Spanischkurs an der Uni Leipzig: Warum Sprachbildung über den Studienerfolg entscheidet
An der Uni Leipzig sorgt der mögliche Wegfall eines Spanischkurses für Unruhe. Eine Online-Petition mit dem Titel „Sie nimmt uns die Sprache: Prorektorin streicht Spanischkurs trotz vorhandener Mittel“ sammelt Stimmen von Menschen, die den Wert solcher Angebote betonen. Es geht dabei nicht bloß um ein zusätzliches Fach im Stundenplan. Sprachkurse bereiten auf Auslandsaufenthalte vor und eröffnen die Möglichkeit, mehrere Fremdsprachen für das spätere Leben zu lernen.
In Kommentaren zur Petition wird zugleich auf die knappen Kapazitäten hingewiesen. Es gebe zu wenige Plätze in Sprachkursen. Teilweise seien auch Lehramtsstudierende verpflichtet, solche Kurse zu belegen, könnten das derzeit aber nicht. Viele Studierende bräuchten außerdem Sprachkurse als Nachweis für weitere Projekte oder für die Fortsetzung ihres Studiums. Sprachen würden Menschen verbinden, heißt es dort – daran solle nicht gespart werden.
Zwischen Auslandsplänen und Zulassungsvoraussetzungen
Wie wichtig Sprachkompetenz im Hochschulalltag ist, zeigt auch das Informationsangebot der Universität Göttingen. Besonders Studierende, die einen Auslandsaufenthalt planen, sind auf passende Sprachkenntnisse angewiesen. In einigen Studienfächern müssen diese sogar als Zulassungsvoraussetzung nachgewiesen werden. Für internationale Studierende gilt in der Regel umgekehrt: Sie müssen Deutschkenntnisse belegen, etwa durch die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang, kurz DSH.
Zentrale Anlaufstelle für Sprachinteressierte ist dort die „Zentrale Einrichtung für Sprachen und Schlüsselqualifikationen“ (ZESS). Das Angebot reicht von Sprachanforderungen für internationale Studieninteressierte über Deutschkurse für internationale Studierende und allgemeines Fremdsprachenlernen bis zu Fremdsprachennachweisen für die Immatrikulation und während des Studiums. Hinzu kommen Informationen zu Fremdsprachen für Auslandsaufenthalte, Sprachkursangeboten im Ausland sowie Kursen an Hochschulen in ausgewählten Ländern und weltweit über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD).
Die Petition fordert deshalb den Erhalt kostenloser und international relevanter Bildungsangebote. Gerade wenn Plätze fehlen und Nachweise für Studium, Projekte oder Auslandspläne gebraucht werden, bekommt ein gestrichener Kurs schnell mehr Gewicht, als es sein Name zunächst vermuten lässt.
Leipziger Forschung zu Sprache und Studienerfolg
Am Standort Leipzig gibt es dazu einen breiten wissenschaftlichen Zusammenhang. Das Projekt „Sprache und Studienerfolg“ untersucht, wie Sprachkompetenzen, soziale und akademische Integration sowie der Studienerfolg internationaler Studierender zusammenhängen. Die Publikationen reichen von empirischen Längsschnittstudien bis zu Arbeiten über Wortschatz, Mitschreiben in Vorlesungen, Sprachtests und metakognitives Strategiewissen.
Wisniewski, Lenhard, Spiegel und Möhring (Hrsg.) veröffentlichten 2022 bei Waxmann in Münster den Band Sprache und Studienerfolg bei Bildungsausländerinnen und Bildungsausländern. Ergebnisse eines empirischen Forschungsprojekts. Wisniewski legte außerdem die im Druck befindliche Arbeit „Deutschkompetenzen als Prädiktoren des objektiven und subjektiven Studienerfolgs internationaler Studierender in der Studieneingangsphase“ für Beiträge zur Hochschulforschung vor. Möhring untersuchte 2022 in InfoDaF (4/2022, 384–410) die sprachliche Studierfähigkeit im Zusammenhang mit produktiver und rezeptiver Wortschatzkompetenz, DOI: 10.1515/infodaf-2022-0058.
Weitere Beiträge stammen von Seeger und Lenhard: „Metakognitives Strategiewissen als Prädiktor für Sprachfähigkeit und Studienerfolg internationaler Studierender“ erschien 2022 in der Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 54(1), 27–37, DOI: 10.1026/0049-8637/a000250. Wisniewski befasste sich 2021 mit der prognostischen Validität von Prüfungen zum sprachlichen Hochschulzugang, in: Díaz, Tschirner und Wisniewski (Hrsg.), Mexikanisch-deutsche Perspektiven auf Deutsch als Fremdsprache, S. 185–218. Wisniewski und Möhring verglichen im selben Jahr Hochschulzugangs-Sprachprüfungen anhand ausgewählter Sprachtests nach Studienbeginn, Deutsch als Fremdsprache, 4, 195–213, DOI: 10.37307/j.2198-2430.2021.04.03.
Zum Projekt gehören außerdem Seeger, Lenhard und Wisniewski mit einer Arbeit zur internen Struktur und Validität des szenariobasierten Instruments ScenEx in Diagnostica, 67(4), 1–11, DOI: 10.1026/0012-1924/a000275. Wisniewski und Lenhard veröffentlichten 2021 den Beitrag „Zusammenhang von Sprache und Studienerfolg bei Bildungsausländerinnen und Bildungsausländern; Ergebnisse des SpraStu-Projekts“ in Neugebauer, Daniel und Wolter (Hrsg.), Studienerfolg und Studienabbruch, S. 203–233.
Schon 2020 entstanden die Handbücher MIKO – Mitschreiben in Vorlesungen: Ein multimodales Lehr-Lernkorpus. Handbuch von Spiegel et al. sowie DISKO – Deutsch im Studium: Lernerkorpus. Handbuch von Muntschick et al. Ebenfalls 2020 veröffentlichten Wisniewski, Möhring, Lenhard und Seeger „Sprachkompetenzen und Studienerfolg internationaler Studierender zu Studienbeginn; erste Ergebnisse eines empirischen Längsschnittprojekts“ in Language Testing and Evaluation, S. 279–319.
Die Reihe reicht weiter zurück: Wisniewski schrieb 2019 einen interdisziplinären Forschungsüberblick zum Mitschreiben in Vorlesungen mit Schwerpunkt Deutsch als L2 in Wissenschaftssprache(n) kontrastiv, S. 153–170. Gemeinsam mit Parker, Lenhard und Seeger veröffentlichte Wisniewski außerdem den szenariobasierten Fragebogen ScenEx zum sprachbezogenen metakognitiven Strategiewissen internationaler Studierender in der Zeitschrift für Fremdsprachenforschung, 30(1), 55–76. Möhring behandelte Hör- und Lesetests als Diagnoseinstrumente für bildungssprachliche Kompetenzen internationaler Studierender in IDT 2017, Bd. 2, S. 445–451. Bereits 2018 dokumentierte Wisniewski die Längsschnittstudie zu Sprache und Studienerfolg von Bildungsausländerinnen und Bildungsausländern an den Universitäten Leipzig und Würzburg in Informationen Deutsch als Fremdsprache, 45(4), 573–597.
Vorträge, Poster und viele kleine Forschungsbausteine
Die Ergebnisse wurden über Jahre auf Tagungen und Workshops vorgestellt. Im Februar 2022 sprach Wisniewski bei der DAAD-Wissenschaftswerkstatt, online, über die soziale und akademische Integration internationaler Studierender sowie Zusammenhänge mit Sprachkompetenzen und Studienerfolg.
2021 präsentierten Wisniewski und Kercher bei der DAAD-Leitertagung, online, im November die soziale und akademische Integration internationaler Studierender. Im Oktober stellte Wisniewski beim LEAD Graduate School and Research Network Retreat Ergebnisse einer Mixed-Methods-Längsschnittstudie zum Studienerfolg internationaler Studierender an deutschen Hochschulen vor. Möhring sprach bei LEIC Research in Vilnius/online über unterschiedliche Sprachanforderungen für die Hochschulzulassung internationaler Studierender in Europa.
Im August 2021 präsentierte Wisniewski beim 19th AILA World Congress, online, einen szenariobasierten Fragebogen zur Erfassung von L2-Strategien bei internationalen Studierenden. Beim 14. Kongress der Internationalen Vereinigung für Germanistik, online, ging es im Juli um Anforderungen und empirische Analyse des Mitschreibens in Vorlesungen. Die Internationale DAAD-Akademie, online, widmete sich im Juni Wisniewskis Vortrag über sprachliche Perspektiven auf den Studienerfolg von Bildungsausländerinnen und Bildungsausländern.
Ebenfalls im Juni stellte Möhring bei der EALTA Conference, online, die Entwicklung des Wortschatzes internationaler Studierender zu Studienbeginn und Zusammenhänge mit Lesen, Hören, Schreiben und Studienerfolg vor. Im April präsentierte Wisniewski bei der BMBF
