In einer Ära, in der Künstliche Intelligenz (KI) zunehmend in unseren Alltag integriert wird, stellt sich die Frage, inwieweit unsere Vorstellung von KI durch Metaphern und Narrative geprägt wird. Prof. Dr. Norbert Paulo von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt beleuchtet in seinem aktuellen Vortrag die Rolle von Metaphern wie den „neuronalen Netzen“ und die damit verbundenen Missverständnisse.

Die Metapher der neuronalen Netze beschreibt das Konzept subsymbolischer KI, die durch das Lernen aus Beispielen funktioniert, anstatt explizite Regeln zu speichern. Diese Art von Lernen ermöglicht es, Objekte wie Katzen auf Bildern zu erkennen, ohne dass klare Anweisungen nötig sind. Allerdings ist das in neuronalen Netzen gespeicherte Wissen nicht klar strukturiert – es ist verteilt und komplex. Dies führt zu einem weiteren Dilemma: Da viele Menschen nicht die Funktionsweise des menschlichen Gehirns verstehen, ist es schwierig, auch die Analogien, die damit verbunden sind, korrekt zu interpretieren. Laut Paulo besteht zudem die Gefahr, dass einfache Metaphern und Narrative aus der KI-Industrie zur Irreführung der Öffentlichkeit führen können.

Der STS-Talk: Ein Blick auf Metaphern im KI-Kontext

Um diese Themen zu vertiefen, wird am 15. Juni ein STS-Talk stattfinden. Dabei werden Experten wie Prof. Dr. Michaela Honauer, Leonie Möck, Gerfried Stocker und Prof. Dr. Norbert Paulo zusammenkommen, um die kulturellen Dimensionen von KI zu erörtern. Der Vortrag wird sowohl vor Ort im Georgianum in Ingolstadt als auch virtuell via Zoom angeboten und hat als Ziel, das Verständnis für KI in der breiten Öffentlichkeit zu fördern.

Die Diskussion um Metaphern in der KI ist besonders relevant, da in der aktuellen Forschung immer mehr darauf hingewiesen wird, dass KI nicht nur technische Innovationen vorantreibt, sondern auch tiefgreifende Fragen über Lernen und Intelligenz aufwirft. Der Einsatz von KI erstreckt sich mittlerweile über viele Bereiche, darunter Sprachassistenten und Internetanwendungen. Forscher passen die Prinzipien der Neurowissenschaften an, um die Effizienz von KI-Systemen zu steigern.

Neuro-KI: Die Schnittstelle zwischen Neurowissenschaften und KI

Das Forschungsfeld der Neuro-KI untersucht dabei, wie die Künstliche Intelligenz vom menschlichen Gehirn lernen kann. Die rasant voranschreitende Technologie eröffnet dabei neue Perspektiven für medizinische Anwendungen, wie beispielsweise in der präziseren Diagnose von Hirntumoren bei Kindern und verbesserten Therapieentscheidungen. Auch die Erforschung von Alzheimer und Parkinson profitiert von diesen Ansätzen, da KI-Techniken helfen können, Krankheitsursachen besser zu identifizieren.

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Die Bundesministerien für Forschung und Technik haben seit 2025 elf Pilotprojekte an der Schnittstelle von Neurowissenschaften und KI gefördert, mit einem Gesamtvolumen von bis zu 13,9 Millionen Euro. Diese Projekte zielen darauf ab, neurowissenschaftliche Erkenntnisse zu nutzen, um die Entwicklung von KI-Systemen zu optimieren. Zu den geförderten Vorhaben gehören innovative Forschungsprojekte wie DeepSync, das neue KI-Architekturen auf der Basis neurobiologischer Prinzipien entwickeln soll, sowie CHAIS, eine KI-Lösung für Hörgeräte, die Hören und Sehen miteinander kombiniert. Ein weiteres Beispiel ist NAILit, das sich mit der Analyse von Gehirnaktivität und dem Verhalten sozialer Tiere beschäftigt, um neue Vorhersagemodelle für psychiatrische Erkrankungen zu entwickeln.

Die Synergien, die aus der Zusammenarbeit zwischen Neurowissenschaften und Künstlicher Intelligenz entstehen, haben das Potenzial, die Zukunft dieser Technologien grundlegend zu beeinflussen. Die wissenschaftlichen und kulturellen Gespräche über KI werden sicher weiterhin an Relevanz gewinnen, insbesondere wenn wir anerkennen, wie sehr unsere Wahrnehmung von ihnen durch Worte und Bilder geprägt ist.