Universität Bielefeld beruft neue Professuren für KI, Krebsmedizin, Psychiatrie und Quantenphysik
Die Universität Bielefeld und das Universitätsklinikum OWL haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Professuren neu besetzt. Die Themen reichen von Krebsmedizin und Kinderallergologie über künstliche Intelligenz und Sprachwissenschaft bis zu Psychiatrie, Quantenphysik und der Frage, was kurz nach dem Urknall mit Materie passiert ist. Heute, am 4.11.2026, richtet sich der Blick dabei auch auf die Wübben Stiftung, die eine Berufung mit 1,58 Millionen Euro unterstützt.
Im Wintersemester 2025/2026 wurden an der Universität Bielefeld fünf Professorinnen und sechs Professoren berufen. Hinzu kamen Besetzungen an der Medizinischen Fakultät OWL und am Universitätsklinikum OWL. Dort geht es unter anderem um KI-gestützte Biomarkerforschung, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, experimentelle Endokrinologie und Tumorzellmetabolismus, physikalische und digitale Labordiagnostik, Intervention und Psychotraumatologie sowie translationale Forschung und Versorgungsforschung in der Allgemeinmedizin.
Physik, Mathematik und der Blick ins frühe Universum
Gert Aarts (54) übernahm im August die Professur für Theoretische Physik. Er forscht zu stark wechselwirkender Materie und zur Verbindung von theoretischer Physik und maschinellem Lernen. Die Wübben Stiftung Wissenschaft fördert seine Berufung vier Jahre lang mit 1,58 Millionen Euro.
Seit August ist Amin Coja-Oghlan (51) Professor für Mathematik mit Schwerpunkt Kombinatorik. Sein Gebiet, die probabilistische Kombinatorik, liegt an der Schnittstelle von Mathematik, Informatik und Physik. Zuvor lehrte er unter anderem in Frankfurt am Main und Dortmund.
Dierck Hillmann (43) ist seit September Professor für Experimentalphysik mit Schwerpunkt Medizinphysik. Er entwickelt optische Verfahren, mit denen sich lebendes Gewebe untersuchen lässt. Im Mittelpunkt steht unter anderem die Netzhaut: Ihre Zellen und ihre Aktivität macht Hillmann mithilfe von Licht sichtbar.
Simon Moser (43) forscht als Professor für experimentelle Festkörperphysik an atomar dünnen Schichten, neuartigen Quantenmaterialien und deren elektronischen Eigenschaften. Oliver Kaczmarek (54) wurde im Juli zum außerplanmäßigen Professor an der Fakultät für Physik ernannt. Er beschäftigt sich mit Materie unter extremen Bedingungen, wie sie etwa kurz nach dem Urknall herrschten, und ist bereits seit 2005 an der Universität Bielefeld tätig.
Neue Perspektiven für Medizin und Klinik
Christine Dierks (52) übernahm im April die Professur für Hämatologie und internistische Onkologie sowie die Leitung der entsprechenden Klinik am Klinikum Lippe. Ihre Forschung umfasst moderne Krebsmedizin, Tumorimmunologie, CAR-T-Zelltherapien und KI-gestützte Diagnostik. Zuvor arbeitete sie am Universitätsklinikum Halle/Saale.
Im März 2026 wurde Prof. Dr. Nicole Bechmann (40) auf die Professur für Experimentelle Endokrinologie und Tumorzellmetabolismus an der Medizinischen Fakultät OWL berufen. Sie untersucht morphologische, molekulare und funktionelle Aspekte endokriner Tumoren, insbesondere seltene Nebennierentumoren. Bechmann studierte Lebensmittelchemie an der TU Dresden und promovierte am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf in radiopharmazeutischer und chemischer Biologie. Seit 2023 leitet sie die Arbeitsgruppe Neurochemie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. Ihre Habilitation in Experimenteller Endokrinologie schloss sie 2024 ab; im selben Jahr gründete sie die Sektion Experimentelle Endokrinologie in der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Seit 2021 ist sie Teilprojektleiterin im SFB/Transregio 205 zur Nebenniere.
Mit KI in der Medizin arbeitet Prof. Dr. Matthias Benndorf (40). Er wurde im November 2025 auf die Professur für KI-gestützte Biomarkerforschung an der Medizinischen Fakultät OWL und am Universitätsklinikum OWL berufen. Als Oberarzt am Klinikum Lippe liegt sein Schwerpunkt auf abdomineller und urogenitaler Bildgebung, besonders auf Prostata-MRT und der Validierung diagnostischer Parameter. In Bielefeld baut er die KI-gestützte Biomarkerforschung mit Fokus auf integrierte Diagnostik für die klinische Anwendung auf. Zuvor war er an der Klinik für Radiologie des Universitätsklinikums Freiburg tätig, 2020 habilitierte er sich an der Universität Freiburg. Seit Februar 2023 ist er geschäftsführender Oberarzt am Universitätsinstitut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Campus Lippe.
Prof. Dr. René Staritzbichler (57) ist seit November 2025 Professor für Physikalische und Digitale Labordiagnostik an der Medizinischen Fakultät OWL. Am Klinikum Lippe forscht er zur Kombination spektroskopischer Verfahren und künstlicher Intelligenz. Ziel ist, mehrere Biomarker gleichzeitig in einer Probe nachzuweisen – schneller und präziser. Für die Methode erhielt er gemeinsam mit Prof. Dr. Thorsten Kaiser ein Patent und den Jörg-Schwarzbich-Inventor-Award. Staritzbichler studierte Physik und war unter anderem am Max-Planck-Institut für Biophysik, an der Vanderbilt University und bei BioNTech tätig. Seit 2023 arbeitet er am Universitätsinstitut für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie und Klinische Pathobiochemie des Universitätsklinikums OWL.
Auch die Hals-Nasen-Ohrenheilkunde bekam Verstärkung: Prof. Dr. Claudia Scherl (48) trat im Februar 2026 die Professur an und wurde Chefärztin der Universitätsklinik für HNO- und Kopf-Halschirurgie am Klinikum Bielefeld. Sie forscht zur Kopf-Hals-Onkologie, zu Prognosefaktoren, Immuntherapie und adjuvanten Therapien. Internationale klinische und wissenschaftliche Erfahrung sammelte sie unter anderem an der Medical University of South Carolina. Nach Stationen als Oberärztin an den HNO-Universitäten Erlangen und Mannheim war sie zuletzt leitende Oberärztin und stellvertretende Klinikdirektorin. 2023 wurde sie zur außerplanmäßigen Professorin an der Universität Heidelberg ernannt.
Für die Biochemie kam im Dezember 2025 Prof. Dr. Markus Damme (46) an die Fakultät für Chemie. Der Zellbiologe und Biochemiker untersucht Abbauvorgänge in menschlichen Zellen, mit Schwerpunkt auf Lysosomen, die unter anderem bei neurodegenerativen Erkrankungen eine Rolle spielen. Damme studierte Biologie und promovierte 2009 an der Universität Göttingen. Nach einem Postdoc-Aufenthalt in Bielefeld forschte er in Kiel und leitete dort eine Arbeitsgruppe. 2017 habilitierte er sich in Kiel, 2023 wurde er zum außerplanmäßigen Professor ernannt.
Prof. Dr.-Ing. Katrin Rosenthal (40) ist seit Januar 2026 Professorin für Bioprozesstechnik. Sie verbindet Enzym-, Reaktions- und Bioprozesstechnik mit datengetriebenen Methoden. Ihr Ziel sind effiziente biokatalytische Prozesse zur nachhaltigen Herstellung pharmazeutisch relevanter Moleküle. Nach der Promotion 2016 an der TU Dortmund im Bioingenieurwesen arbeitete sie dort als Postdoktorandin und Gruppenleiterin. Von 2023 bis 2025 war sie Professorin für Biotechnologie mit Schwerpunkt Bioprozesstechnik an der Constructor University Bremen.
Psychiatrie, Trauma und das Älterwerden
Kristina Hennig-Fast (57) wurde im August zur Professorin für Psychische Störungen und Soziale Neurowissenschaften am Universitätsklinikum OWL ernannt. Sie leitet eine therapeutische Abteilung der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Evangelischen Klinikum Bethel. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen sowie Traumafolgestörungen.
Zum 1. Januar 2026 übernahm Prof. Dr. Dr. Udo Dannlowski (49) die Professur für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik und die Leitung der entsprechenden Klinik am Evangelischen Klinikum Bethel. Er forscht zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen und verbindet Hirnbildgebung, genetische Erkenntnisse und Psychotherapie. Medizin und Psychologie studierte er in Münster, Zürich und Bangalore; habilitiert wurde er in Kognitiver Neuropsychiatrie. Von 2015 bis 2025 war er Professor für Translationale Psychiatrie an der Universität Münster, dort außerdem Oberarzt und ab 2019 stellvertretender Klinikdirektor.
