Die Tabula Peutingeriana, die einzige erhaltene Karte des römischen Straßensystems, erlangt durch moderne Forschungstechnik neue Aufmerksamkeit. Ein Team um Prof. Dr. Michael Rathmann von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt hat die für die Kartographiegeschichte bedeutsame Karte mithilfe von Multispektralanalyse (MSI) eingehend untersucht. Die Österreichische Nationalbibliothek in Wien stellt die wertvolle Karte für diese Analyse bereit. Dabei arbeiten Techniker des „Centre for the Study of Manuscript Cultures“ der Universität Hamburg eng mit den Historikern zusammen.

Rathmann hebt die innovative Kooperation der Institutionen hervor, die verschiedene Fachrichtungen wie Technologie, Konservierung und historische Analyse vereint. Die Untersuchungen konzentrieren sich vor allem auf die stark beschädigten Stellen der Karte, insbesondere die Bereiche, die grünes Kupferpigment enthalten. Diese für die Karte typischen Schäden behindern die Lesbarkeit und das Verständnis der historischen Inhalte.

Eine einzigartiges historisches Dokument

Die Tabula Peutingeriana, die im späten 12. Jahrhundert gefertigt wurde, ist eine mittelalterliche Kopie einer ursprünglich hellenistischen Karte. Diese uralte Kartendarstellung stellt die Ausdehnung des Römischen Reiches dar und bietet wertvolle Einblicke in das Management und die Wirtschaft der damaligen Zeit. Die Karte, die 680 cm lang und 34 cm hoch ist, hat jedoch keine maßstabsgetreue Darstellung. Stattdessen zeigt sie eine schematische Ansicht des Strassennetzes von den Britischen Inseln bis nach Indien und hin zu den Grenzen Chinas, und verdeutlicht damit die weitreichenden Verbindungen des Römischen Reiches.

Für die moderne Forschung ist diese Karte von immensem Wert. Sie enthält wertvolle Informationen über über 200.000 Kilometer Straßen, mehr als 555 Städte und Dörfer sowie 3.500 andere geografische Objekte. Ihre Segmentierung in zwölf Teile ermöglicht eine detaillierte Analyse jeder Region, und die karolingischen Minuskeln der Beschriftungen bieten Hinweise auf die Sprach- und Schreibpraktiken der Zeit.

Fortschritte durch technische Innovationen

Mit der Multispektralanalyse wird es möglich, Details sichtbar zu machen, die zuvor unleserlich waren. Verschollene Schriftzeichen und übermalte Zeichnungen können dadurch wiederentdeckt werden. Dies ist besonders wichtig, da einige Beschriftungen, insbesondere die der Wasserflächen, durch chemische Reaktionen unleserlich geworden sind. Erste Testaufnahmen aus dem Jahr 2022 zeigten bereits Umrisse wie die Insel Antiochia, die im Original nicht erkennbar sind, was die Bedeutung dieser Forschungsarbeiten unterstreicht.

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Die Tabula Peutingeriana, die ein Schlüsseldokument der kartographischen Überlieferung darstellt, ist seit 2007 Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes. Die Geschichte und Entwicklung der Karte spiegelt sich nicht nur in ihrer Erstellung im 4. Jahrhundert wieder, sondern auch in den zahlreichen Projekten, die seitdem durchgeführt wurden. Ein DFG-Projekt von 2017 bis 2023 schuf beispielsweise eine Online-Datenbank mit rund 3.800 geografischen Informationen, die die Forschung weiter vorantreiben.

Die aktuelle Untersuchung, die auf den Fortschritten dieser vorherigen Arbeiten aufbaut, zielt darauf ab, die historische Genauigkeit von etwa hundert Einträgen zu überprüfen. Ziel ist es, zukünftige Projekte zu beantragen, die das Wissen um diese außergewöhnliche Karte vertiefen und dazu beitragen, die Geheimnisse des römischen Erbes weiter zu bewahren.