Berlin Science Week 2026: Wissenschaft wird im HKW zum Erlebnisort
Berlin wird Anfang November wieder zum offenen Hörsaal – und diesmal reicht das Programm von Marsmissionen bis zu lebenden Herzzellen. Die Berlin Science Week findet vom 1. bis 10. November 2026 an mehr als 120 Orten in Berlin statt. Geplant sind über 350 Veranstaltungen mit mehr als 230 Partnern aus Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft. Das Motto lautet: „In Touch – Wissenschaft ist persönlich“.
Die Veranstalter wollen damit nicht nur Forschungsergebnisse zeigen, sondern die Menschen dahinter: ihre Beweggründe, Geschichten, Leidenschaften, Zweifel und Entdeckungen. Wissenschaft soll dort auftauchen, wo man sie nicht unbedingt erwartet – in Kulturstätten, Galerien, Bars und öffentlichen Räumen. Mehr als 200 Einrichtungen öffnen ihre Labore und Hörsäle; viele Veranstaltungen sind kostenlos, auf Deutsch oder Englisch und ohne Vorkenntnisse zugänglich.
Das HKW wird zum Festivalzentrum
Erstmals liegt das Zentrum der Berlin Science Week im Haus der Kulturen der Welt (HKW), John-Foster-Dulles-Allee 10, 10557 Berlin. Vom 6. bis 8. November 2026 stehen dort an drei Tagen mehr als 100, nach Veranstalterangaben sogar über 110 Programmpunkte auf dem Plan: Vorträge, Performances, Workshops, partizipative Podiumsdiskussionen, Ausstellungen, praktische Experimente und Live-Shows.
Der Eintritt ist frei, nötig ist allerdings ein kostenloser Drei-Tages-Festivalpass. Für einzelne Workshops und Veranstaltungen kommt eine Platzreservierung hinzu. Ein Pass lässt sich spontan vor Ort holen, garantiert bei stark nachgefragten Angeboten aber keinen Sitzplatz. Das vollständige Programm steht unter berlinscienceweek.com.
Geöffnet ist das Festivalzentrum am Freitag, 6. November, von 12:30 bis 24:00 Uhr, das Programm beginnt um 13:00 Uhr. Am Samstag, 7. November, läuft der Betrieb von 10:00 bis 24:00 Uhr, mit Programmbeginn um 10:30 Uhr. Sonntag, 8. November, geht es von 09:30 bis 19:30 Uhr weiter, das Programm startet um 10:00 Uhr. Die Ausstellungs- und Mitmachstände schließen am Freitag um 18:00 Uhr, am Samstag um 18:00 Uhr und am Sonntag um 19:00 Uhr. Bühnenveranstaltungen können am Freitag und Samstag trotzdem bis Mitternacht dauern.
Zu sehen und auszuprobieren gibt es Robotik, Licht-Experimente, künstliche Intelligenz, Quantenphysik, medizinische Forschung und neuartige Materialien. Besucherinnen und Besucher können erleben, wie KI Bewegungen erkennt, was Exoskelette leisten und wie aus biologischen Rohstoffen neue Materialien entstehen. Das passt zum Motto: Nicht nur über Forschung reden, sondern ihr einmal ziemlich direkt begegnen.
Von Yoshua Bengio bis zu den Queens of Science
Am Freitag eröffnet der KI-Forscher Yoshua Bengio um 13:00 Uhr das Programm mit einer Diskussion über gesellschaftlich nützliche KI sowie die Verantwortung von Forschung und Technologieunternehmen. Mit dabei sind Stephanie Hare, Sibylle Anderl und Irina Nalis; Teile des Programms finden auf Deutsch, andere auf Englisch statt. Die Eröffnung „In Touch“ widmet sich Vertrauen und Verantwortung in der Künstlichen Intelligenz.
Um 15:30 Uhr sprechen Physik-Nobelpreisträger Brian Schmidt und der Physiker Harry Cliff über ungelöste Fragen des Universums. Die Veranstaltung „In Touch with the Unknown“ moderiert die Teilchenphysikerin Clara Nellist. Parallel geht es um die Frage, wie KI Beziehungen, Vertrauen und psychische Gesundheit verändert. Licht, Robotik im Alltag und Gespräche mit Forschungsteams sorgen für weitere Abzweigungen im Tagesprogramm.
Am Abend verbindet „Fertile Void“ von Amanda Piña/Instituto Tropical Wissenschaft, Klang und Performance; im Mittelpunkt steht die Lithiumgewinnung in der Atacama. Von 20:00 bis 21:30 Uhr folgt die wissenschaftlich inspirierte Improvisationskomödie „Laughing Matter“. Irgendwann ist dann auch für den Kopf Feierabend – theoretisch.
Der Samstag gehört den Verbindungen zwischen Wissenschaft, Kunst, Musik, Film und Performance. Um 14:15 Uhr wird der BBC-Podcast „The Evidence“ mit Claudia Hammond live aufgezeichnet. Fachleute sprechen über Hormone und deren Einfluss auf Körper und Leben. Um 16:00 Uhr diskutieren unter anderem Olafur Eliasson, Francesca Bria und der Quantenphysiker Tommaso Calarco über Wissenschaft und Kunst im Zeitalter der KI. Ein weiterer Programmpunkt fragt nach Europas KI-Infrastruktur, technologischer Souveränität und der Rolle der Kunst.
Schleim und seine mögliche biologische Intelligenz, Sport, Gesundheit, Kreativität und ungewöhnliche sportliche Aktivitäten stehen ebenfalls auf dem Plan. Ein Panel widmet sich militärischer KI und der Frage, wie Zivilisten als Testfeld neuer Technologien eingesetzt werden. Um 21:00 Uhr beginnt „Cells’ Ears“, eine Performance mit Musik und Experimenten an lebenden Herzzellen. Eine halbe Stunde später treten in der englischsprachigen Wissenschaftstheater-Show „Queens of Science“ vier Wissenschaftler als Dragkünstler auf. Forschung, Comedy und Choreografie treffen aufeinander; die Show dauert voraussichtlich bis 23:30 Uhr und ist erst ab 18 Jahren zugänglich.
Familien, Mars und kuriose Forschung
2026 gibt es erstmals ein eigenständiges Familienprogramm, vor allem am Samstag- und Sonntagvormittag. Zielgruppe sind Kinder von vier bis zwölf Jahren. Experimente, Lesungen, Quizveranstaltungen und Mitmachaktionen stehen neben Angeboten zu Licht und Farben, Pilzen und dem menschlichen Körper.
Die Fernsehmoderatorin Clarissa Corrêa da Silva liest am 7. November von 10:30 bis 11:30 Uhr aus „Mein wunderbares ICH“. Von 12:30 bis 13:30 Uhr folgt „Wer bin ICH eigentlich?“ über Gene und persönliche Eigenschaften. Ihre Veranstaltungen richten sich insbesondere an Kinder ab acht Jahren. Der Licht- und Farbenworkshop ist ab vier Jahren und gemeinsam mit Eltern gedacht.
Am Sonntag fragt die DLR_Raumfahrt_Show, ob Menschen künftig auf dem Mars leben könnten. Die Termine: 10:00–11:15 Uhr und 12:15–13:30 Uhr. Experimente, Nebelringe, Wärmebildkameras und ein gemeinsamer Countdown gehören dazu. Die Raumfahrtshow ist ebenso wie die Lesung „Als Ela das All eroberte“ ab neun Jahren empfohlen.
Um 10:30 Uhr lesen Raúl Krauthausen und Adina Hermann aus „Als Ela das All eroberte“, der Geschichte einer elfjährigen Rollstuhlfahrerin mit dem Traum von der Raumfahrt. Dabei wird auch erwähnt, dass nur 11 Prozent der bisher ins All geflogenen Menschen Frauen sind. Um 14:30 Uhr präsentieren die Podcaster Richard Hemmer und Daniel Meßner „Mehr Geschichten aus der Geschichte“, diesmal über wissenschaftliche „Heureka“-Momente. Um 16:30 Uhr stellt Ig-Nobelpreis-Gründer Marc Abrahams gemeinsam mit Gästen kuriose wissenschaftliche Forschung vor.
Der Eintritt zum Familienprogramm ist kostenlos, der Festivalpass aber auch für Familien erforderlich. Bei Workshops mit begrenzter Teilnehmerzahl empfiehlt sich eine zusätzliche Reservierung. Das ist weniger dramatisch, als es klingt – sofern man nicht mit einer ganzen Kindergruppe fünf Minuten vorher auftaucht.
Wissenschaft in der ganzen Stadt
Rund 240 weitere Programmpunkte finden außerhalb des HKW an Universitäten, Forschungseinrichtungen, Museen und Kulturorten statt. Das öffentliche Stadtprogramm beginnt am 1. November und läuft unabhängig vom Festivalzentrum. Der offizielle Festakt am 1. November im Museum für Naturkunde ist ausschließlich geladenen Gästen vorbehalten.
Am 1. November läuft von 14:00 bis 18:00 Uhr „CHRYSALIS. ARTISTS IN LABS“ mit neuen Arbeiten von Helena Nikonole, Julius Holtz, Margherita Pevere und Marcus Maeder. Am 4. November geht es bei „The US Midterms in Perspective“ von 18:00 bis 20:00 Uhr um die Folgen für die USA und Europa. Ebenfalls am 4. November findet von 17:00 bis 19:00 Uhr die Queen’s Lecture mit Dame Molly Stevens zur regenerativen Medizin an der TU Berlin statt – kostenlos, aber nur mit Anmeldung.</p
