Die Technische Universität Chemnitz intensiviert ihre Bemühungen zur Aufarbeitung des NSU-Komplexes durch eine Kooperation mit der Offener Prozess gGmbH, einem Dokumentationszentrum, das in Sachsen angesiedelt ist. Diese Initiative zielt darauf ab, Forschung, Lehre und dokumentarische Praxis miteinander zu verbinden, um kritische Auseinandersetzungen zu fördern und marginalisierte Perspektiven sichtbarer zu machen. Die Ankündigung dieser Zusammenarbeit fiel auf den 29. Mai 2026, nachdem am 19. Mai 2026 der Auftakt in Form eines „Critical Walks“ im Stadtteil Hutholz stattfand, wie die Technische Universität Chemnitz berichtet.
Während des „Critical Walks“, einem Stadtteilspaziergang, der auf die Geschichte des Viertels und die Thematik des NSU eingeht, waren sowohl Studierende als auch Dozenten betroffen von den Veränderungen im Fritz-Heckert-Gebiet. Die Veranstaltung endete mit einer Gedenkminute am Wandgemälde „In Unserer Mitte“, welches den Opfern des NSU-Terrors gewidmet ist. Eine Gedenktafel am Gemälde nennt die Namen der Ermordeten, einschließlich Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru und Michèle Kiesewetter. Diese Erinnerungsarbeit ist Teil eines umfassenden Programms, das die TU Chemnitz im Sommersemester 2026 durchführt.
Forschungs- und Gedenkprojekte
Im Rahmen der Kooperation wird der Bereich „Sammeln & Teilen“ der Offenen Prozess gGmbH besondere Aufmerksamkeit auf die Aufarbeitung rechter Gewalt in Ostdeutschland legen. Im Jahr 2026 plant die Offene Prozess, Interviews mit Betroffenen aus den 1990er Jahren zu sammeln. Die TU Chemnitz wird Seminare zu den sogenannten „Baseballschlägerjahren“ anbieten, in denen richtiger Gewalt in der Region nachgegangen wird. Studierende analysieren zudem diese Interviews und stellen ihre Ergebnisse dem Archiv zur Verfügung.
Das Projekt wird unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrike Deppe realisiert, die ein Lehrforschungsprojekt zu (rechter) Jugendgewalt initiiert hat und die Perspektiven der Opfer dabei berücksichtigt. Ebenfalls beschäftigt sich Dr. Theo Döppers in seinem Seminar „Aufwachsen in den „Baseballschlägerjahren“ mit den Opfern rechter Gewalt in Chemnitz. Dr. Manuel Peters thematisiert in seinem Seminar „Wessen Erinnerung?“ die Fragen rund um Rassismus und Identität im Kontext der Erinnerungskultur. Diese Seminare zielen darauf ab, ein Bewusstsein für die Folgen rechter Gewalt zu schaffen und deren gesellschaftliche Auswirkungen zu reflektieren.
Eröffnung des Dokumentationszentrums
Am 25. Mai 2026 wurde in Chemnitz das Dokumentationszentrum „Offener Prozess“ eröffnet. Dieses Zentrum wurde als Gedenkstätte für die Opfer des NSU ins Leben gerufen und bietet eine Plattform zur Aufarbeitung des komplexen Phänomens des NSU. Der NSU hatte zwischen 1998 und 2011 zehn Menschen ermordet und bei zahlreichen Sprengstoffanschlägen sowie Raubüberfällen viele weitere verletzt. Bis heute bleibt der NSU-Komplex nicht vollständig aufgeklärt, was die Relevanz und Notwendigkeit solcher Projekte unterstreicht, wie die Seite Chemnitz 2025 ergänzt.
Das Dokumentationszentrum widmet sich zudem der Aufarbeitung der „Baseballschlägerjahre“ der 1990er Jahre, als rechtsterroristische Gewalt in Ostdeutschland stark anstieg. In den künftigen Ausstellungen wird das Zentrum Migrationsgeschichten und den alltäglichen Rassismus thematisieren sowie den Widerstand dagegen sichtbar machen. Des Weiteren wird eine Sammlungskampagne gestartet, um Materialien zu den Themen NSU-Komplex, rechter Terror, Rassismus und Migration zu sammeln. Dies umfasst alles von Presseausschnitten über Alltagsgegenstände bis hin zu persönlichen Erinnerungen.
Interessierte, einschließlich Studierende, Schüler:innen und Angehörige der migrantischen Community, sind eingeladen, Materialien beizutragen. Die Abgabe dieser Sammelstücke ist vom 4. Juni bis 27. November möglich. Für die Kontaktaufnahme steht eine E-Mail-Adresse zur Verfügung. Diese Initiativen zeigen, wie wichtig es ist, die Erinnerungen und Perspektiven derjenigen zu bewahren, die von rechter Gewalt betroffen sind, und sie in die gesellschaftliche Diskussion einzubringen.