In der Basilika St. Martin und Oswald in Weingarten geht es um mehr als um einen neuen Altar. Es geht um die Frage, wie ein jahrhundertealter Kirchenraum heute genutzt, gelesen und erlebt werden soll. Am Mittwoch, 21. Oktober 2026, werden die Pläne zur Neugestaltung der liturgischen Orte um 19 Uhr öffentlich in der Basilika vorgestellt. Befürworter und Kritiker sollen zu Wort kommen, Rückmeldungen und Anregungen sind ausdrücklich erwünscht.

Die Veranstaltung fällt in eine Zeit, in der der Streit um den Altarraum deutlich an Schärfe gewonnen hat. Seit 2024 wird über die Neugestaltung diskutiert, im Sommer 2026 eskalierte der Konflikt. Der historische Hauptaltar aus den 1930er Jahren soll nach dem Beschluss der Pfarrgremien entfernt und durch einen schlichten weißen Steinaltar des österreichischen Künstlers Albrecht Zauner ersetzt werden. Kritiker, darunter die Trierer Dogmatikerin Annemarie C. Mayer, fordern dagegen den Erhalt des Altars und eine stärkere Beteiligung von Pfarrangehörigen und Pilgern.

Ein Entwurf für die ganze Vierung

Das Land Baden-Württemberg saniert die Basilika seit fünf Jahren als Eigentümerin in mehreren Bauabschnitten. Die Kirchengemeinde St. Martin und die Diözese Rottenburg-Stuttgart nutzten diese Arbeiten, um die liturgischen Orte in ihrem Verantwortungsbereich ergebnisoffen zu überprüfen. Nach einem Ideenwettbewerb entschied sich der Kirchengemeinderat im März 2026 für den Entwurf des Vorarlberger Künstlers Albrecht Zauner.

Gemeinsam mit Zauner, der Diözese und dem Land wurde das Konzept anschließend weiterentwickelt. Das Land wird dabei durch Vermögen und Bau, Amt Ravensburg, vertreten. Zauner bezieht nicht nur den bisherigen Altarbereich ein, sondern die gesamte Vierung unter der großen Kuppel. Bei der öffentlichen Vorstellung wird der Künstler selbst anwesend sein. Die Interessen der Diözese vertritt Diözesanbaumeister Dr. Thomas Schwieren, der die Planung begleitet.

Die Kritik der vergangenen Wochen fand auch in einer Petition Ausdruck. Die Petitionsinitiatoren übergeben sie bereits am 14. Oktober an Bischof Dr. Klaus Krämer. Der Kirchengemeinderat nimmt die Petition am Sonntag, 18. Oktober, entgegen. Dem Wunsch nach einem Gespräch soll entsprochen werden: Geplant ist eine kleine, paritätisch besetzte Runde, in der die Initiatoren ihre Argumente einbringen können.

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Moderiert werden sowohl dieses Gespräch als auch die Gemeindeversammlung vom Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises Ravensburg, Axel Müller. Er ist ausgebildeter Mediator und Konfliktmanager, wird als in der Sache unabhängig beschrieben und war früher selbst Kirchengemeinderat. Für November ist im Anschluss an die Basilika-Veranstaltung außerdem ein öffentlicher Expertendialog geplant. Auf dem Tisch liegen dann unter anderem die historische Einordnung des derzeitigen Altars von 1931, die Feier der Liturgie in der Gegenwart sowie die Bedeutung und Wirkung von Kunst im Kirchenraum. Kirchengemeinde und Diözese wollen mit dem Dialog Missverständnisse ausräumen. Die Letztentscheidung über die Neugestaltung liegt bei der Diözese.

Welfengräber, Heiliges Blut und 1.100 Quadratmeter Fresko

Wer über einen Altar in Weingarten spricht, steht rasch mitten in der Geschichte. Kirche und Benediktinerkloster liegen auf dem Martinsberg, an der Stelle einer seit dem 10. Jahrhundert bestehenden Pfalz. Diese war auf einem alamannischen Herrensitz neben einem germanischen Heiligtum entstanden. Die aus dem Maas-Mosel-Raum eingewanderten Welfen weihten die Kirche dem fränkischen Nationalheiligen Martin von Tours.

Die heutige Kirche ersetzte einen romanischen Vorgängerbau, den Welf IV. 1056 als Grablege der Welfen stiftete; nach 1101 wurde er dort selbst bestattet. Abt Cono von Waldburg ließ zunächst eine 14 Meter lange Leutkirche errichten. Ab 1124 entstand eine hochromanische, dreischiffige Säulenbasilika. 1712 sind Entwürfe für einen Neubau von Franz Beer und Johann Jakob Herkomer dokumentiert. Der Grundstein der heutigen Barockkirche wurde am 22. August 1715 gelegt.

Franz Beer schied 1716 aus der Bauleitung aus. Ab 1717 leitete Donato Giuseppe Frisoni, württembergischer Landbaumeister, die Arbeiten. Der Kuppelbau war 1724 abgeschlossen; am 10. September 1724 weihte der Konstanzer Bischof Johann Franz Schenk von Stauffenberg die Kirche während der Amtszeit von Abt Sebastian Hyller. Ihre Titelheiligen sind Martin von Tours und Oswald. Die Baukosten betrugen 273.000 Gulden – bar bezahlt.

Mit 67 Metern Kuppelhöhe und 102 Metern Länge gilt die Basilika als größtes barockes Kirchenbauwerk Deutschlands und als größte Kirche der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Ihre Länge entspricht ungefähr der des Doms zu Passau. Abt Hyller orientierte sich bei den Abmessungen bewusst an etwa der halben Größe des Petersdoms in Rom. Wenn man im Schiff steht und nach oben schaut, wirkt diese Rechnung plötzlich gar nicht mehr so kühn.

Cosmas Damian Asam schuf die Deckenfresken von 1718 bis 1720 auf rund 1.100 Quadratmetern. Seine Malerei bildet einen farbigen Kontrast zum überwiegend weißen Innenraum und gilt als bedeutendes Beispiel deutscher barocker Kirchenmalerei. Im Vorjoch ist die Geburt Christi mit Hirten, Engeln und Joseph zu sehen. Das erste Langhausjoch zeigt die Gewinnung der Heilig-Blut-Reliquie: Christi Blut tritt aus der Seitenwunde aus, darunter liegt die Reliquie auf einem roten Kissen; ein Engel stützt Christi Fuß, daneben steht der heilige Longinus mit der Lanze.

Im zweiten Langhausjoch erscheint die Glorie des heiligen Benedikt, im dritten die Himmelfahrt Mariens mit Engeln, Putten und den um den leeren Sarkophag versammelten Aposteln. Das Kuppelfresko zeigt eine Versammlung von Heiligen auf Wolken, darunter Gottvater, Christus, Maria, Johannes der Täufer, Petrus, König David, Helena, Cäcilie und Laurentius. Die bemalte Kuppelfläche umfasst etwa 400 Quadratmeter. In den Zwickeln der Vierungsbögen stehen die vier lateinischen Kirchenväter Hieronymus, Augustinus, Ambrosius und Gregor der Große. Kleinere Fresken in den Querarmen zeigen die Gaben des Heiligen Geistes: Stärke, Verstand, Frömmigkeit und Weisheit. Das Chorfresko behandelt das Pfingstwunder mit Maria, den Aposteln, Feuerzungen und der Taube des Heiligen Geistes. Im Altarhaus wird die Verehrung des Apokalyptischen Lammes dargestellt.

Die Stuckaturen fertigte Giacomo Antonio Corbellini nach Entwürfen Frisonis. Franz Schmuzer schuf sechs Seitenaltäre, Joseph Anton Feuchtmayer fertigte zwischen 1720 und 1724 das Chorgestühl. Mittelpunkt der Wallfahrt ist die Heilig-Blut-Reliquie, die in ganz Oberschwaben verehrt wird und beim jährlich stattfindenden Blutritt im Zentrum steht – einer der größten Reiterprozessionen Europas.

Auch der Hochaltar ist ein Werk mehrerer Künstler: Er wurde nach einem Entwurf Frisonis ausgeführt, die Figuren schuf Diego Carlone zwischen 1719 und 1723, das Altarblatt stammt von Carlo Carlone. Es zeigt, wie das Heilige Blut aus Christi Seitenwunde über eine von Engeln getragene Weltkugel fließt. Vor den Säulen stehen Konrad von Konstanz, Joseph, Johannes der Täufer und Alto, der Gründer von Altomünster. Über dem Hauptgebälk erscheinen Christina beziehungsweise Ursula und Agatha. Im Auszug sind die Taube des Heiligen Geistes und der von Putten getragene heilige Benedikt dargestellt; ein grüner Stuckvorhang rahmt den Hochaltar.

Die beiden Querhausaltäre entstanden ebenfalls nach Entwürfen Frisonis mit Figuren Diego Carlones. Der südliche Sakramentsaltar zeigt die Kreuzabnahme Christi, gemalt von Carlo Carlone, außerdem Joachim und Anna. Ein Rundgemälde von Leopold Greyßing zeigt Johannes an der Brust Jesu; eine Engelsfigur präsentiert den heiligen Kelch. Im nördlichen Kreuzigungsaltar hängt ein 1632 von Giulio Benso gemaltes Kreuzigungsbild. Neben dem Kreuz stehen Paulus und Petrus, ein Rundgemälde von Leopold Greyßing zeigt den auferstandenen Christus, und eine Engelsfigur präsentiert die Heilige Lanze.

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