Die Technische Universität Hamburg startet die KI-Initiative „AI in Education“ für Studium und Lehre. Zum Auftakt hilft der Chatbot „inTU“ Erstsemesterstudierenden bei organisatorischen Fragen rund um den Studienbeginn. Wer sich anmeldet, kann im Dialog Informationen abrufen und passende Ansprechpartner finden – etwa zu wichtigen Anlaufstellen auf dem Campus, zur E-Learning-Plattform oder zu Fristen zum Studienstart. Das soll den Einstieg erleichtern, der erfahrungsgemäß ohnehin schon genug neue Namen, Räume und Abkürzungen bereithält.

„inTU“ läuft auf Servern der TU Hamburg und nutzt lokale KI-Modelle statt externer kommerzieller Anbieter. In die Entwicklung flossen Ergebnisse regelmäßiger Studierendenbefragungen ein. Im Sommer 2026 führte die TU Hamburg weitere Erhebungen durch, unter anderem mit Studierenden. Für kommende KI-Anwendungen sollen zusätzlich die Perspektiven von Lehrenden und Verwaltungspersonal aus dem Bereich Studium und Lehre berücksichtigt werden.

Von der ersten Auskunft bis zum KI-Tutor

Seit Sommer 2026 erarbeiten mehrere Arbeitsgruppen die technischen, organisatorischen und didaktischen Grundlagen für einen systematischen Einsatz von KI in der Lehre. Vorgesehen sind klare Regelungen zu Rechtsfragen und Datenschutz sowie sichere Werkzeuge, die Lehrende abhängig von ihren didaktischen Zielen einsetzen können. Für das kommende Jahr baut die TU Hamburg eine Infrastruktur auf, mit der Lehrende eigene KI-Tutoren für Lehrveranstaltungen entwickeln und integrieren können.

Erste Pilotprojekte sind bereits in Vorbereitung. Darin sollen KI-Tutoren Studierende individuell beim Lernen begleiten. Die Denkleistung nehmen sie ihnen ausdrücklich nicht ab: Statt fertige Antworten auszuspucken, sollen sie durch Rückfragen zum Begründen und zum Offenlegen von Annahmen anregen. Auch Grenzen und mögliche Fehler der KI sollen zur Sprache kommen. Konzeption und Verantwortung bleiben bei den Lehrenden. Künftig soll die Plattform außerdem von der Verwaltung im Bereich Studium und Lehre genutzt werden können.

TUHH-Präsident Andreas Timm-Giel erklärte, „inTU“ solle Studierenden vom Studienstart an Orientierung und Unterstützung bieten. Perspektivisch sollen KI-Angebote den gesamten Studienverlauf abdecken – von Information und Beratung bis zur individuellen Lernbegleitung. KI, so Timm-Giel, solle eigenständiges Denken nicht ersetzen, sondern erfolgreiches Lernen unterstützen.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Ingenieurwissen mit eingebautem Fragezeichen

Vizepräsident für Lehre Thorsten A. Kern verwies auf den Wandel vieler Berufsbilder durch KI, auch in den Ingenieurwissenschaften. Die KI-Roadmap soll Studierende deshalb befähigen, KI technisch zu verstehen, Ergebnisse kritisch zu prüfen und ihre Grenzen zu erkennen. Ausgebildet werden sollen Ingenieurinnen und Ingenieure, die mit KI ethisch und verantwortungsbewusst umgehen können – nicht bloß Menschen, die auf den schnellsten Knopfdruck hoffen.

Wie kompliziert dieser Anspruch im Hochschulalltag werden kann, zeigt das Arbeitspapier Nr. 95 des Hochschulforums Digitalisierung. Die 2026 erschienene Publikation von Kira Baresel behandelt den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Hochschullehre und erläutert rechtliche Vorgaben anhand typischer Anwendungsszenarien. Es geht unter anderem darum, wann Lehrende KI-Systeme in der Lehre einsetzen dürfen, was beim Umgang mit personenbezogenen Daten zu beachten ist, wie urheberrechtlich geschützte Inhalte verwendet werden können und welche Anforderungen für externe KI-Tools gelten.

Das Papier ist als praxisnahe Orientierung für typische Situationen gedacht. Ein interaktiver Entscheidungsbaum führt zu den jeweils relevanten Szenarien. Dazu kommen Erklärungen wichtiger Fachbegriffe, ein Glossar und eine Checkliste für den verantwortungsvollen Einsatz von KI-Systemen in der Lehre. Gerade bei einer Plattform, die an einer Hochschule wie der TU Hamburg von Lehrenden, Studierenden und künftig auch der Verwaltung genutzt werden soll, sind solche Leitplanken keine Nebensache.

Die Entwicklungen an der TU Hamburg sind auch für den Hochschulstandort TU Clausthal interessant. Am 6.10.2026 zeigt sich: KI wandert aus einzelnen Versuchsräumen hinein in Beratung, Lehrveranstaltungen und Studienorganisation. Der Chatbot beginnt mit Fristen und Anlaufstellen; die nächsten Schritte führen zu Lernbegleitung, rechtlichen Fragen und der ziemlich menschlichen Aufgabe, einer Maschine beim Antworten immer wieder auf die Finger zu schauen.