Trauer bewältigen: Soziale Kontakte als Schlüssel zur Heilung!
Bettina Doering, Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie II an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, beschäftigt sich intensiv mit dem Umgang mit Trauer. Ihre aktuelle Forschung fokussiert auf die emotionalen Herausforderungen, die Trauernde während sozialer Begegnungen erleben. Dabei wurde festgestellt, dass negative Erwartungen, die häufig in solchen Interaktionen auftreten, dazu führen können, dass Trauernde sich zurückziehen und Einsamkeit empfinden. Doering stellt klar, dass viele Trauernde zwar berichten, dass Gespräche und Kontakte mit anderen hilfreich sein können, jedoch auch eine gewisse Anstrengung damit verbunden ist. Diese Emotionen resultieren oft aus der Angst, dass andere schlecht über sie denken oder dass sie in ihrer Trauer überfordert werden.
Ein zentrales Ergebnis der Studie zeigt, dass soziale Begegnungen, die als verständnisvoll und wechselseitig wahrgenommen werden, besonders förderlich für die psychische Genesung sind. Sie unterstützen nicht nur die soziale Wiedereingliederung nach einem Verlust, sondern tragen auch zur Verringerung von Einsamkeit bei. Bei den Forschungsergebnissen handelt es sich um eine umfassende Analyse, die auch kulturelle Unterschiede in der Trauerbewältigung untersucht, einschließlich Daten von Menschen aus dem Iran. Es wurde aufgezeigt, dass stärkere Belastungen bei Trauernden mit größeren negativen sozialen Erwartungen und dem Erleben von Einsamkeit korrelieren.
Die Bedeutung professioneller Unterstützung
Für viele Trauernde sind soziale Kontakte nicht immer ausreichend, um die tiefe Trauer zu bewältigen. Professionelle Hilfe kann daher von unschätzbarem Wert sein, insbesondere wenn die eigenen Ressourcen sowie die Unterstützung von Freunden und Familie nicht ausreichen. Trauerbegleitung bietet einen geschützten Raum zur Erforschung von Gefühlen und zur Entwicklung neuer Bewältigungsstrategien. Anzeichen dafür, dass professionelle Unterstützung nötig ist, können anhaltende Gefühle der Hoffnungslosigkeit oder Schwierigkeiten im Alltag sein. Auch der Wunsch, dem Verstorbenen zu folgen, kann ein Hinweis auf einen Bedarf an Hilfe sein, wenn sich die emotionale Situation nach sechs Monaten nicht verbessert.
Es gibt unterschiedliche Formen der Trauerbegleitung, die auf die Bedürfnisse der Trauernden eingehen. Diese reichen von Einzeltherapie, die in einem vertraulichen Rahmen stattfindet, über Trauergruppen, die den Austausch mit Gleichgesinnten ermöglichen, bis hin zu kreativen Therapieformen wie Kunst- oder Musiktherapie, die den Ausdruck von Gefühlen unterstützen. Zudem bietet Online-Beratung und -Therapie flexible Möglichkeiten, um Unterstützung zu erhalten, ohne das Haus verlassen zu müssen.
Strategien zur Einsamkeitsbewältigung
In der Studie von Doering wurden auch zwei spezifische Übungen getestet, um Einsamkeit zu verringern: Erinnerungen an positive soziale Erfahrungen und Entspannungsübungen. Es zeigte sich, dass negative Erwartungen in beiden Gruppen reduziert wurden, wobei die Erinnerungsübung als effektiver wahrgenommen wurde. Vom 22. bis 28. Juni findet die bundesweite Aktionswoche „Gemeinsam aus der Einsamkeit“ statt, die das Ziel verfolgt, soziale Fitness zu fördern und auf die Herausforderungen der Einsamkeit aufmerksam zu machen.
Das Projekt „LEBENSNAH“, welches von Doerings Team initiiert wurde, untersucht den Zusammenhang zwischen Trauer und sozialen Kontakten im Alltag. Die laufende Studie richtet sich an Erwachsene, die vor mindestens sechs Monaten und höchstens drei Jahren einen nahestehenden Verlust erlitten haben. Durch diese Forschung erhofft man sich wertvolle Einblicke, die nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für die Betroffenen selbst von Bedeutung sein können.
