suchen, um diesen vulnerablen Gruppen zu helfen.