Am 14. und 15. April 2026 fand in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ein wichtiger Workshop des Projekts HydroExtremes statt. Ziel der Veranstaltung war es, Strategien für den Umgang mit Wasser im Überfluss und Mangel zu entwickeln, insbesondere im Kontext des Klimawandels und der damit verbundenen hydrometeorologischen Extremsituationen. Dieses Projekt wird vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) koordiniert und umfasst die Zusammenarbeit mehrerer Helmholtz-Zentren sowie relevanter Institutionen wie IMKIFU, IMKTRO und IWU. Der Workshop verdeutlichte die wachsenden Herausforderungen, die durch zunehmende Hochwasserereignisse und Dürreperioden für Gesellschaft, Wirtschaft und Gesundheit entstehen.
Ein bedeutendes Element der Conference war der Austausch zwischen Politik, Wissenschaft und Praxis. Politische Keynotes, unter anderem von Steffi Lemke (MdB) und Referatsleiterinnen des BMUKN, betonten die gesellschaftliche Relevanz dieser Thematik und die Notwendigkeit eines koordinierten Handelns. Dies spiegelt sich auch in der Nationalen Wasserstrategie wider, die seit ihrer Verabschiedung im Bundeskabinett am 15. März 2023 als gemeinsamer Prozess von Bund, Ländern und Kommunen angelegt ist.
Mit der Nationalen Wasserstrategie in die Zukunft
Die Nationale Wasserstrategie hat das Ziel, bis 2050 einen nachhaltigen Umgang mit Wasserressourcen zu gewährleisten. Sie orientiert sich an langfristigen Zielen, darunter der Zugang zu qualitativ hochwertigem Trinkwasser und die Unterstützung des natürlichen Wasserhaushalts sowie der ökologischen Entwicklung der Gewässer. In ihrer Umsetzung sieht die Strategie 78 Maßnahmen vor, die bis 2030 schrittweise eingeführt werden sollen. In einem umfassenden Aktionsprogramm sind zehn strategische Themen festgelegt, die Antworten auf die Herausforderungen des Klimawandels, der Globalisierung und des demografischen Wandels liefern.
| # | Strategische Themen |
|---|---|
| 1 | Naturnaher Wasserhaushalt schützen, wiederherstellen und sichern. |
| 2 | Wasserknappheit und Zielkonflikten vorbeugen. |
| 3 | Gewässerverträgliche und klimaangepasste Flächennutzung realisieren. |
| 4 | Nachhaltige Gewässerbewirtschaftung weiterentwickeln. |
| 5 | Risiken durch Stoffeinträge begrenzen. |
| 6 | Wasserinfrastrukturen klimaangepasst weiterentwickeln. |
| 7 | Wasser-, Energie- und Stoffkreisläufe verbinden. |
| 8 | Leistungsfähige Verwaltungen stärken und Datenflüsse verbessern. |
| 9 | Meeresgebiete intensiver vor stofflichen Einträgen schützen. |
| 10 | Bewusstsein für die Ressource Wasser stärken. |
Begleitend zur Strategie wurde eine Interministerielle Arbeitsgruppe eingerichtet, die die Umsetzung koordiniert und alle sechs Jahre Monitoringberichte über den Fortschritt vorlegt. Eine erste umfangreiche Analyse der Maßnahmen wird für 2027 erwartet. Bis Mai 2026 beabsichtigt das BMUKN, auf einer Online-Beteiligungsplattform Meinungen zur Umsetzung zu sammeln.
Herausforderungen und Lösungen
Deutschland sieht sich gegenwärtig mit erheblichen Herausforderungen in der Wasserbewirtschaftung konfrontiert. Veränderte Niederschlagsmuster und steigende Temperaturen, besonders im Osten des Landes, haben zu einem Ungleichgewicht in der Wasserverfügbarkeit geführt. Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums dokumentiert seit 2014 die anhaltende Trockenheit, und Prognosen legen nahe, dass wetterbedingte Schäden bis 2040 um bis zu 90 Prozent zunehmen könnten.
Über 90 Prozent der Oberflächengewässer erfüllen nicht die Anforderungen der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), und die Abnahme der Grundwasserreserven hat bereits schwerwiegende Konsequenzen für die Trinkwasserversorgung. In diesem Kontext ergreift der NABU Maßnahmen für eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung, die auf die Renaturierung der Gewässer und den Schutz der natürlichen Wasserressourcen abzielen. Dies beinhaltet auch Forderungen nach Investitionen in grüne Infrastrukturen und der Förderung naturbasierter Lösungen.
Der Workshop HydroExtremes hat deutlich gemacht, wie wichtig transdisziplinäre Zusammenarbeit ist, um innovative Lösungen zu finden. Die Integration von Künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen eröffnet neue Möglichkeiten für die Vorhersage und Risikobewertung in der Wasserbewirtschaftung. In einem Co-Design-Ansatz wurde zudem ein KI-gestütztes Hochwasservorhersagemodell entwickelt, das in zukünftigen Projekten Anwendung finden soll.
Die Herausforderungen sind vielfältig und erfordern eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Nur durch eine abgestimmte Vorgehensweise kann es langfristig gelingen, die Wasserressourcen zukunftsfähig zu managen und die Gesellschaft auf die bevorstehenden hydrometeorologischen Extremsituationen vorzubereiten.
[KIT] berichtet, dass die Erkenntnisse aus dem Workshop in die Weiterentwicklung des Syntheseberichts einfließen werden, der als Grundlage für den Austausch mit Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit dient. Gleichzeitig wird [UBA] in Zukunft immer wieder auf die Fortschritte und Herausforderungen bei der Umsetzung der Nationalen Wasserstrategie hinweisen.
Insgesamt zeigt die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Politik, dass trotz der drängenden Probleme mit einer Vielzahl von innovativen Ansätzen und Strategien auf eine verbesserte Wasserbewirtschaftung hingearbeitet wird. Die nächsten Jahre werden entscheidend sein, um den Herausforderungen des Klimawandels und der Ressourcensicherung begegnen zu können.