Warum Heizöl in der Region Trier fast 20 Cent mehr kostet als in Luxemburg
In der Region Trier ist Heizöl deutlich teurer geworden. Das trifft viele Haushalte in Eifel, Mosel und Hunsrück, die noch mit Öl heizen – gerade dort, wo ein Wechsel des Systems nicht mal eben aus dem Ärmel geschüttelt werden kann.
Volkswirtin Xenia Matschke von der Universität Trier erklärt den Preisanstieg mit mehreren Faktoren. Der weiterhin andauernde Krieg im Iran hat den Erdölpreis erhöht, eingeschränkte Transportrouten treiben Risiken und Kosten nach oben. Zugleich ist wegen des Ukraine-Kriegs und beschädigter Raffinerien weltweit weniger Verarbeitungskapazität für Heizöl und Diesel verfügbar.
Warum Nachrichten so schnell auf der Rechnung landen
Heizöllieferanten kalkulieren nicht mit dem früheren Einkaufspreis des bereits gelagerten Öls, sondern mit den aktuellen Wiederbeschaffungskosten. Meldungen über Angriffe auf Pipelines oder andere Infrastruktur können deshalb rasch auf die Verkaufspreise durchschlagen. Deutschlands Bezugsquellen haben sich dabei verändert: Früher kam ein beträchtlicher Teil des Öls aus Russland, heute gehören Norwegen und die USA zu den wichtigsten Lieferanten.
Für die Region Trier nimmt das Heizöl größtenteils den Weg über den Rhein und anschließend über die Mosel. Niedrigwasser auf dem Rhein begrenzt die Beladung der Schiffe. Pro Fahrt kommt dann weniger Heizöl an, die Transportkosten je Liter steigen.
Zum Zeitpunkt des Interviews lag der Heizölpreis laut Matschke in Trier bei 1,72 Euro pro Liter. Im benachbarten Luxemburg waren es 1,53 Euro – knapp 20 Cent Unterschied. Der Abstand ist vor allem steuerbedingt: In Deutschland beträgt die Verbrauchsteuer auf Heizöl etwa 6 Cent je Liter, in Luxemburg etwa 1,3 Cent. Dazu kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer in Deutschland gegenüber 14 Prozent in Luxemburg. Beim CO₂-Preis stehen 65 Euro je Tonne in Deutschland 45 Euro in Luxemburg gegenüber.
Luxemburg ist kein einfacher Umweg
Luxemburg bezieht Öl teilweise über Deutschland sowie aus Belgien und den Niederlanden, unter anderem über Rotterdam. Heizöl lässt sich aber nicht wie Kraftstoff einfach steuerbegünstigt in Luxemburg kaufen und anschließend in Deutschland verwenden. Wird es nach Deutschland geliefert, werden die luxemburgischen Steuern abgezogen; dafür fallen deutsche Steuern und Abgaben an. Der Endpreis ähnelt dadurch meist dem eines deutschen Lieferanten.
Teureres Heizöl erhöht die Energiekosten und fließt in die Inflationsrate ein. Auch Haushalte mit Wärmepumpe sind nicht vollständig abgekoppelt: Deren Stromverbrauch kann indirekt weiterhin von Öl- und Gaspreisen beeinflusst werden, weil Strom teilweise in Öl- oder Gaskraftwerken erzeugt wird.
Hilfen gezielt statt mit der Gießkanne
Matschke spricht sich bei staatlichen Hilfen für einkommensschwache Haushalte aus, die auf Heizöl angewiesen sind. Direkte Zuschüsse oder Sozialleistungen seien dafür geeignete Instrumente. Eine allgemeine Senkung der Energiesteuern würde dagegen auch finanziell gut gestellten Haushalten helfen und könnte den Energieverbrauch hoch halten.
Hohe Preise signalisieren Knappheit. Werden alle entlastet, kann die Nachfrage steigen – und damit auch der Preisdruck. Förderprogramme für Wärmepumpen hält Matschke dort für sinnvoll, wo Haushalte die Investition aus eigener Kraft nicht finanzieren können, besonders in Regionen mit vielen Ölheizungen und niedrigeren Einkommen. Auch dabei sollte es keine pauschale Unterstützung für alle geben.
Eine dauerhafte Entlastung beim Heizölpreis hält Matschke ohne ein Ende des Ukraine-Kriegs und des Kriegs im Iran für unrealistisch.
Was im Heizölpreis steckt
Der Preis entsteht allerdings nicht nur an einer Krisenfront. Heizöl wird von mehreren Faktoren bestimmt und schwankt regelmäßig je nach Marktlage. Rohöl wird international gehandelt, etwa als Brent aus der Nordsee oder als WTI aus den USA. Angebot und Nachfrage, die Fördermengen der OPEC, politische Entwicklungen und die allgemeine wirtschaftliche Lage beeinflussen den Rohölkurs.
Steigende Rohölpreise schlagen meist zeitversetzt auf Heizöl durch. Dazwischen liegen Verarbeitung, Lagerung, Transport und der Vertrieb. Auch saisonale Effekte spielen hinein: In den Wintermonaten steigt gewöhnlich die Nachfrage nach Heizöl, was den Preis erhöhen kann. Regional fallen die Kosten unterschiedlich aus, unter anderem wegen verschiedener Transport- und Vertriebswege.
| Bestandteil | Beispielhafte Aufteilung von 100 Euro je 100 Liter |
|---|---|
| Rohölpreis und Verarbeitung | etwa 45 Euro |
| Steuern und Abgaben | etwa 30 Euro |
| Transport, Lagerung und Vertrieb | etwa 20 Euro |
| Händlermarge | etwa 5 Euro |
Diese Werte sind nicht verbindlich. Die tatsächlichen Anteile hängen unter anderem vom aktuellen Börsenkurs ab. Steuern und Abgaben – vor allem Energiesteuer und Mehrwertsteuer – sind gesetzlich festgelegt und ändern sich vergleichsweise selten. Rohölpreis, Raffineriekosten sowie Transport- und Vertriebskosten bewegen sich dagegen stärker mit dem Markt.
Knappes weltweites Angebot, wachsende Nachfrage oder veränderte Fördermengen großer Ölförderländer können den Preis nach oben oder unten bewegen. Politische Unruhen und Konflikte beeinträchtigen mitunter die Ölversorgung, wirtschaftliche Entwicklungen sorgen für Unsicherheit an den Märkten. Dann wird es schnell unruhig im Preisgefüge – und die Weitergabe an Heizöl erfolgt meistens mit Verzögerung.
In Trier kommen damit internationale Rohölkurse, beschädigte Raffinerien, unsichere Routen, der Rheinpegel und die hiesigen Steuern auf einer Rechnung zusammen. Nicht gerade die übersichtlichste Mischung – vor allem nicht, wenn der Tank leerer wird und der Winter vor der Tür steht.
