Heupferdchen: Das Artenkenntnis-Zertifikat der Universität Bonn macht Kinder zu Naturdetektiven
Wer ein „Heupferdchen“ macht, braucht kein Schwimmbecken, sondern Neugier, eine Becherlupe und ein gutes Auge. Das Artenkenntnis-Zertifikat für Kinder und Jugendliche ist an das Schwimmabzeichen „Seepferdchen“ angelehnt und wurde 2024 von Biologen und Fachdidaktikern der Universität Bonn entwickelt. Nach bestandener Prüfung gibt es eine Urkunde und einen Aufnäher.
In den Kursen wird gesucht, verglichen und bestimmt: Pflanzen, Insekten, Spinnen – manchmal winzig klein, manchmal erstaunlich flink. Zum Einsatz kommen unter anderem Becherlupen, Pinzetten und Bestimmungsbücher. Die Kinder lernen, Lebewesen genau zu beobachten, kleine wirbellose Tiere kurzzeitig zu fangen und ihre Beobachtungen zu dokumentieren. Das Angebot ist bewusst niedrigschwellig; grundsätzlich sollen alle Kinder bestehen.
Mit Lupe, Federstahlpinzette und viel Geduld
In einem VHS-Ferienkurs im Naturschaugarten des Tierparks Weeze suchten die Kinder möglichst viele Pflanzen und Insekten. Ein Ziel: mindestens eine Art entdecken, die sie bisher noch nicht kannten. Begleitet wurden sie von der Ökologin und Artenschutz-Gutachterin Melanie Van de Flierdt. Nebenbei erfuhren sie, dass Kräuter wie Schafgarbe früher als Heilpflanzen genutzt wurden. Die Eiche wurde als besonders wichtiger heimischer Baum vorgestellt, weil sie Lebensraum für Hunderte Insektenarten bietet.
Zum Zertifikat gehören Kenntnisse über beispielhafte heimische Tiere, Pflanzen und Pilze, geeignete Fangtechniken, der Einsatz von Lupe und Federstahlpinzette sowie verschiedene Bestimmungshilfen. Entscheidend ist dabei der vorsichtige Umgang mit den Funden: Tiere sollen nach kurzer Beobachtung behutsam an ihrem Fundort freigelassen werden. Pflanzen und Tiere dürfen weder verletzt noch geschädigt werden.
Erstmals verliehen wurde das Artenkenntniszertifikat am 26. Mai 2024, am Tag der Artenvielfalt in den Botanischen Gärten Bonn. Vierzehn Kinder im Alter von 5 bis 13 Jahren erhielten es. Am Stand der Fachdidaktik Biologie sammelten und bestimmten sie verschiedene Tiere; zwei Biologie-Lehramtsstudierende halfen unter anderem bei kleinen Spinnen und Fliegen. Das „Heupferdchen“ trägt seinen Namen nach dem Grünen Heupferd (Tettigonia viridissima), einer häufigen und großen Heuschreckenart Mitteleuropas.
Ein „Beipackzettel“ gehört ebenfalls dazu. Er nennt geeignete Beobachtungsorte in der Umgebung – Wiesen, Bäche und Wälder –, enthält konkrete Erkundungsaufträge und gibt Hinweise auf naturinteressierte Jugendliche im Bonner Raum. Dazu kommen Anregungen für passende Beobachtungs- und Bestimmungsausrüstung. Das Bonner Biodiversitätsmobil, kurz BoBi, ist regelmäßig am Tag der Artenvielfalt vertreten.
Von der Kita bis zum Verein
Anbieten können das Zertifikat Schulen, Kitas, Vereine, Umweltbildungseinrichtungen und Privatpersonen. Voraussetzung ist, dass sie sich am didaktischen Konzept der Entwickler orientieren. Für Kinder und Jugendliche mit fortgeschrittenen Kenntnissen gibt es zwei weitere Erweiterungsstufen. Informationen stehen unter heupferdchen-zertifikat.de und www.heupferdchen.uni-bonn.de.
Der größere Rahmen heißt Biodiversität. Gemeint sind die Vielfalt der Arten, die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und die Vielfalt der Lebensräume und Ökosysteme. Frühe Bildung soll Kindern vermitteln, dass Lebewesen voneinander abhängig sind und natürliche Ressourcen sorgsam genutzt werden sollten. Der Deutsche Bildungsserver gibt dazu einen Überblick über Biodiversitätsbildung im Elementar- und Primarbereich und sammelt Anregungen für Natur- und Umweltbildung.
Für pädagogische Fachkräfte gibt es etwa den YouTube-Naturschutzkanal „Mache mit! Natur verstehen und schützen“ der Gesellschaft für Umweltbildung Baden-Württemberg e. V. Dort finden sich Projektideen für Kitas und Schulen zu Bildung für nachhaltige Entwicklung, Naturschutz und Ökologie. Ziel sind gemeinsame Naturschutzprojekte mit Kindern; jeden Freitag erscheint ein neuer Naturschutzfilm.
Auch kosmos b, ehemals BildungsCent e. V., stellt Materialien zu Klimawandel und biologischer Vielfalt für verschiedene Altersgruppen und Bildungsorte bereit. Die Angebote lassen sich nach Themen filtern. Die Handreichung „Naturdetektive entdecken die biologische Vielfalt“ bringt Hintergrundinformationen, Aktionsideen für Erziehende und Gruppenleitende, Nachhaltigkeit sowie Link- und Büchertipps zusammen.
Material für den Unterricht
Das Unterrichtsmaterial „Arten und ihre Lebensräume“ richtet sich an die Grundschule sowie an Kindergruppen und Horte. Ein vor- und nachbereiteter Besuch eines Zoos oder naturkundlichen Museums soll die Bedeutung von Lebensräumen verdeutlichen. Vorgesehen sind Arbeitsblatt, Lernmaterial, Unterrichtsplanung sowie eine Projekt- oder Projektidee für die Altersgruppe von 6 bis 9 Jahren.
Ähnlich praktisch ist das Material „Biologische Vielfalt“: Betrachtungen der eigenen Umwelt sollen das Verständnis für die Vielfalt der Natur fördern. Auch hier gibt es Arbeitsblatt, Lernmaterial, Unterrichtsplanung und eine Projekt- oder Projektidee, ebenfalls für Kinder von 6 bis 9 Jahren.
Für die Primarstufe ist außerdem „Biologische Vielfalt – Gefährdungen und Schutz“ gedacht. Das Material unterstützt Analysekompetenz, Bewertungskompetenz und Handlungskompetenz. Es thematisiert die aktive Mitgestaltung einer ökologisch verträglichen, wirtschaftlich leistungsfähigen und sozial gerechten Gesellschaft und sensibilisiert für Aspekte nachhaltiger Entwicklung. Die zugrunde liegende Informationsseite wurde zuletzt am 18. Februar 2026 aktualisiert.
