Am 30. Oktober 2026 geht es an der Universität Würzburg um eine Gewohnheit, die viele kaum noch bemerken: das ständige Nachsehen auf dem Smartphone. Eine Nachricht, eine Mail, ein kurzer Blick – und schon ist die Konzentration wieder weg. Häufige digitale Unterbrechungen können sich über den Tag summieren, das Stressempfinden erhöhen und die Erholung erschweren.

Dr. Andreas Petko, Sport- und Gesundheitswissenschaftler an der Universität Würzburg, informiert gemeinsam mit der Stadt und dem Landkreis Würzburg über diese Belastungen. Der Hilfekompass der Region bündelt regionale Hilfs- und Beratungsangebote, unter anderem zu Stress und psychischen Belastungen sowie zu problematischer Mediennutzung. Der Beratungsnavigator ist unter www.hilfekompass.wuerzburg.de erreichbar.

Der Kopf bleibt auf Empfang

Eine repräsentative Befragung der IU Internationalen Hochschule zeigt, wie eng digitale Geräte inzwischen in den Tagesablauf eingebaut sind: 81 Prozent der Befragten schauen mindestens ein- bis zweimal pro Stunde auf ein digitales Gerät – auch dann, wenn gar keine Benachrichtigung eingegangen ist. Nach den genaueren Angaben der IU überprüfen 81,0 Prozent der Menschen in Deutschland ihre Geräte mindestens einmal pro Stunde.

Rund drei Viertel greifen innerhalb von 30 Minuten nach dem Aufwachen zu Smartphone, Tablet oder ähnlichen Geräten. Etwa ebenso viele nutzen digitale Geräte in den letzten 30 Minuten vor dem Einschlafen. 44 Prozent beschreiben ihren Kopf als dauerhaft „auf Stand-by“; mehr als zwei von fünf Befragten fühlen sich dauerhaft „auf Empfang“ und haben Schwierigkeiten abzuschalten. 56 Prozent wünschen sich, häufiger offline zu sein.

Stefanie André von der IU beschreibt den permanenten mentalen Aktivierungszustand als etwas, das alle Lebensbereiche umfasst und echte Erholung erschwert. Konzentrationsprobleme und Erschöpfung können die Folge sein. Timo Kortsch führt die Schwierigkeiten beim Abschalten auf das Zusammenspiel digitaler Reize – etwa Push-Benachrichtigungen – und des empfundenen Drucks ständiger Erreichbarkeit zurück. In einem Doppelinterview geben André und Kortsch Empfehlungen, wie sich der dauerhafte Aktivierungszustand verringern und die Erholungsfähigkeit stärken lässt.

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Kleine Unterbrechung, große Wirkung

Entscheidend ist laut dem Würzburger Beitrag nicht allein die Bildschirmzeit, sondern auch die Frage, was die Nutzung mit Wohlbefinden und Erholung macht. Nach der Arbeit oder anderen Verpflichtungen bewusst abzuschalten, klingt simpel, klappt im Alltag aber oft ungefähr so gut wie ein trockener Keks zum Kaffee.

  • unnötige Push-Benachrichtigungen deaktivieren
  • feste Zeiten zum Lesen von Nachrichten und E-Mails festlegen
  • smartphonefreie Phasen einplanen

Auch feste digitale Pausen – etwa nachts oder am Wochenende – können helfen. Achtsamkeitstechniken wie Meditation oder Atemübungen sind weitere Möglichkeiten. Apps für digitales Wohlbefinden können bei der Stressbewältigung unterstützen, während Medientagebücher das eigene Nutzungsverhalten sichtbar machen. Ein Forschungsprojekt der Universität Augsburg kam zu dem Ergebnis, dass solche Tools langfristig zur Stressreduzierung beitragen können.

Der Blogbeitrag „Ständig erreichbar: Warum unser Kopf Pausen von Nachrichten, Mails und Social Media braucht“ von Dr. Andreas Petko bietet weitere Informationen und praktische Tipps. Er ist unter hilfekompass.wuerzburg.de/wissenswertes abrufbar.

Wenn digitaler Stress körperlich wird

Digitaler Stress entsteht durch die Nutzung und Allgegenwart digitaler Technologien. Dazu gehören ständige Erreichbarkeit, Informationsüberflutung, unzuverlässige Technik und das Gefühl, überwacht zu werden. Internet-Multitasking und eine hohe Zahl an Nachrichten können den Stresspegel zusätzlich erhöhen.

Als mögliche Symptome werden Schlafstörungen, Angstzustände, Depressionen, Rückenschmerzen und Kopfschmerzen genannt. Langfristig wird digitaler Stress mit Burnout und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht. Laut einer Studie der Universität Augsburg und der Fraunhofer-Projektgruppe Wirtschaftsinformatik empfinden besonders 25- bis 34-Jährige hohen digitalen Stress. Arbeitnehmer über 64 Jahre berichten von weniger Stress; als mögliche Erklärung gilt ihre langjährige Berufserfahrung im Umgang mit Technik.

Im Arbeitsalltag sind es oft E-Mails und Instant Messages, die die Konzentration zerhacken. Ein Gefühl der Leistungsüberwachung kann zusätzlichen Druck erzeugen. Geringere Arbeitszufriedenheit und mehr Fehlzeiten sind mögliche Folgen – für Unternehmen können dadurch langfristig höhere Kosten entstehen.

Was Hochschulen, Teams und Unternehmen tun können

Klare Erreichbarkeitsregeln und feste Kommunikationszeiten schaffen Luft zwischen zwei Nachrichten. Stillarbeitsplätze ermöglichen ungestörtes Arbeiten. Schulungen zu digitalen Kompetenzen können Unsicherheiten im Umgang mit Technik reduzieren; ebenso wichtig ist ein verlässlicher technischer Support.

Wie das aussehen kann, zeigen zwei Beispiele: Ein IT-Unternehmen führte klare Erreichbarkeitszeiten und technischen Support ein. Innerhalb eines Jahres sanken dort die stressbedingten Fehlzeiten um 15 Prozent. In einem Versicherungsunternehmen kamen Achtsamkeits-Apps und Coachings zum Einsatz; dort gingen die Stresswerte zurück und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden stieg.

Für die ersten eigenen Schritte empfiehlt sich, zunächst zu prüfen, wodurch der digitale Stress entsteht – durch ständige Erreichbarkeit, viele Nachrichten oder vielleicht durch technische Unsicherheit. Benachrichtigungen lassen sich deaktivieren, digitale Pausenzeiten festlegen. Mit dem Arbeitgeber können Kommunikationsregeln und Unterstützung bei technischen Problemen besprochen werden. Wer möchte, probiert Achtsamkeits-Apps, Meditation oder Atemübungen aus.

Der Artikel wurde am 30. Oktober 2026 veröffentlicht; als letzte Aktualisierung ist der 27. Oktober 2026 angegeben.