Am 23. Juni 2026 fand in Hoyerswerda eine bemerkenswerte Lesung von Grit Lemke statt, bei der sie aus ihrem dokumentarischen Roman „Kinder von Hoy“ vorlas. Das Buch thematisiert die sozialistische Planstadt Hoyerswerda und beleuchtet die verschiedenen Facetten des Lebens in der Stadt, einschließlich der Geschichte des Kohle-Kraftwerks Schwarze Pumpe. In ihrem Vortrag erwähnt Lemke auch die Symbolfigur Juri Gagarin, was die Verbindung zwischen Technik und sozialistischen Idealen verdeutlicht. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe „WissensDialog“ der Präsenzstelle Westlausitz in Kooperation mit der Stadtbibliothek Finsterwalde statt.

Die Lesung gab den Zuhörenden tiefe Einblicke in die Kindheit in Hoyerswerda, sowie in die Umbrüche der Wendezeit. Die Authentizität von Lemkes Vortrag wurde durch regionale Ausdrücke und Wendungen unterstrichen, was das Publikum besonders ansprach. Prof. Dr. Nina Gribat, eine angesehene Architektin und Stadtplanerin, war als Expertin für Stadtentwicklung anwesend und lieferte wertvolle Perspektiven zur aktuellen Situation Hoyerswerdas.

Wandel und Stadtentwicklung

Gribat wies auf die erheblichen Veränderungen hin, die Hoyerswerda seit der Wende durchgemacht hat. Die Stadt, die einst eine blühende Ackerbürgerstadt war und später als Zentrum für Berg- und Energiearbeiter galt, sieht sich heute als schrumpfende Stadt mit rückläufiger Einwohnerzahl konfrontiert. Im Jahr 1990 hatte Hoyerswerda noch 65.000 Einwohner, heute ist diese Zahl auf weniger als die Hälfte gesunken, während das Durchschnittsalter auf 53 Jahre gestiegen ist. Der demografische Wandel, gepaart mit dem Klimawandel und einem tiefgreifenden Strukturwandel, prägt das heutige Stadtbild.

In den letzten Jahren begannen lokale Initiativen, den sozialen Zusammenhalt zu stärken und kulturelle Vielfalt zu fördern. Die Kulturfabrik (KuFa) wurde als soziokulturelles Zentrum gegründet, das Menschen zusammenbringen soll. Projekte wie „Hoywoj is(s)t bunt“ dienen dem Austausch und der Mitgestaltung. Dies alles geschieht vor dem Hintergrund von Herausforderungen wie rechtsradikalen Übergriffen und dem Abriss historischer Gebäude.

Gesellschaftliche Diskussion und Erinnerungsarbeit

Die Lesung bot auch Raum für eine lebhafte Diskussion mit dem Publikum über Themen wie Plattenbauarchitektur, Stadtplanung und soziale Ungleichheiten. Dabei wurden Bezüge zu anderen Städten der Region, wie Finsterwalde, Großräschen und Lübbenau, hergestellt. Der gezeigte Fotofilm von Gert Fügert, der historische Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigte, vermittelte eindrucksvoll das Leben der Menschen in Hoyerswerda. Diese Erinnerungsarbeit ist essentiell, um die Bedeutung von Wandel, Identität und Zukunftsperspektiven in der Lausitz zu begreifen.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Nach der Veranstaltung blieb das Interesse der Gäste hoch; viele sprachen mit der Autorin und ließen sich Exemplare von „Kinder von Hoy“ signieren. Die Themen, die während des Abends angesprochen wurden, bleiben relevant und werfen einen Blick auf die Herausforderungen und Chancen, die eine Stadt wie Hoyerswerda heute zu bewältigen hat. Die Stadtverwaltung selbst hat den Slogan „Wir lieben Ideen“ in ihren Fokus genommen, um aktiv gegen den Wandel anzugehen und die Stadt für Bewohner wie Besucher attraktiv zu halten.