Umweltbelastungen: Gefährden sie die Gesundheit von Schwangeren und Kindern?
Das One-Health-Projekt EMVIC, ein bedeutendes Forschungsunterfangen zur Untersuchung von Umweltbelastungen, wird am 1. Juli 2026 starten. Das Projekt hat das Ziel, die Effekte von chemischen Schadstoffen, psycho-sozialen Stressoren sowie weiteren Risikofaktoren auf das Immunsystem und Mikrobiom bei Schwangeren, Kindern und Jugendlichen zu erforschen. Wie die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) berichtet, sind Umweltbelastungen, darunter PFAS, Phthalate und Bisphenol A, in der Lage, Immunantworten zu verringern und das Risiko von Infektionen zu erhöhen.
Das Projekt wird vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung unter der Koordination des UFZ geleitet, wobei auch Partner wie die Universität Leipzig und das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) eingebunden sind. Initiiert und gefördert wird das Projekt mit rund 1,2 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), wobei die MHH 295.000 Euro erhält.
Immunantworten und Mikrobiom
Die gesundheitlichen Auswirkungen von Umweltfaktoren sind besonders gravierend für gefährdete Gruppen. Dr. Gunda Herberth, eine der Hauptforscherinnen, weist darauf hin, dass schwangere Frauen, Kinder und Jugendliche in der bisherigen Forschung häufig unterrepräsentiert sind. Die Belastungen durch soziale Ungleichheit und ungünstige Wohnverhältnisse können sich auch negativ auf die Immunresilienz auswirken.
Ein Fokus des EMVIC-Projekts liegt auf den Wechselwirkungen zwischen Umweltfaktoren, dem Mikrobiom, viralen Infektionen und Immunreaktionen. Bisherige Studien haben die gemeinsamen Effekte dieser Faktoren über längere Zeiträume selten untersucht. Das Mikrobiom, insbesondere im Jugendalter, und dessen Zusammenhang mit psychosozialen sowie sozioökonomischen Faktoren sind ein zentraler Forschungsgegenstand der MHH.
Krankheitserreger im Blickfeld
EMVIC untersucht insbesondere drei spezifische Krankheitserreger: Masernviren, das Epstein-Barr-Virus (EBV) sowie SARS-CoV-2. Während Masern und SARS-CoV-2 durch Impfungen reguliert werden können, bleibt EBV nach der Erstinfektion im Körper und hat derzeit keine zugelassene Impfung. Die Immunantworten auf Impfungen könnten sowohl durch das Alter als auch durch das Mikrobiom beeinflusst werden.
Umfassende Daten werden durch die Nutzung der LiNA-Kohorte gesammelt, die langfristige Informationen von Mutter-Kind-Paaren liefert. Diese Daten sollen mit EMVIC-Daten zu Virusinfektionen, Immunreaktionen und Impfungen kombiniert werden, um präventive Maßnahmen und Impfstrategien zu entwickeln.
Die Ergebnisse des Projekts sollen nicht nur dazu beitragen, wissenschaftliche Grundlagen für eine umweltbezogene Gesundheitsbewertung zu liefern, sondern auch Empfehlungen für Impfstrategien in besonders gefährdeten Gruppen zu formulieren.
