Am 22. April 2026 fand an der Ruhr-Universität Bochum eine bedeutende Diskussion über die Förderung von Diversität im Jurastudium statt. An der Veranstaltung nahmen hochrangige Teilnehmer teil, darunter der Minister der Justiz Dr. Benjamin Limbach, Prof. Dr. Stefan Huster, Prof. Dr. Emanuel V. Towfigh, Silke Tölle-Pusch und Melina Petrovic. Diese Experten wiesen auf die besorgniserregende Abnahme der Diversität unter Jurastudierenden im Verlauf ihres Studiums hin. Dr. Limbach betonte, dass die Förderung von Vielfalt Teilhabe im Sinne des Grundgesetzes ermögliche und konkretisierte die Maßnahmen der Justiz NRW zur Verbesserung der Situation.
Im Rahmen der Diskussion erläuterte Prof. Towfigh die Notwendigkeit einer vielfältigen Rechtsvertretung. Er argumentierte, dass Diversität im Rechtssystem unabdingbar sei, um allen Menschen das Gefühl zu geben, im Rechtssystem vertreten zu sein. Melina Petrovic teilte aus eigener Erfahrung mit, dass sie als Studierende aus einem Nicht-Akademiker-Haushalt auf erhebliche Schwierigkeiten stieß. Silke Tölle-Pusch wies darauf hin, dass Initiativen wie ArbeiterKind.de wichtig sind, um Netzwerke für Erst-Akademiker zu schaffen. Dr. Limbach schloss sich einem Gesamtanliegen an: Die Vielfaltsförderung ist eine gemeinsame Aufgabe, die die gesamte Gesellschaft involviert.
Strukturelle Hindernisse erkennen und beseitigen
Einheit herrschte unter den Teilnehmenden darüber, dass bestehende strukturelle Hindernisse für Vielfalt im Rechtssystem identifiziert und beseitigt werden müssen. Eine solche Herangehensweise erfordert Engagement und kontinuierliches Handeln von Seiten aller Beteiligten.
Parallel zu diesen Bemühungen spielt das Netzwerk Multikultureller Jurist*innen (NMKJ) eine zentrale Rolle. Der im Jahr 2020 gegründete Verein hat sich zum Ziel gesetzt, Juristinnen und Juristen mit vielfältigen kulturellen Hintergründen zu vereinen und Diversität in der juristischen Ausbildung sowie Arbeitswelt aktiv zu fördern. Aktuell zählt das NMKJ über 250 Mitglieder, die häufig Hürden im Berufsweg überwinden müssen.
Engagement für Chancengerechtigkeit
Das NMKJ organisiert regelmäßige Netzwerktreffen, bei denen ein offener und inklusiver Austausch gefördert wird. Zudem veranstaltet der Verein Events zusammen mit externen Partnern, um Mitglieder über Themen wie Berufsbilder und Bewerbungstipps zu informieren. Eine wichtige Initiative des NMKJ ist ein Mentoring-Programm, das Mitglieder mit erfahrenen Juristen vernetzt. Diese Unterstützung ist insbesondere für junge Juristen mit Migrationshintergrund von Bedeutung, die häufig weniger vertraut mit dem akademischen Habitus sind und mit Stereotypen sowie ungleichen Chancen konfrontiert werden.
Studien belegen, dass Studierende mit Migrationshintergrund in mündlichen Prüfungen oft schlechter abschneiden, was die Dringlichkeit der Themen Diversität und Chancengerechtigkeit im Jurastudium unterstricht. Die Bundesjustizministerin hat in einer Keynote das Engagement des NMKJ gewürdigt und die Bedeutung von Diversität hervorgehoben. Der Verein fordert eine stärkere Berücksichtigung von Diversität im juristischen Ausbildungssystem und schlägt unter anderem vor, die Zusammensetzung der Prüfungskommissionen zu diversifizieren sowie eine sachliche Debatte über Diversität und Inklusion zu fördern.
Insgesamt zeigt die Diskussion in Bochum und die Arbeit des NMKJ, dass das Thema Diversität im Jurastudium und der Rechtsbranche zunehmend an Bedeutung gewinnt. Es bleibt zu hoffen, dass diese Entwicklungen zu mehr Teilhabe und Chancengerechtigkeit führen werden.