Das Internet ist ein Ort voller Verlockungen. Ob Spiele, Einkaufen, Social Media oder sogar Pornografie – die Möglichkeiten scheinen endlos. Während die Mehrheit der Nutzer maßvoll mit diesen Angeboten umgeht, entwickeln einige ein auffälliges Suchtverhalten. Eine umfassende Studie an der Ruhr-Universität Bochum hat nun tiefergehende Einsichten in die Psychologie des Internetnutzungsverhaltens geliefert.

In der multizentrischen Untersuchung wurden über 1.000 Testpersonen mit und ohne problematische Nutzung analysiert. Alle Teilnehmer äußerten eine Anziehung zu suchtrelevanten Inhalten. Besonders bemerkenswert ist, dass Menschen mit problematischer Internetnutzung einen deutlich stärkeren, unbewussten Sog zu diesen Reizen verspürten. Prof. Dr. Martin Diers von der Klinik für Psychosomatische Medizin stellt fest, dass gezielte Trainings entwickelt werden könnten, um diesen Betroffenen zu helfen, sich von den verlockenden Inhalten zu distanzieren.

Erfolgreiche Therapieansätze

Zur Bekämpfung der Internetsucht sind auch therapeutische Ansätze notwendig. Hierzu gehört die STICA-Studie, die als erste multizentrische und randomisiert-kontrollierte Studie zur Behandlung von Computerspiel- und Internetsucht galt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift JAMA Psychiatry veröffentlicht. Die Studie zeigte, dass eine 15-wöchige kognitiv-behaviorale Kurzzeitbehandlung sehr effektiv sein kann. Ziel dieser Therapie ist es, die Ursachen der Verhaltenssucht zu adressieren und den selbstverantwortlichen Umgang mit dem Internet zu fördern, wie es die Universitätsmedizin Mainz beleuchtet.

An dieser Studie nahmen 149 männliche Patienten im Alter zwischen 17 und 52 Jahren teil, die durchschnittlich acht Stunden täglich im Internet verbrachten und unter erheblichem Leidensdruck litten. Der Vergleich zwischen der Behandlungsgruppe und der Kontrollgruppe zeigt, dass 69 Prozent der Behandlungsgruppe erfolgreich austherapiert wurden, während in der Kontrollgruppe nur 24 Prozent Fortschritte machten. Entscheidende Elemente der Therapie waren Abstinenzphasen und die Konfrontation mit dem Suchtmedium.

Die Herausforderung der Internetsucht

Die Verbreitung von Internetsucht nimmt zu; aktuelle Schätzungen berichten von einer Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung von 0,5 bis 1 %, wobei in Hochrisikopopulationen deutlich höhere Raten festgestellt werden. Dies ist besonders besorgniserregend, da betroffene Personen oft berufliche und private Verpflichtungen vernachlässigen. Im Mai 2019 erkannte die WHO die Computerspielsucht offiziell als „Gaming Disorder“ an, was die Dringlichkeit für effektive Behandlungsansätze unterstreicht.

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Die Herausforderung besteht darin, nicht nur die Symptome der Sucht zu bekämpfen, sondern auch nachhaltige Strategien zu entwickeln, die den Betroffenen helfen, einen gesunden Umgang mit digitalen Medien zu finden. Die Leitlinie zur Internetnutzungsstörung bietet hilfreiche Grundlagen, um Fachkräfte bei der Entwicklung dieser Strategien zu unterstützen. Es bleiben viele Aufgaben, um den Risiken und Herausforderungen des digitalen Zeitalters gerecht zu werden. Die zukünftige Forschung wird entscheidend sein, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen und effektive Lösungen zu finden.