Am heutigen 14. Oktober 2026 beginnt vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg der Prozess gegen einen mutmaßlichen Drahtzieher der Nord-Stream-Explosionen. Der Mann stammt aus der Ukraine. Ihm wird ein Kriegsverbrechen vorgeworfen: Er soll durch einen Angriff auf zivile Objekte verbotene Methoden der Kriegsführung eingesetzt haben. Im August wurde außerdem ein zweiter Verdächtiger in Kroatien festgenommen.

Fast zeitgleich sorgen zwei weitere Festnahmen für Aufsehen. Am Dienstag nahm die deutsche Polizei in Nürtingen zwei türkische Staatsangehörige im Auftrag polnischer Behörden fest. Sie stehen im Verdacht, Ende September eine Starlink-Station in der zentralpolnischen Region Masowien in Brand gesetzt zu haben. Die Anlage wurde dabei nicht zerstört. Die polnische Regierung vermutet russische Geheimdienste als Auftraggeber.

Brand in Masowien, Daten für die Ukraine

Polens Regierungschef Donald Tusk gab die Festnahmen in Deutschland bekannt und bezeichnete den Vorfall als „weiteren Akt hybrider Kriegsführung“. Die Station gehört dem staatlichen Telekommunikationsunternehmen Exatel. Nach Angaben polnischer Behörden leitet sie Internetdaten durch Polen und in die Ukraine weiter. Genutzt wird sie auch von SpaceX-Systemen, die über Starlink-Terminals Internetverbindungen bereitstellen.

Der polnische Digitalminister Krzysztof Gawkowski erklärte, die Sabotage sei darauf ausgelegt gewesen, die Station außer Betrieb zu setzen. Durch den Brand sei der Internetzugang verschiedener Institutionen gestört worden, darunter der ukrainischen Armee. Starlink gehört zum Raumfahrtunternehmen SpaceX von Elon Musk und ist für die Kommunikation der ukrainischen Streitkräfte wichtig. Nach Beginn der russischen Invasion im Jahr 2022 hatte Musk die Starlink-Dienste für die Ukraine freigeschaltet.

Das ukrainische Militär nutzt Zehntausende Starlink-Terminals für die Kommunikation auf dem Schlachtfeld und für Drohneneinsätze. Polen übernimmt nach eigenen Angaben die Kosten für die ukrainischen Starlink-Abonnements. Das Land ist zugleich ein zentraler Umschlagplatz für westliche militärische und humanitäre Hilfe für die Ukraine. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 hat Polen Russland mehrfach Sabotage vorgeworfen. Tusk warnte im September vor hybriden Angriffen Russlands mit Drohnen oder Raketen auf Verbündete der Ukraine.

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Raketen auf Hochspannungsleitungen

Auch in Deutschland führen Ermittler mehrere Fälle auf mögliche Sabotage zurück. Nach Angriffen auf Stromleitungen in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen wurde am 8. September 2026 ein 48-Jähriger bei Weisweiler nahe Aachen festgenommen. Er soll mit selbstgebauten Raketen Drähte über Hochspannungsleitungen geschossen und dadurch Kurzschlüsse verursacht haben.

Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen wegen des Verdachts verfassungsfeindlicher Sabotage. Der Verdächtige kam in Untersuchungshaft. Viel mehr ist öffentlich bislang nicht bekannt – nur, dass selbstgebaute Raketen und Stromleitungen eine denkbar gefährliche Kombination sind.

Im Februar 2026 wurden außerdem in Hamburg und Griechenland zwei Werftarbeiter festgenommen. Sie sollen auf der Hamburger Werft Blohm+Voss liegende Korvetten für die Deutsche Marine sabotiert haben. Als mögliche Handlungen gelten das Einbringen von Strahlkies in einen Motorblock, das Durchstechen von Wasserleitungen, das Entfernen von Tankdeckeln und das Deaktivieren von Sicherungsschaltern.

Im August 2026 wurden die Verfahren mangels eindeutiger Beweise eingestellt. Laut Generalstaatsanwaltschaft ließ sich nicht feststellen, welcher der beiden Beschuldigten die mutmaßliche Tat ausgeführt hatte.

Bauschaum, Geheimdienstkontakte und ein alter Bahnfall

Im Dezember 2024 wurden in mehreren Bundesländern Hunderte Autos mit Bauschaum beschädigt. Die Taten sollen mutmaßlich im Auftrag aus Russland erfolgt sein, der Schaden beträgt mehr als 13.000 Euro. Am 5. Oktober 2026 verurteilte das Amtsgericht Ulm drei junge Menschen wegen gemeinschaftlicher Sachbeschädigung. Sie sollen jeweils 100 Euro pro beschädigtem Auto erhalten haben. Wer mögliche Hintermänner sind, blieb ungeklärt.

Bereits im Oktober 2025 verurteilte das Oberlandesgericht München drei Männer wegen geheimdienstlicher Tätigkeit für Russland. Sie sollen Sabotage gegen die militärische Unterstützung der Ukraine geplant und unter anderem Einrichtungen der US-Streitkräfte in Deutschland ausgespäht haben. Der mutmaßliche Kopf der Gruppe erhielt wegen der Planung von Sabotageakten und seiner früheren Tätigkeit als Paramilitär in der Ostukraine sechs Jahre Haft. Die beiden Mitangeklagten bekamen Bewährungsstrafen. Die Verurteilten legten Revision ein.

Ein Fall reicht noch weiter zurück. Nach einem Sabotageakt an der ICE-Strecke Frankfurt–Köln im März 2020 wurde ein damals 51-jähriger Deutscher bei Köln festgenommen. Ein Bekennerschreiben, unter anderem an Bundeskanzlerin Merkel, führte die Ermittler zu ihm. Bei Niedernhausen in Hessen hatte der Mann mehr als 250 Schrauben gelöst. Das Landgericht Wiesbaden verurteilte ihn im März 2021 zu neun Jahren und zehn Monaten Haft. Nach Überzeugung des Gerichts war übersteigerte Geltungssucht sein Tatmotiv.

Der aktuelle Blick auf die Fälle bleibt zwangsläufig lückenhaft. Eine zusätzliche Quelle der Bundeswehr zum Cyber- und Informationsraum ist beschädigt beziehungsweise falsch kodiert und enthält keine lesbaren, verlässlich zusammenfassbaren Nachrichteninformationen. Sicher ist nur: Zwischen brennenden Leitungen, manipulierten Schiffen, Bauschaum an Autos und einer Starlink-Station in Masowien liegen sehr unterschiedliche Taten – und doch landen sie alle in derselben nervösen Sicherheitsdebatte, heute, am 14. Oktober 2026, auch in München.