Wohnen gegen Hilfe: Magdeburger Studentenwerk startet Wohnpartnerschaftsprojekt MIT einander – FÜR einander
In Magdeburg startet das Studentenwerk heute, am 26. Oktober 2026, das Wohnpartnerschaftsprojekt „MIT einander – FÜR einander“. Es bringt Studierende auf Wohnungssuche mit Menschen zusammen, die freien Wohnraum haben. Für viele kommt das gerade recht: Die Wartelisten für Plätze in Studentenwohnheimen sind lang, und verfügbare Zimmer auf dem freien Markt werden oft schnell vergeben.
Das Prinzip ist unkompliziert, aber nicht ganz ohne persönlichen Einsatz. Studierende oder Auszubildende erhalten günstigen Wohnraum und übernehmen im Gegenzug nach individueller Absprache Aufgaben im Haushalt oder bei den potenziellen Vermieterinnen und Vermietern. Das kann beim Einkaufen sein, bei der Gartenarbeit oder bei Computer- und Technikfragen. Je nach Umfang der Unterstützung kann sich die Miete reduzieren oder vollständig entfallen.
Ein Zimmer, ein bisschen Hilfe und neue Kontakte
Magdeburgerinnen und Magdeburger können ein freies Zimmer anbieten. Das Projekt verbindet damit bezahlbares Wohnen mit Unterstützung im Alltag und gesellschaftlichem Austausch. Gerade internationale Studierende sollen schneller in Magdeburg ankommen, Kontakte knüpfen und sich in der neuen Umgebung einleben können. Das ist im Alltag oft mehr wert als ein Schlüssel: jemand, der kurz erklärt, welcher Bus wohin fährt, oder beim ersten Behördengang nicht gleich die Geduld verliert.
Das generationen- und kulturübergreifende Angebot ist für die Teilnehmenden kostenfrei. Projektkoordinatorin ist Marie Pöhlmann. Das Studentenwerk begleitet den Weg von der Erstberatung bis zur erfolgreichen Vermittlung und hilft dabei, eine passende Wohnpartnerschaft zu finden. Für die Teilnahme muss ein Anmeldebogen eingereicht werden.
Interessierte erreichen Marie Pöhlmann unter +49 391 6751843 oder per E-Mail an wohnpartner@studentenwerk-magdeburg.de. Weitere Informationen zur Vermittlung gibt es unter www.studentenwerk-magdeburg.de/wohnen/miteinander-fuereinander.
Warum die Wohnungssuche zum Semesterstart nervt
Zum Semesterstart wird günstiger Wohnraum besonders knapp. Wohnheime führen lange Wartelisten, auf dem freien Wohnungsmarkt sind die Mieten oft hoch, und freie Zimmer verschwinden manchmal schneller, als man „Besichtigungstermin“ sagen kann. Eine passende Wohnform kann trotzdem Kosten sparen und soziale Kontakte schaffen – nur muss man wissen, worauf man sich einlässt.
Studierendenwohnheime werden von Studierendenwerken oder privaten Trägern angeboten. Üblich sind Einzelzimmer mit Gemeinschaftsküche, kleine WGs, Apartments mit eigenem Bad oder Wohnanlagen mit Gemeinschaftsräumen, Waschsalon und Fahrradkeller. Die Mieten sind vergleichsweise günstig und enthalten häufig Internet und Nebenkosten. Dazu kommen die Nähe zur Hochschule, planbare Kosten, ein meist geringer Anmeldeaufwand und eine große Gemeinschaft mit internationalen Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern.
Der Haken: In vielen Städten gibt es lange Wartelisten. Eine Bewerbung, teilweise Monate vor Semesterbeginn, ist daher ratsam. Dafür muss man mit weniger Privatsphäre, einfacherer Ausstattung sowie Gemeinschaftsbädern und -küchen leben. Zimmer und Mitbewohner lassen sich nur begrenzt auswählen; Streit über Sauberkeit, Lautstärke oder Lebensstil ist nicht ausgeschlossen. Für Studienanfängerinnen und Studienanfänger, Studierende mit knappem Budget und internationale Studierende kann das Wohnheim dennoch eine naheliegende Lösung sein.
Wohnen gegen Hilfe, WG oder Wohnheim?
Beim Modell „Wohnen gegen Hilfe“ wohnen Studierende oft kostenlos oder stark vergünstigt bei älteren Menschen oder Familien. Gartenarbeit, Einkäufe, kleine Hausarbeiten und technische Hilfen gehören zu den möglichen Aufgaben. Pflegeleistungen sind ausgeschlossen. Der Umfang wird individuell vereinbart; als Faustregel gilt häufig: Ein Quadratmeter Wohnfläche entspricht einer Stunde Hilfe pro Monat. Klingt zunächst überschaubar, sollte aber nicht einfach nebenbei laufen.
Aufgaben, Zeiten und Erwartungen sollten schriftlich festgehalten werden. Der Vorteil liegt auf der Hand: Meist fallen nur Nebenkosten an, dazu kommen persönlicher und generationenübergreifender Austausch, oft eine bessere Wohnqualität sowie flexible Vereinbarungen. Gleichzeitig gibt es weniger rechtliche Sicherheit als in einem klassischen Mietverhältnis, eine feste Einbindung in den Alltag und mehr Verantwortung. Wenn Studierende und Gastgeber nicht zueinander passen, kann das für beide Seiten belastend werden.
Eine Wohngemeinschaft funktioniert anders. Jede Person hat ein eigenes Zimmer, Küche und Bad werden geteilt. Das verbindet Gemeinschaft mit Privatsphäre, erlaubt mehr Eigenständigkeit und verteilt die Verantwortung. Mietdauer und Nebenkosten können flexibel geregelt werden; häufig wird die Miete nach Zimmergröße aufgeteilt. Dafür schwanken die Preise besonders in beliebten Städten, und bei Kündigungen oder gemeinsamen Verträgen hängt man mitunter von den Mitbewohnern ab. Vor der Zusage zählt deshalb nicht nur der Preis oder die Lage, sondern auch die Frage, wie das Zusammenleben aussieht – ein persönliches Kennenlernen erspart manchmal böse Überraschungen.
Im Vergleich bietet das Wohnheim viele Mitbewohner, überwiegend aus dem studentischen Umfeld, Gemeinschaft und internationalen Austausch. Mietverträge sind häufig semesterweise kündbar; Bewerbung und Vergabe laufen über den jeweiligen Mietvertrag beziehungsweise Träger. In der WG gibt es entweder eine Gemeinschafts- oder Zweck-WG, mehr Selbstorganisation und größere Freiheit, wobei die Bedingungen vom Mietvertrag abhängen. Die Wohndauer kann unabhängig vom Studium möglich sein. „Wohnen gegen Hilfe“ setzt dagegen auf generationenübergreifenden Austausch, individuelle Absprachen, meist sehr geringe Kosten und einen persönlich festgelegten Stundenaufwand.
In der Regel ist „Wohnen gegen Hilfe“ das günstigste Modell, weil meist nur Nebenkosten anfallen – bezahlt wird eher mit Zeit als mit Geld. Wohnheime punkten mit günstigen Mieten in Hochschulnähe, WGs mit Selbstbestimmung, Gemeinschaft und geteilter Verantwortung. Das Magdeburger Projekt richtet sich an Studierende, die sparen und sich aktiv einbringen möchten; ebenso an Menschen, die eine Alternative zu WG und Wohnheim suchen.
Was bei der Bewerbung wichtig ist
Wohnheimplätze werden meist online über das Studierendenwerk oder den jeweiligen Träger beantragt. Üblicherweise braucht es eine Studienbescheinigung, je nach Anbieter außerdem weitere Unterlagen und möglicherweise ein Motivationsschreiben. Wegen der hohen Nachfrage empfiehlt sich eine frühe Bewerbung, Wartelisten sind üblich.
Kombinierte Wohnkonzepte wie Mehrgenerationenhäuser und integrative Wohnprojekte gehen noch einen Schritt weiter: Sie bringen Studierende, Familien und ältere Menschen zusammen und fördern gegenseitige Unterstützung. In Magdeburg bekommt diese Idee mit „MIT einander – FÜR einander“ nun eine konkrete Adresse, eine Ansprechperson – und hoffentlich bald auch freie Zimmer.
