Eine Liebesgeschichte kann ziemlich weit führen: erst zu einer Fotoausstellung an einer Universität, später auf eine Geburtstagsparty, nach Barcelona – und schließlich rund 6.000 Kilometer weiter nach Kasachstan. Artem Kouida erzählt davon in seinem autobiografischen Debütroman „Meine kasachische Hochzeit“. Am Mittwoch, 30. September, stellt er das Buch im Familienzentrum Nidderau vor.

Kouida lernte seine heutige Frau während des Studiums kennen. Ein halbes Jahr nach der ersten Begegnung trafen sie sich auf seiner Geburtstagsparty wieder. Der Heiratsantrag folgte während einer Reise nach Barcelona, die Verlobung fand in Deutschland statt. Zunächst heiratete das Paar standesamtlich in Trier. Die Familie der Braut wusste davon allerdings erst einmal nichts. Also reiste die Braut allein nach Kasachstan, um ihre Verwandten über die Ehe zu informieren.

6.000 Kilometer, zwei Hochzeiten und viele Erwartungen

Für den Schwiegervater war der ausländische Schwiegersohn zunächst eine ziemliche Überraschung. Er hatte ursprünglich einen kasachischen, kasachisch sprechenden und mit den Traditionen vertrauten Mann erwartet, der in Kasachstan lebt. Auf Wunsch der Familie reiste Kouida deshalb selbst nach Kasachstan, um traditionell um die Hand seiner Frau zu bitten und ein zweites Mal zu heiraten.

Der Roman handelt von dieser Reise und von den ersten Schritten in der gemeinsamen Lebensgemeinschaft. Im Mittelpunkt stehen interkulturelle Beziehungen, familiäre Erwartungen, kasachische Traditionen und die bürokratischen Hürden rund um die Verbindung. Kouida erzählt mit Humor – und vor dem Hintergrund der Bedeutung von Liebe. Seine Begegnung mit der kasachischen Großfamilie führt zugleich in eine Welt, in der Gastfreundschaft nicht bloß ein freundliches Wort ist.

Große Portionen gehören dort offenbar zum guten Ton. Wer Essen ablehnt, kann den Gastgeber möglicherweise beleidigen. Kouida beschreibt Geschichte, Kultur, Sitten, Verhaltensweisen und die Küche Kasachstans, dazu Hochzeitsrituale, eine Trauung auf Kasachisch und die Feier mit rund 150 Verwandten. Es gibt ein opulentes Festmahl, eine festgelegte Sitzordnung und besondere Speisen. Am Ende des Buches stehen außerdem von Kouida ins Deutsche übersetzte Rezepte seiner Schwiegermutter.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Vom Lehramtsstudenten zum Buchautor

Artem Kouida wurde 1983 in Minsk, Belarus, geboren und wuchs in Deutschland auf. In Belarus lernte er Deutsch, studierte Lehramt an der Universität Trier und vertiefte während eines Erasmus-Aufenthalts in Madrid seine Spanischkenntnisse. An der Justus-Liebig-Universität Gießen promovierte er in Osteuropäischer Geschichte.

Als freier Journalist bereiste Kouida Osteuropa und Kasachstan und veröffentlichte mehr als 100 Reisebeiträge in deutschsprachigen Medien. Dazu kamen wissenschaftliche und journalistische Beiträge. Für sein Engagement erhielt er mehrere Auszeichnungen, darunter Preise des Kultusministeriums Rheinland-Pfalz und des Kompetenzzentrums Mittel- und Osteuropa in Leipzig. Sein Buch wurde außerdem vom Kultusministerium der Republik Kasachstan ausgezeichnet.

Heute lebt Kouida mit seiner Frau und seinen Töchtern in Bad Nauheim. Er arbeitet als Förderschullehrer beziehungsweise Lehrer und ist als Osteuropa-Experte und Buchautor tätig. „Meine kasachische Hochzeit“ ist sein erstes literarisches Werk. Erschienen ist der 200 Seiten starke Band im März 2025 im Gabriele Schäfer Verlag, ISBN 978-3-910594-33-3.

Lesung im Familienzentrum

Die Lesung beginnt am Mittwoch, 30. September, um 18 Uhr und endet um 20 Uhr. Veranstaltungsort ist das Familienzentrum, Gehrener Ring 5, in Nidderau. Eingeladen hat der Fachbereich Soziales der Stadt Nidderau; die Veranstaltung findet im Rahmen der Interkulturellen Wochen 2026 statt.

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung bis 28. September ist erforderlich. Zuständig ist Inas Saleh vom Fachdienst Soziale Angelegenheiten & Integration der Stadt Nidderau. Kontakt: 06187/299-153 oder inas.saleh@nidderau.de.

Zwischen Steppenvölkern und Hochzeitstorte

Kasachische Hochzeiten verbinden farbenfrohe Rituale, Gastfreundschaft und symbolische Handlungen. Die Ehe gilt als gesellschaftlicher Akt, der Familien verbindet, Traditionen ehrt und Generationen zusammenführt. Viele Bräuche reichen in die Zeit der Steppenvölker zurück; zugleich wirken die reiche Nomadengeschichte sowie islamische und turkische Einflüsse bis heute nach. Moderne Elemente kommen längst dazu.

Bei Kyz Uzatu, der Verabschiedung der Braut, wird die junge Frau häufig am Tag vor der Hochzeit symbolisch aus dem Elternhaus verabschiedet. Traditionell trägt sie ein weißes Kleid und den Kopfschmuck „Saukele“. Dazu gehören Tanzen, Singen, Weinen, Geschenke, Musik und traditionelle Lieder – ein ordentliches Wechselbad der Gefühle.

Die Kalym, die Brautgabe, wird von der Familie des Bräutigams an die Familie der Braut übergeben. Das können Geld, Vieh, Schmuck oder andere Geschenke sein. Ursprünglich sollte die Gabe die Familie der Braut finanziell absichern und die Ernsthaftigkeit der Verbindung zeigen. Heute ist sie häufig symbolisch und wird innerhalb der Familien ausgehandelt.

Beim Betashar wird der Schleier der Braut während der Zeremonie oder des Empfangs symbolisch gelüftet. Ein traditioneller Sänger trägt ein poetisches Lied über die Familie, Werte und künftigen Aufgaben der Braut vor. Sie verbeugt sich respektvoll vor den Verwandten des Bräutigams.

Die Hochzeitsfeier, der sogenannte „Toy“, kann mehrere hundert Gäste umfassen. Musik, Tanz, Spiele, Reden, Trinksprüche, Gedichte und reichhaltiges Essen gehören dazu. Serviert werden unter anderem Beshbarmak und Kumys; auch das gemeinsame Anschneiden von Brot und das Beschenken der Gäste können Teil der Rituale sein. Häufig kommt Schaffleisch auf den Tisch. Der Kopf geht traditionell an den ältesten Gast, Herz oder Rippe werden jungen Paaren zugeteilt.

Viele Feiern finden heute in Restaurants oder Veranstaltungssälen statt. Europäische weiße Brautkleider, moderne Musik, DJs, Hochzeitstorten und Fotoshootings stehen neben den überlieferten Bestandteilen. Genau in diesem Nebeneinander – zwischen festgelegter Sitzordnung, Familienerwartungen und moderner Lebensplanung – liegt auch der Stoff von Kouidas Geschichte.