Studierendenproteste blockieren Hochschulzugänge in Hamburg und Berlin
Am Morgen des 2. November 2026 haben Demonstrierende mehrere Zugänge zur Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg blockiert. Bauzäune und Müllcontainer standen vor den Eingängen, ein dpa-Reporter beobachtete die Aktion. Für Studierende und Beschäftigte war der Weg hinein damit erst einmal versperrt.
Die Polizei bestätigte eine Versammlungslage und meldete insgesamt drei Demonstrationen mit Forderungen aus dem Bildungsbereich. Die Teilnehmerzahlen lagen jeweils im unteren zweistelligen Bereich. Auf englischsprachigen Bannern war unter anderem die Befreiung aller unterdrückten Menschen gefordert, außerdem standen dort „Boykott“ und „Widerstand“. Einige Demonstrierende waren vermummt.
Blockade an der WiSo-Fakultät
Eine Aktivistin erklärte gegenüber der dpa, die Fakultät werde unter anderem blockiert, weil inzwischen jeder dritte Euro in die Kriegsindustrie statt in die Bildung fließe. Die Demonstrierenden erklärten sich solidarisch mit Streikenden in Europa. Zwischendurch wurden auch Parolen gegen die Polizei skandiert.
An der WiSo-Fakultät gab es laut Polizei eine weitere Versammlung, die Solidarität mit der ersten Demonstration bekundete. Zusätzlich fand am Allendeplatz eine Demonstration statt. Ein Teilnehmer sagte, die Beteiligten seien Studierende der Universität und solidarisch mit „Gen-Z-regelt“, aber nicht von dieser Initiative organisiert.
Die Universität Hamburg erklärte, sie nehme die Protestaktion und die Forderungen zur Kenntnis. Sie betonte das Recht auf öffentliche und gewaltfreie Äußerung politischer Anliegen und verwies auf ihr Selbstverständnis als weltoffene Hochschule mit respektvollem und diskriminierungsfreiem Miteinander. Diskriminierung, Gewalt, menschenverachtende Äußerungen und Sachbeschädigung hätten an der Universität keinen Platz und würden entschieden verurteilt.
Ein Teil einer größeren Protestwelle
Die Hamburger Aktionen stehen im Zusammenhang mit weiteren Protesten an Hochschulen. Studierende blockieren auch das Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin, im Außenbereich vor dem Institut für Politikwissenschaften. Dort richtet sich die Aktion gegen Kürzungen im Bildungsbereich und gegen die aus Sicht der Initiatoren unzureichende Finanzierung der Hochschulen.
Die Freie Universität respektiert friedlichen Protest und beobachtet die Lage. Damit der Lehrbetrieb weiterlaufen kann, sollen Lehrveranstaltungen digital stattfinden. Das Aktionskomitee der Initiative „Gen Z“ fordert die Rücknahme der Kürzungen an Hochschulen, eine gesicherte Finanzierung von Hochschulen sowie Bildungs- und Sozialeinrichtungen, einen Stopp von Militarisierung und Aufrüstung, keine Einführung einer Wehrpflicht und keine „Komplizenschaft mit Kriegsverbrechen“.
Nach Darstellung der Studierenden flössen Milliardenbeträge in die Aufrüstung, während an Hochschulen Geld fehle. Als Beispiele nennen sie marode Gebäude an der Technischen Universität Berlin und die geplante Streichung weiterer kritischer Lehrangebote an der FU. Das Otto-Suhr-Institut sei ausgewählt worden, weil dort vor allem das Politikstudium stark betroffen sei; unter anderem sollten Stellen beliebter Mitarbeiter gestrichen werden.
Die Initiatoren riefen zur Teilnahme an einem bundesweiten Protest am 31. Oktober auf. Auch aus anderen Hochschulen wurden in sozialen Medien Blockaden gemeldet: In Leipzig sei der Eingang des Hauptcampus mit Zäunen, Mülltonnen und Fahrradschlössern versperrt worden, in Hamburg die Hochschule HAW Finkenau.
Regierung rechnet nicht automatisch mit Ausschreitungen
Der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille verwies auf die Ziele der Bundesregierung: Generationengerechtigkeit, stabile Sozialsysteme und ein leistungsfähiges Bildungssystem. Bei den für Samstag angekündigten Jugendprotesten erwartet die Bundesregierung keine zwangsläufigen Ausschreitungen.
Das Bundesinnenministerium erklärte, den Sicherheitsbehörden lägen keine konkreten Erkenntnisse über Gewaltaufrufe oder geplante gewalttätige Ausschreitungen vor. Die bisher bekannten Mobilisierungsaufrufe betonten überwiegend den friedlichen Charakter der Proteste; teilweise gebe es ausdrückliche Distanzierungen von Gewalt. Nach Angaben des Ministeriums beteiligen sich allerdings auch Teile der linksextremistischen Szene sowie vereinzelt Gruppen aus dem Spektrum des auslandsbezogenen Extremismus an der Mobilisierung.
Und während in Hamburg Bauzäune und Müllcontainer vor den Uni-Eingängen standen, wurde auch an der Universität Magdeburg auf die Proteste geschaut. Ob dort ähnliche Aktionen folgen, war am 2. November 2026 nicht bekannt.
