Ein niedersächsisches Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), TWINCORE und dem Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung (HZI) hat ein ambitioniertes Projekt zur Verbesserung der Diagnostik von Kollagenosen ins Leben gerufen. Das Projekt mit dem Titel „PREcision DIagnostics to CombaT Connective Tissue Diseases“ (PREDICT-CTD) wird mit 2,7 Millionen Euro aus dem Programm „Zukunft.niedersachsen“ gefördert. Ziel ist die Entwicklung eines neuen, präziseren Diagnoseverfahrens, um betroffene Patienten besser behandeln zu können.
Kollagenosen, eine Gruppe seltener entzündlich-rheumatischer Erkrankungen, betreffen circa 115.000 Menschen in Deutschland. Diese Erkrankungen zeichnen sich durch eine chronische Entzündung des Bindegewebes aus, wobei das Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Gewebe angreift. Zu den häufigsten Kollagenosen gehören systemische Sklerose, systemischer Lupus erythematodes, Sjögren’s Erkrankung und inflammatorische Myositiden. Die Symptome sind vielfältig und umfassen Gelenkschmerzen, Hautveränderungen sowie extreme Erschöpfung. Die Diagnose kann oftmals Jahre in Anspruch nehmen, was für die Betroffenen eine erhebliche Belastung darstellt.
Verbesserte Diagnoseansätze
Eines der größten Probleme bei der Diagnose dieser Erkrankungen ist das Fehlen einer klinischen Routinediagnostik zur Identifizierung des führenden Entzündungsmechanismus. Die Forschung sieht daher die Notwendigkeit, die Entzündungsreaktionen der Patienten genauer zu klassifizieren. Das neue Konzept unterteilt diese in zwei Gruppen: entzündliche Reaktionen, die durch B-Zellen oder Typ1-Interferone ausgelöst werden. Durch die Entwicklung einer präziseren Diagnostik will das Projekt eine gezielte und individuelle Behandlung ermöglichen, die die Lebensqualität der Patienten erheblich steigern könnte.
Die geplante Untersuchung wird eine umfassende Analyse von klinischen Faktoren, Blutproben, genetischen Faktoren und Gewebe, insbesondere von Hautproben, umfassen. Insgesamt sollen rund 200 Kinder und 2.000 Erwachsene mit diagnostizierten Kollagenosen in die Studie einbezogen werden. Diese umfangreiche Datenbasis soll dazu dienen, ein besseres Verständnis der Erkrankungen zu erlangen und Fortschritte in der Diagnosetechnologie zu erzielen. Die geplante Laufzeit für das Projekt beträgt fünf Jahre, mit einem offiziellen Projektstart am 1. Juli 2026.
Herausforderungen und Perspektiven
Die Erforschung von Kollagenosen steht im Zeichen großer Herausforderungen. Die Ursachen sind vielfältig und umfassen genetische Faktoren sowie Umwelteinflüsse wie Rauchen, Feinstaub und hormonelle Einflüsse. Bisherige Behandlungsmöglichkeiten beschränken sich in der Regel auf die Linderung der Symptome, da eine Heilung bislang nicht möglich ist. Patienten sehen sich oft mit einer langen Suche nach geeigneten Therapien konfrontiert, die sowohl Leid als auch erhebliche Kosten mit sich bringen kann.
Mit dem Projekt PREDICT-CTD setzen die Forscher auf innovative Ansätze, um nicht nur eine genauere Diagnostik zu schaffen, sondern auch die Grundlagen für zukünftige Behandlungsmethoden zu legen. mhh.de berichtet über die bedeutenden Fortschritte, die durch die intensive Zusammenarbeit der beteiligten Einrichtungen zu erwarten sind. Auch Ärzteblatt hebt die Dringlichkeit der Forschung in diesem Bereich hervor, angesichts der hohen Anzahl betroffener Menschen.