Wochenlange Proteste gegen den Circus Gebrüder Barelli sind am Wochenende in Regensburg eskaliert. Im Zirkuszelt kam es zu einer körperlichen Auseinandersetzung. Die Zirkusfamilie zeigte sich danach fassungslos und erhob schwere Vorwürfe gegen Tierschutzaktivisten. Der Staatsschutz wurde eingeschaltet.

Ein Video aus dem Zirkuszelt soll nun neue Einblicke in den Ablauf des Vorfalls geben. Die Gegenseite weist die Darstellung des Zirkusses zurück und erhebt ihrerseits schwere Anschuldigungen. Mit den Vorwürfen befassen sich das zuständige Veterinäramt sowie Strafverfolgungsbehörden in Würzburg.

Banner im Publikumsbereich, Protest in der Manege

Vorausgegangen war eine unangekündigte Unterbrechung einer Vorstellung. Mehrere Aktivistinnen und Aktivisten standen im Publikumsbereich auf und entrollten Banner. Während einer Umbauphase betrat zudem ein Aktivist die Manege. Auf den Plakaten standen unter anderem „Manege frei von Tierquälerei“, „Kein Applaus für Tierquälerei“ und „Eure ‚Witze‘ sind kein Spaß – Stoppt Diskriminierung!“.

Im Programm des Zirkus treten unter anderem Pferde und Kamele auf. Die Protestierenden kritisieren Haltung, Transporte und Dressur der Tiere als nicht artgerecht. Das könne Stress und Verhaltensstörungen verursachen, sagt die Gruppe. Sie fordert ein grundsätzliches Verbot von Tieren in Zirkussen, außerdem ruft sie dazu auf, entsprechende Vorstellungen nicht zu besuchen.

Nach Darstellung der Aktivisten stand der Circus Gebrüder Barelli bereits mehrfach wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Tierschutzvorgaben in der Kritik. Der Protest richtet sich aber nicht nur gegen den Umgang mit Tieren, sondern auch gegen Inhalte des Showprogramms.

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Schwere Vorwürfe gegen das Programm

Unter Berufung auf Erfahrungsberichte und Online-Bewertungen behauptet die Gruppe, im aktuellen Programm würden Witze über gehörlose Menschen gemacht. In früheren Vorstellungen soll es rassistische Anspielungen gegenüber Zuschauern gegeben haben; dabei sei auch eine abwertende Fremdbezeichnung für Sinti und Roma verwendet worden.

Besucherinnen berichten laut der Gruppe außerdem von übergriffigem Verhalten, darunter unerwünschtes Berühren und aufgedrängte Küsse durch Darsteller. Eine Frau, die mit ihrer Lebensgefährtin im Publikum saß, sei anschließend beleidigt worden. Zudem verweisen die Aktivisten auf einen Bericht einer Würzburger Zeitung, wonach ein Clown das Publikum zum Ruf „Sieg Heil“ animiert haben soll.

Elsa T., eine Beteiligte, erklärte, ein Ort, an dem Tiere zur Unterhaltung ausgebeutet und Menschen rassistisch, sexistisch oder wegen Behinderungen gedemütigt würden, dürfe keinen Platz in der Gesellschaft haben. Die Regensburger Stadtzeitung bat den Circus Gebrüder Barelli um eine Stellungnahme.

Warum Kontrollen bei Zirkussen schwierig sind

Tierschutz im Zirkus ist wegen häufiger Ortswechsel und Tiertransporte besonders anspruchsvoll. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, kurz BMLEH, stellt Zirkusbetrieben Hilfestellungen zum Schutz der Tiere bereit. Dabei geht es um Haltung, Ausbildung und Transport.

Zu den Maßnahmen des BMLEH gehören die Herausgabe der Zirkusleitlinien, der Erlass der Zirkusregisterverordnung und die Überarbeitung des Gutachtens über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren. Die Zirkusleitlinien und das Säugetiergutachten dienen Tierhaltern und Überwachungsbehörden als Orientierung bei der Prüfung, ob eine Haltung den Anforderungen des § 2 Tierschutzgesetz entspricht.

Die Zirkusregisterverordnung soll die Durchsetzung tierschutzrechtlicher Vorschriften bei der Haltung von Wildtieren in Zirkussen erleichtern. Vor ihrem Inkrafttreten erschwerten die kurzen Aufenthalte der Zirkusse an einzelnen Orten die behördliche Kontrolle. Den zuständigen Landesbehörden war häufig nicht bekannt, ob einem Zirkus eine Erlaubnis nach dem Tierschutzgesetz erteilt worden war, welche Inhalte und Auflagen diese Erlaubnis hatte und welche Ergebnisse frühere Kontrollen ergeben hatten.

Das Register bündelt diese Informationen und macht sie schnell abrufbar. Die erhobenen Daten werden in einer zentralen Datenbank der Länder verwaltet. Überwachung und Einhaltung der Tierschutzstandards in Deutschland sind Aufgabe der Länder; sie haben die Möglichkeit und die Pflicht, Verstöße gegen das Tierschutzgesetz zu sanktionieren.

Die Informationen des BMLEH stammen aus einem Artikel vom 24. September 2021. Der aktuelle Konflikt rund um den Circus Gebrüder Barelli beschäftigt derweil weiterhin Behörden und Strafverfolger – und reicht bis an die Uni Regensburg, wo der Streit unter Studierenden und Wissenschaftsinteressierten ebenfalls Gesprächsthema ist.