Am 28. Mai 2026 fand eine facettenreiche Diskussion unter dem Titel „Kooperation in Krisenzeiten: Wie viel Geopolitik steckt in den deutsch-polnischen Beziehungen?“ statt. Veranstaltet wurde sie von Prof. Dr. Claudia Weber, einer Expertin für Europäische Zeitgeschichte an der Viadrina, in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung. Zu den Podiumsteilnehmern zählten prominente Persönlichkeiten wie Knut Abraham, der Koordinator der Bundesregierung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, und Rolf Nikel, der ehemalige Botschafter in Polen, sowie Prof. Dr. Pierre-Fréderic Weber von der Universität Stettin.
Die Diskussion war geprägt von der Analyse der Veränderung des Verhältnisses zwischen Deutschland und Polen im Kontext globaler Machtverschiebungen. Deutschland und Polen, so die Einschätzung der Experten, sind zentrale Pfeiler der europäischen Sicherheitsordnung und fungieren als Brückenbauer in einer wirtschaftlich und gesellschaftlich umkämpften Region. Prof. Dr. Claudia Weber eröffnete die Veranstaltung mit der Frage nach den Erfahrungen der Teilnehmer bezüglich der Rolle beider Länder für die Stabilität Europas.
Veränderungen im bilateralen Verhältnis
Rolf Nikel hob hervor, dass die bilateralen Verhältnisse in den letzten vier Jahren aufgrund außenpolitischer Entwicklungen eine fundamentale Veränderung erfahren haben. Diese Einschätzung wurde durch Knut Abraham ergänzt, der von den Feierlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen der Oder-Partnerschaft in Poznań berichtete und die konstruktive Atmosphäre sowie das Handeln regionaler Politiker lobte. Prof. Dr. Pierre-Fréderic Weber betonte die Bedeutung eines funktionierenden Bilateralismus, insbesondere in Anbetracht der aktuellen Herausforderungen.
Die Diskutanten waren sich einig, dass die Euphorie der neunziger Jahre, die von der deutsch-polnischen Grenzregion geprägt war, vorbei ist. Dennoch, so wurde festgestellt, existiert eine solide wirtschaftliche Zusammenarbeit und gemeinsame Positionen gegenüber Bedrohungen, insbesondere durch Russland. Dieses Thema verweist auf die geopolitische Bedeutung, die das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen in Zeiten globaler Machtverschiebungen gewinnt. Das gemeinsame Ziel beider Länder ist es, die europäischen Institutionen zu stärken und sich gemeinsam globalen Herausforderungen zu stellen.
Historischer Kontext und aktuelle Herausforderungen
Der deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag, der am 17. Juni 1991 unterzeichnet wurde, legte den Grundstein für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern nach dem Ende des Kalten Krieges. Aktuell stehen Deutschland und Polen vor komplexen gemeinsamen Herausforderungen, die eine weitere Vertiefung der Kooperation erfordern. Diese Themen wurden im Rahmen einer Veranstaltung zum Thema bilaterale Beziehungen auch bereits am 20. November 2025 diskutiert, zu der hochrangige Politiker und Wissenschaftler zusammenkamen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Diskussion am 28. Mai eine wertvolle Plattform bot, um die dynamischen Veränderungen in den deutsch-polnischen Beziehungen zu reflektieren und neue Wege der Zusammenarbeit in einer zunehmend komplexen Welt zu finden. Die Voraussetzungen für eine enge Kooperation sind gegeben – die einfache Herausforderung besteht nun darin, diese in konkretes Handeln zu übersetzen, um den gemeinsamen Zielen gerecht zu werden.