X-CAN: Wie ein Smartphone-Spiel Jugendliche vor riskantem Cannabiskonsum schützen soll
Wie Prävention funktionieren kann, zeigt das Deutsche Zentrum für Präventionsforschung Psychische Gesundheit (DZPP) in Würzburg am Montag, 12. Oktober. Anlass ist der erste Bayerische Präventionstag, bei dem Vorträge, eine Podiumsdiskussion, Besichtigungen und eine Online-Fortbildung auf dem Programm stehen.
Das DZPP wird von der Universität Würzburg und dem Universitätsklinikum Würzburg getragen. Das Forschungsinstitut entwickelt Programme zur Vorbeugung psychischer Erkrankungen, überprüft wissenschaftlich deren Wirksamkeit und bringt erfolgreiche Ansätze anschließend in die Versorgung. Ein ziemlich langer Weg – aber einer, der am Ende im Alltag von Jugendlichen und Familien ankommen soll.
Präventionstag auf dem Hubland
Die kostenlose öffentliche Veranstaltung beginnt um 10 Uhr in der Graduate School of Life Sciences am Campus Hubland Nord, Beatrice-Edgell-Weg 21. Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach spricht zum Thema „Prävention als gemeinsame Aufgabe“. Anschließend stellt Stella Vieth vom Forschungszentrum das Cannabispräventionsprogramm XCAN vor.
Entwickelt wurde XCAN mit Unterstützung des Bayerischen Gesundheitsministeriums. Das Programm soll Jugendliche vor den Risiken des Cannabiskonsums schützen. Ab 10.40 Uhr folgt eine Podiumsdiskussion.
Wer das DZPP direkt kennenlernen möchte, kann von 11.30 bis 14 Uhr das Zentrum im Klara-Oppenheimer-Weg 38 besichtigen. Dort werden verschiedene Projekte vorgestellt; außerdem sind Gespräche mit Beschäftigten möglich. Von 14.30 bis 16 Uhr richtet sich eine Online-Fortbildung an Fachleute. Vorgestellt werden Forschungs- und Präventionsprojekte, unter anderem zu Emotionsregulation, Cybermobbing und psychischen Erkrankungen im Kindesalter.
Für den Programmteil von 10 bis 11 Uhr ist eine Anmeldung bis Montag, 5. Oktober, per E-Mail an dzpp@ukw.de erforderlich. Weitere Informationen gibt es unter www.med.uni-wuerzburg.de/dzpp.
Ein Smartphone-Spiel gegen riskanten Konsum
Der Hintergrund ist aktueller denn je: 2024 wurde Cannabis in Deutschland für Erwachsene legalisiert. Damit rückt der Schutz Jugendlicher stärker in den Fokus, denn Cannabiskonsum im Jugendalter ist mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden.
Das Deutsche Zentrum für Präventionsforschung und Psychische Gesundheit am Uniklinikum Würzburg entwickelt deshalb das digitale Präventionsprogramm X-CAN. Als Smartphone-Spiel soll es Wissen über cannabisbezogene Risiken vermitteln und Jugendlichen Strategien an die Hand geben, sich von Cannabiskonsum abzugrenzen. Kein Vortrag mit erhobenem Zeigefinger, sondern ein Angebot, das im Alltag auf dem Handy erreichbar ist.
Derzeit wird in einer Studie geprüft, ob X-CAN Cannabiskonsum verhindern oder reduzieren kann. Getestet werden zwei Spielversionen: Für Jugendliche mit psychischen Symptomen, die noch nie Cannabis konsumiert haben, geht es darum, den Konsumbeginn zu verhindern. Jugendliche, die bereits Cannabis konsumiert haben, sollen dabei unterstützt werden, ihren Konsum zu reduzieren.
Als Handy-App soll X-CAN niedrigschwellig, ortsunabhängig und breit einsetzbar sein. Die Wirksamkeit wird in einer randomisiert kontrollierten Studie mit zwei Studienarmen untersucht – mit Jugendlichen ohne bisherigen Cannabiskonsum sowie mit Jugendlichen, die bereits Cannabis konsumiert haben.
Studie läuft vollständig online
Teilnehmen können Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren. Sie testen X-CAN und nehmen an drei bis vier Befragungsterminen teil. Die vollständig online durchgeführte Studie kann flexibel von zu Hause aus absolviert werden – ohne Anfahrt, ohne Wartezimmer, mit dem eigenen Handy und dem eigenen Rhythmus.
Nachbeobachtungszeiträume von bis zu zwölf Monaten sollen zeigen, welche langfristigen Auswirkungen X-CAN auf Einstellungen und Verhalten zum Cannabiskonsum hat. Für die Teilnahme wird eine finanzielle Aufwandsentschädigung gezahlt. Die erhobenen Daten werden wissenschaftlich ausgewertet und vertraulich nach den geltenden Datenschutzbestimmungen behandelt.
Ziel ist ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis als Grundlage für die langfristige Bereitstellung von X-CAN als evidenzbasiertes Präventionsangebot. Interessierte können ihre Kontaktdaten unter diesem Link hinterlegen. Weitere Informationen zur Studie gibt es per E-Mail an x-can@ukw.de.
