Am 31. Oktober 2026 endet für Michaela C. Kraft ein langes Kapitel: Nach gut elf Jahren an der Spitze des Frankfurter Amts für Straßenbau und Erschließung (ASE) geht sie in den Ruhestand. Ihr Hauptwohnsitz und Lebensmittelpunkt bleiben Frankfurt am Main. Die gebürtige Schwarzwälderin war 2016 aus Berlin gekommen.

Von der TU Berlin, an der sie Bauingenieurwesen studierte, führte ihr Weg zunächst in verschiedene Aufgaben in Berlin und Bundesministerien. Kraft ist außerdem gelernte Tischlerin, absolvierte das Referendariat für den höheren technischen Verwaltungsdienst und ließ sich zur Mediatorin ausbilden. Zuletzt leitete sie in der Auftragsverwaltung des Bundes ein Referat mit Autobahnmeisterei und Tunnelleitzentrale sowie rund 80 Beschäftigten.

Vom Straßenbauamt zum Infrastrukturmanagement

In Frankfurt übernahm Kraft ein Amt mit rund 300 Mitarbeitenden. Das ASE plant, baut und erhält rund 1.450 Kilometer Straßen, etwa 480 Brücken und drei Tunnelanlagen. Eine gewaltige Aufgabe in einer Stadt, in die täglich rund 400.000 Menschen pendeln.

Unter Kraft entwickelte sich das Amt nach eigenen Angaben vom klassischen Straßenbauamt zu einem Zentrum des Infrastrukturmanagements. Vorangetrieben wurden unter anderem die Brückenprojekte an der Camberger Straße und an der Schwedlerbrücke. Saniert wurden die Wilhelmshöher Straße, die Franziusstraße, die Friesstraße und die Straße „Am Erlenbruch“ – nicht immer geräuschlos, aber mit viel Abstimmung.

Neu hinzu kamen Themen wie das Recycling von Asphalt, Niedrigtemperaturasphalt, klimaangepasste Straßenräume, Entsiegelung und Digitalisierung. Auch intern wurde umgebaut: Das ASE führte digitale Prozesse und die papierlose Bearbeitung parlamentarischer Anfragen ein, entwickelte neue Formen der Personalgewinnung, baute Hochschulkooperationen aus und arbeitete an einer moderneren Kommunikationskultur.

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Kraft beschreibt ihre Führung über Vertrauen, übertragene Verantwortung und gemeinsame Lösungsentwicklung. Bei Bauprojekten setzte sie auf frühe und transparente Kommunikation – und darauf, die Anliegen von Anwohnern und Unternehmen nicht erst dann anzuhören, wenn die Bagger schon vor der Tür stehen.

31 Stunden für eine Fahrbahndecke

Eine der härtesten Aufgaben war die Sanierung der Straße „Am Erlenbruch“. Die Fahrbahndecke wurde innerhalb von 31 Stunden erneuert, während gleichzeitig am Riederwaldtunnel gearbeitet wurde. Ein eng getakteter Kraftakt, bei dem wenig Spielraum blieb.

Auch an der Friesstraße im Seckbacher Gewerbegebiet war die Nervosität groß. Unternehmen befürchteten, ihre Betriebe könnten während der Bauarbeiten schlechter erreichbar sein. Dazu kam der Fachkräftemangel, der das Amt zusätzlich unter Druck setzte. Hochschulkooperationen und ein duales Studium halfen dabei, neues Personal zu gewinnen.

Im Ruhestand will Kraft reisen und ihre Zeit selbstbestimmter einteilen. Außerdem möchte sie Studierende als Mentorin unterstützen, Berufserfahrungen weitergeben und junge Menschen begleiten. Ganz weg vom Planen, Vermitteln und Erklären ist sie damit wohl nicht.

Eike Rothauge übernimmt

Auf Kraft folgt Eike Rothauge. Der Magistrat der Stadt Frankfurt beschloss am 31. Oktober 2025, ihn im folgenden Jahr zum Leiter des ASE zu machen. In einem Auswahlverfahren des Personal- und Organisationsamtes setzte er sich als bester Bewerber durch.

Die Übergabe begann bereits am 1. Januar 2026: Rothauge und Kraft leiteten das ASE zunächst gemeinsam. Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert begründete die frühe Einarbeitung mit dem hohen Sanierungsbedarf bei Straßen und Brücken, der Digitalisierung, dem Fachkräftemangel und weiteren Herausforderungen in der Baubranche. Kraft begrüßte die Entscheidung; das Amt sei bei Rothauge in guten Händen.

Rothauge, Jahrgang 1985, leitet seit Januar 2024 die Abteilung Erschließungsangelegenheiten im ASE und ist seit Januar 2025 stellvertretender Amtsleiter. Er studierte Stadt- und Regionalplanung in Kassel, arbeitete bei Hessen Mobil als Projektingenieur sowie als Team- und Sachgebietsleiter und war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Kassel.

Gemeinsam mit Kraft und dem Team wolle er den Übergang gestalten und das Amt schrittweise agiler und innovationsfreudiger aufstellen. Das ASE gehört zum Dezernat XII – Mobilität unter Leitung von Wolfgang Siefert (Grüne). Zum Dezernat zählen außerdem das Straßenverkehrsamt und die Stadtentwässerung Frankfurt am Main.

Brückenprogramm bleibt Daueraufgabe

Wie groß die Aufgabe ist, zeigt der Bericht „Frankfurter Brückenbauprogramm – Umsetzungsstand und Fortschreibung; 3. Bericht“. Die Vorlage B 247/2026 wurde am 14. August 2026 veröffentlicht und am 14. Oktober 2026 aktualisiert. Zuständig sind die Themenbereiche Stadtplanung sowie Verkehr und Straße.

Der Magistratsbericht bilanziert den Fortschritt des Brückenbauprogramms für die Jahre 2019 bis 2025 und beschreibt die Schwierigkeiten bei Instandhaltung und Neubau. Eine Rolle spielen Spannungsrisskorrosion und die finanziellen Herausforderungen in der Baubranche. Auf Grundlage bereits erhobener Daten sollen langfristige Strategien für eine nachhaltige Erhaltung und Sanierung entwickelt werden. Der Magistrat empfiehlt ein nachhaltiges Erhaltungsmanagement, damit der Zustand der Brücken langfristig gesichert werden kann.

Verknüpft sind unter anderem die Standorte Heddernheimer Steg, Rosa-Luxemburg-Straße, Schwedlerbrücke und Am Weißen Stein. Die Vorlage verweist auf den zweiten Bericht B 369/2019 sowie auf das Grundsatzkonzept und Brückenbauprogramm 2015–2019 M 61/2015.

Beraten wurde der Bericht in 14 Sitzungen von Ortsbeiräten. Die Stadtverordnetenversammlung kann einen solchen Informationsbericht zur Kenntnis nehmen, zurückweisen oder einen Folgebericht anfordern; eine Sachentscheidung ist damit nicht verbunden.

Im Ortsbeirat 11 stimmten am 14.09.2026 CDU, Grüne, Linke, AfD und BFF zu, während die SPD ablehnte. Die Vorlage wurde zurückgewiesen. Die Ortsbeiräte 1, 10, 6, 7, 8, 15, 2, 14, 4, 12 und 5 nahmen sie jeweils einstimmig zur Kenntnis.

Im Ortsbeirat 3 stimmten am 24.09.2026 Grüne, CDU, Linke, Volt, FDP und AfD für die Kenntnisnahme als Zwischenbericht. Die SPD stimmte dagegen, ÖkoLinX lehnte die Vorlage ab.

Auch der Haushalt macht die Dimension sichtbar: Für die berührten Bereiche Stadtplanung, Verkehr und Straße waren 2025 insgesamt 225 Millionen Euro veranschlagt. 176 Millionen Euro davon waren nicht durch Einnahmen gedeckt. Die nächste Leitung des ASE übernimmt also kein leeres Notizbuch, sondern eine ziemlich volle Mappe.