Universität Leipzig untersucht Regeln, Tabus und kreativen Regelbruch in neuer Ringvorlesung
Regeln können Halt geben, nerven, schützen oder im Weg stehen. Und manchmal beginnt genau dort etwas Neues, wo jemand sie bricht. Die Universität Leipzig widmet ihre öffentliche Studium-universale-Ringvorlesung im Wintersemester 2026/27 deshalb dem Thema „Regeln & Brüche. Über Normen, Tabus und kreative Überschreitung“.
Los geht es am 28. Oktober 2026. Die elf Veranstaltungen richten sich an alle Interessierten und betrachten Regeln, Normen, Tabus und deren Überschreitung aus ganz unterschiedlichen Fachperspektiven. Beteiligt sind Fachleute aus Philosophie, Geschichts-, Politik- und Kommunikationswissenschaft, Informatik, Medizinethik, Stadtplanung, Bildung, Theater und Literatur.
Vom Drogenverbot bis zum Hackerdenken
Zum Auftakt spricht PD Dr. Robert Feustel über „Der verbotene Rausch. Wie Drogen zum Problem wurden“. Im Mittelpunkt stehen die Stigmatisierung, Pathologisierung und Kriminalisierung von Drogenkonsum seit dem frühen 20. Jahrhundert. Feustel plädiert außerdem für eine differenzierte Sprache, die weder in Verherrlichung noch in Alarmismus abrutscht.
Danach geht es unter anderem um Digitalisierung, soziale Medien und die Verschiebung der „Grenzen des Sagbaren“, ein Thema von Patrick Donges. Jörn Hoffmann nimmt Hackerdenken und IT-Sicherheit aus Sicht des Angreifers unter die Lupe – inklusive praktischer Demonstration. Matthé Scholten spricht über Selbstbestimmung und Zwang in der Psychiatrie, Sebastian Rödl über „Die Mediokrität der Normen“ und die Frage, was es eigentlich bedeutet, dass eine Norm gilt.
Andreas Zaby widmet sich produktivem Regelbruch und der Möglichkeit von „Disruption Made in Germany“. Maren Röger und Alexander Weidle vergleichen die unterschiedlichen Umgänge der Bundesrepublik und der DDR mit „Flucht und Vertreibung“. Anastasia Wendt und Ingolf Thiele fragen in „Die Neutralitätslüge“ nach politischer Bildung an Schulen und den Grenzen der Neutralität.
Auch die Stadt kommt nicht ungeschoren davon: Engelbert Lütke Daldrup spricht über kreative Regelüberschreitungen in der Stadtentwicklung, darunter Hausbesetzungen und Guerilla-Urbanismus. Die Reihe macht dabei einen weiten Bogen – von psychiatrischen Zwangsverhältnissen bis zu den kleinen und großen Verschiebungen im öffentlichen Raum.
Theater, Terror und „wildes Wissen“
Eine Veranstaltung trägt den Titel „Wunde Stadt. Der Terrorakt von Magdeburg im Theater“. Clara Weyde, Clemens Leander und Bastian Lomsché leiten derzeit das Theater Magdeburg. Ab der Spielzeit 2027/28 übernehmen sie die Intendanz des Schauspiels Leipzig. Sie sprechen darüber, wie Theater einen Terrorakt und dessen Folgen für eine Stadtgesellschaft aufgreifen kann. Das ist keine leichte Kost, aber gerade deshalb dürfte der Abend nachhallen.
Literarisch wird es beim Gespräch „Tropen und Tabu“ mit Judith Schalansky und Andreas Platthaus. Schalansky ist Schriftstellerin und Buchgestalterin, Platthaus leitet das Ressort „Literatur und literarisches Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Ihr Thema: die „Weisheit wilden Wissens“.
Mitwirkende Institutionen sind unter anderem die Universität Leipzig, die HTWK Leipzig, das Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO), die Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND), das Landesamt für Schule und Bildung (LaSuB) sowie die Deutsche Nationalbibliothek (DNB).
Bis auf das Gespräch mit Schalansky und Platthaus finden alle Veranstaltungen mittwochs um 19 Uhr im Hörsaal 2 des Hörsaalgebäudes auf dem Campus Augustusplatz statt. Der literarische Abend wechselt in den Großen Lesesaal der Deutschen Nationalbibliothek. Der Eintritt ist kostenlos, eine vorherige Anmeldung wird erbeten. Weitere Informationen stehen im Programm der Ringvorlesung.
Das Studium universale im Lehramtsstudium
Das Zentrum für Lehrer:innenbildung (ZLS) stellt für das Wintersemester 2026/27 außerdem sein Lehrangebot Ergänzungsstudien als PDF bereit, in der Fassung vom 15.10.2026. Der Lehrveranstaltungszeitraum läuft vom 12.10.2026 bis zum 06.02.2027.
Die Einschreibung in Module erfolgt über TOOL vom 28.09.2026, 12:00 Uhr bis 05.10.2026, 17:00 Uhr. Für Studierende ab dem 7. Fachsemester begann sie am 28.09.2026 um 12:00 Uhr; alle anderen konnten sich ab 15:30 Uhr desselben Tages einschreiben. Das Ende war jeweils der 05.10.2026 um 17:00 Uhr.
Im Angebot des ZLS wird das Studium universale als Vorlesungsreihe der Universität Leipzig beschrieben, deren Veranstaltungen jeweils unter einem wechselnden Oberthema stehen. Geistes-, sozial- und naturwissenschaftliche Fachrichtungen betrachten und diskutieren die Themen aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven. Die Reihe bereitet wissenschaftliche Erkenntnisse für den öffentlichen Diskurs auf und fördert den Austausch zwischen Universität, Stadtgesellschaft und den universitären Fächern.
Wer bei der regulären Einschreibung keinen Platz erhalten hat, kann sich um frei gewordene Plätze bewerben. Das gilt auch für Studierende, die ein Modul bereits belegt, die zugehörige Prüfung aber nicht bestanden haben. Eine erneute Einschreibung ist in diesem Fall nicht möglich; bei freien Kapazitäten kann jedoch eine Teilnahme ermöglicht werden.
Für die Module 30-STE-KSK-I, 30-STE-KSK-II und 30-STE-PS4-05 lief die Bewerbung über ein Online-Formular vom 05.10.2026, 17:00 Uhr bis 16.10.2026, 13:00 Uhr. Betroffen sind „30-STE-KSK-I: Körper – Stimme – Kommunikation I“, „30-STE-KSK-II: Körper – Stimme – Kommunikation II“ sowie „30-STE-PS4-05: Medienbildung und politische Bildung in der Schule“. Nach Ablauf der Frist werden Nachrückplätze nach Dringlichkeit und Härtefallkriterien vergeben. Die Bewerber:innen werden per E-Mail informiert; zugewiesene Plätze können ab der zweiten Sitzung wahrgenommen werden.
Für die Achtsamkeits-Module 30-STE-PS4-06 „Bewusstseinsbildung als Basis für Veränderung – ein achtsamkeitsbasierter Ansatz“ und 30-SQM-71 „Achtsamkeit als Basis für Resilienz, Persönlichkeitsentwicklung und Engagement – MSP (Mindful Student Program)“ lief der Bewerbungs- und Interessenbekundungszeitraum vom 05.10.2026, 17:00 Uhr bis 16.10.2026, 09:00 Uhr. Auch hier war ein Online-Formular vorgesehen. Studierende ohne Platz konnten sich um frei gewordene Plätze bewerben oder Interesse an einer Belegung in späteren Semestern bekunden. Die Module gehören zum Projekt „Achtsamkeit in der Bildung und Hoch-/schulkultur (ABiK)“.
Beratung, Unterstützung und ein Blick auf 2027
Für Lehramtsstudierende hält die Zentrale Studienberatung verschiedene Angebote bereit. „Fit durchs Lehramtsstudium“ unterstützt zu Studienbeginn bei Zeitmanagement, Selbstorganisation und Gesundheitsprävention. Die Psychologische Beratungsstelle berät kostenfrei, vertraulich und unbürokratisch.
Studierende mit Kind finden an der Universität Leipzig unter anderem Still- und Wickelräume, ein kostenfreies Familienfrühstück und Kinderbetreuungsangebote. Die Stabsstelle Chancengleichheit, Diversität und Familie informiert und unterstützt Studierende mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen, etwa bei Nachteilsausgleichen, Studienorganisation und Langzeitstudiengebühren. Das Academic Lab bietet Workshops und Beratungen zum wissenschaftlichen Arbeiten an. Bei Studienzweifeln, Stress oder Abbruchgedanken hilft das Projekt „Plan A – Dein Plan. Dein Weg. Deine Wahl.“ Informationen zu den Veranstaltungsorten sind über den Lageplan der Universität Leipzig abrufbar.
Nach den Regeln und Brüchen geht der Blick weiter: Die Universität Leipzig widmet ihre Ringvorlesung 2027 dem Themenkomplex „Träume und Visionen“. Die sechsteilige, öffentliche Reihe fragt aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven danach, wie Träume und Visionen Denken, Handeln und gesellschaftliches Zusammenleben beeinflussen, Wünsche und Hoffnungen spiegeln und durch Lebensumstände, Gewohnheiten und Erlebnisse geprägt werden. Sie können Kreativität fördern, wissenschaftliche Innovationen anstoßen und durch den Austausch verschiedener Vorstellungen neue Perspektiven eröffnen.
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