An der Universität des Saarlandes dürfte diese Zahl für einige Überraschung sorgen: Drei- und Vierjährige kommen im Schnitt auf mehr als 18.000 Schritte am Tag. Eine internationale Studie hat dafür die Bewegungsdaten von mehr als 3.500 Kindern aus 44 Ländern ausgewertet. Die Daten wurden zwischen 2018 und 2025 erhoben.

Die Kinder trugen mindestens drei Tage lang Bewegungssensoren an der Hüfte. Der gewichtete Median lag bei 18.542 Schritten täglich. Dreijährige gingen durchschnittlich etwa 17.500 Schritte, Vierjährige schafften knapp 19.000. Ein ordentliches Pensum für kurze Beine – und für Erwachsene klingt es ehrlich gesagt nach einem Tag, an dem man abends ziemlich müde auf dem Sofa landet.

Zwischen 1.100 und 29.800 Schritten

Wie unterschiedlich der Alltag der Kinder aussieht, zeigt die große Spannweite: Die Werte reichten von etwa 1.100 bis rund 29.800 Schritten pro Tag. Zwischen einem besonders bewegungsarmen und einem sehr aktiven Kind konnten damit an nur einem Tag mehr als 25.000 Schritte liegen.

Die Autoren der Sunrise-Studie betonen die Bedeutung körperlicher Aktivität für Wachstum und gesunde Entwicklung. Eine konkrete Schrittzahl für Vorschulkinder geben sie trotzdem nicht vor. Dafür müssten auch Sitzzeiten, Schlaf und weitere Faktoren berücksichtigt werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Drei- und Vierjährigen mindestens 180 Minuten Bewegung pro Tag, davon mindestens 60 Minuten mit mittlerer bis hoher Intensität.

Auch für Erwachsene gibt es keine offizielle WHO-Schrittvorgabe. Auf Grundlage allgemeiner Bewegungsempfehlungen wurden bisher häufig 7.000 bis 10.000 Schritte täglich genannt. Für die Kinder aus der Studie wäre das eher ein halber Tag – zumindest bei den aktiveren unter ihnen.

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Landluft, Einkommen und Geschlecht

Koordiniert wurde das Sunrise-Projekt von der University of Wollongong in Australien. Beteiligt waren unter anderem skandinavische Länder, Großbritannien, Spanien, Polen, Indien und Kenia. Deutschland war nicht vertreten.

Deutlich wurden Unterschiede nach Einkommen und Wohnort. Kinder in Ländern mit niedrigem Einkommen gingen durchschnittlich etwa 23.000 Schritte am Tag. Das waren gut 5.000 Schritte mehr als bei Kindern in Ländern mit hohem Einkommen. Auf dem Land kamen die Kinder auf knapp 2.000 Schritte mehr als Gleichaltrige in Städten.

Auch zwischen Jungen und Mädchen zeigte sich ein Abstand. Dreijährige Jungen absolvierten etwa 1.640 Schritte mehr pro Tag, bei Vierjährigen lag der Unterschied bei rund 1.150 Schritten. Als mögliche Gründe nennen die Autoren Unterschiede im Spiel- und Freizeitverhalten sowie soziokulturelle Einflüsse.

Bei Strategien zur Bewegungsförderung sollten nach Ansicht des Forscherteams deshalb besonders Mädchen und Kinder mit höherem Gewicht berücksichtigt werden, da diese Gruppen im Schnitt weniger Schritte zurücklegten. Das klingt weniger nach einer Wettbewerbsliste als nach einem Hinweis darauf, wie verschieden kindliche Tage aussehen können: drinnen, draußen, zwischen Kita, Wohnviertel und Spielplatz.

Eine Zahl ist noch kein Bewegungsplan

Für die Einordnung am Standort Uni Saarland bleibt ein wichtiger Vorbehalt: Die zugrunde liegende WHO-Datei zu nationalen Bewegungsempfehlungen besteht laut den vorliegenden Angaben aus fragmentierten PDF-Rohdaten und komprimierten Binärdaten. Ein lesbarer Nachrichtenartikel oder überprüfbarer Inhalt ist daraus nicht ersichtlich. Verlässlich einordnen lässt sich daher vor allem, was die Studie selbst berichtet – und nicht jede zusätzliche Detailfrage zu nationalen Empfehlungen.

Die Studie zeigt jedenfalls eine enorme Bandbreite. Ob ein Kind an einem Tag 1.100 Schritte oder fast 30.000 macht, hängt offenbar stark von Lebensumfeld, Wohnort und sozialen Bedingungen ab. Ein Sensor an der Hüfte zählt Schritte; er erzählt aber nicht, ob sie beim wilden Fangenspielen, auf dem Weg durch die Stadt oder zwischen langen Sitzphasen entstanden sind.

Quelle: Saarbrücker Zeitung · WHO-Dokument