An der Universität Bonn zeigt eine neue Studie, wie schwer Europa bei digitalen Schlüsseltechnologien den eigenen Weg findet. Untersucht wurde die Abhängigkeit von mehr als 50 Industrie- und Schwellenländern – mit einem eigens entwickelten Index. Im Mittelpunkt standen Hardware, Software, Plattformen und Patente.

Zwischen 2010 und 2023 nahm Europas digitale Abhängigkeit vom Ausland leicht zu. Besonders deutlich fällt der Befund bei Plattformen und Patenten aus: Hier ist Europa laut Studie nahezu vollständig auf Drittstaaten angewiesen. China und die USA verbesserten ihre Position dagegen deutlich. Die Vereinigten Staaten erreichen im Index die größte Unabhängigkeit, Deutschland liegt im internationalen Vergleich im Mittelfeld.

Ein Index, vier Baustellen

Der Blick auf die einzelnen Bereiche macht die Lage etwas greifbarer. Hardware und Software sind nur ein Teil des Problems; bei Plattformen und geistigem Eigentum, also Patenten, sitzt Europa besonders häufig am kürzeren Hebel. Das betrifft nicht bloß Forschungslabore. Plattformen prägen den Alltag, Patente entscheiden über Technologien, Märkte und die Frage, wer am Ende die Spielregeln mitbestimmt.

Die Untersuchung stammt von der Universität Bonn und dem Vodafone-Institut. Dabei lohnt ein Blick auf den Absender: Das Vodafone-Institut für Gesellschaft und Kommunikation wird vom Vodafone-Konzern finanziert. Vodafone Deutschland selbst ist ein Kommunikationskonzern mit Sitz in Düsseldorf und bietet Internet, Mobilfunk, Festnetz und Fernsehen an. Vernetzt werden Privatpersonen, Unternehmen, Maschinen sowie öffentliche und gesellschaftliche Einrichtungen.

Fast 29 Millionen Mobilfunkkunden, etwa 10 Millionen Breitbandkunden und rund 9 Millionen TV-Kunden zählt Vodafone Deutschland. Dazu kommen mehr als 13.000 Mitarbeitende und ein jährlicher Gesamtumsatz von etwa 12 Milliarden Euro. Das Unternehmen arbeitet mit Start-ups, Mittelständlern und DAX-Konzernen zusammen, erreicht bundesweit 31,5 Millionen Haushalte mit Gigabit-Geschwindigkeit und plant gemeinsam mit OXG in den kommenden Jahren bis zu sieben Millionen neue FTTH-Glasfaseranschlüsse.

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Das 5G-Netz erreicht mehr als 94 Prozent der Bevölkerung Deutschlands. Das Narrowband-IoT-Netz für Industrie und Wirtschaft deckt mehr als 97 Prozent der deutschen Fläche ab. Vodafone Deutschland erzielt rund 30 Prozent des Gesamtumsatzes der Vodafone-Gruppe und ist deren größte Landesgesellschaft. Weltweit kommt die Gruppe auf etwa 370 Millionen Mobilfunk- und Festnetzkunden und verfügt über eine große IoT-Plattform.

Vom Unternehmensnetz zur europäischen Souveränität

In Brüssel heißt das Schlagwort Tech-Souveränität. Gemeint ist Europas Fähigkeit, in der digitalen Welt unabhängig zu handeln, Schlüsseltechnologien, Daten und Infrastrukturen selbst zu entwickeln und zu kontrollieren und Abhängigkeiten von Drittstaaten zu verringern. Die Europäische Kommission verabschiedete am 3. Juni 2026 ein Maßnahmenpaket zur Stärkung der digitalen Autonomie der EU.

Enthalten sind die Legislativvorschläge Chips Act 2.0 und Cloud and AI Development Act, kurz CADA, außerdem die Open-Source-Strategie der EU sowie ein strategischer Fahrplan für Digitalisierung und KI im Energiebereich. Der Druck ist erheblich: Bei mehr als 80 Prozent der wichtigsten digitalen Produkte, Dienstleistungen, Infrastrukturen und geistigen Eigentums ist die EU derzeit von Drittstaaten abhängig.

Weniger Abhängigkeit soll Europas Wirtschaftskraft, Sicherheit und langfristige Wettbewerbsfähigkeit stärken. Zugleich geht es um Wettbewerbsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit und Sicherheit, um strategische Autonomie bei digitalen Schlüsseltechnologien, offene und faire digitale Märkte sowie den Schutz von Bürgerrechten und demokratischen Prozessen im Internet. Innovation und langfristige technologische Führungsfähigkeit gehören ebenfalls auf die Liste – kein kleiner Zettel.

Der Aktionsplan für den KI-Kontinent konzentriert sich auf Recheninfrastruktur, Daten, Kompetenzen, die Einführung von KI und Vereinfachung. Die KI-Strategie „Anwenden“ soll die Wettbewerbsfähigkeit strategischer Sektoren erhöhen und die Technologiesouveränität stärken. Das vorgeschlagene Cloud- und KI-Entwicklungsgesetz CADA soll diese Strategie und den Aktionsplan ergänzen.

Eine praktische Rolle spielen KI-Fabriken. Sie nutzen Europas Hochleistungsrechner und sollen Forschern, Start-ups sowie kleinen und mittleren Unternehmen Zugang zu Recheninfrastruktur und Daten für die Entwicklung von KI-Modellen ermöglichen. Das KI-Gesetz schafft dafür einen Rechtsrahmen für innovative und vertrauenswürdige KI und soll Europas führende Rolle bei vertrauenswürdiger KI unterstützen. Die Digitale Dekade wiederum setzt EU-Ziele für 2030 bei digitaler Infrastruktur, Kompetenzen, Unternehmensdigitalisierung und öffentlichen Diensten.

Chips, Glasfaser, Daten – und ein bisschen Ordnung

Das Europäische Chip-Gesetz und Chip-Gesetz 2.0 sollen Forschung, Design und Fertigung unterstützen, das europäische Halbleiter-Ökosystem stärken, Lieferketten widerstandsfähiger machen und strategische Abhängigkeiten verringern. Die Quantum-Europa-Strategie zielt auf Forschung, Innovation, industrielle Nutzung und ein wettbewerbsfähiges Quantenökosystem.

Mit dem Gesetz über digitale Netze, dem DNA, sollen die EU-Konnektivitätsregeln modernisiert und vereinfacht werden. Zugleich soll es Investitionen in Glasfaser-, 5G- und künftige Hochleistungsnetze unterstützen. Das passt zu den Ausbauplänen in Deutschland, ersetzt aber keine eigenen europäischen Plattformen oder Patente.

Die Strategie für die Datenunion soll den Zugang zu hochwertigen Daten verbessern, deren Verfügbarkeit für KI erhöhen und eine stärker integrierte europäische Datenwirtschaft fördern. Das Datengesetz harmonisiert Regeln für Zugang und Nutzung von Daten. Es soll einen fairen Datenaustausch ermöglichen und Nutzern sowie Unternehmen Vorteile aus Daten verschaffen, die durch vernetzte Produkte und Dienste entstehen.

Auch Open Source bekommt einen breiten Anstrich: Die Open-Source-Strategie der EU verfolgt einen Lebenszyklusansatz von Forschung und Entwicklung bis zur Markteinführung. Der EU-Katalog für Open-Source-Lösungen bietet öffentlichen Verwaltungen eine zentrale Plattform zum Auffinden, Teilen und Wiederverwenden von Open-Source-Software.

Die EU-Startup- und Scaleup-Strategie soll den Zugang zu Finanzmitteln verbessern, regulatorische Hindernisse abbauen und Wachstum sowie grenzüberschreitende Skalierung im Binnenmarkt erleichtern. Der Digitale Omnibus soll digitale EU-Vorschriften vereinfachen und straffen, den Verwaltungsaufwand reduzieren und die Kohärenz der Rechtsvorschriften verbessern.

Regeln für Plattformen und Sicherheit

Das Gesetz über digitale Dienste verpflichtet Online-Plattformen zu mehr Transparenz, stärkerem Nutzerschutz und Maßnahmen gegen illegale und schädliche Inhalte. Das Gesetz über digitale Märkte, der DMA, richtet sich an große digitale Plattformen, die sogenannten „Torwächter“. Es soll fairen Wettbewerb sichern, unlautere Praktiken verhindern und digitale Märkte besser anfechtbar machen.

Beim Cyberresilienzgesetz, CRA, geht es um verbindliche Cybersicherheitsanforderungen für Produkte mit digitalen Elementen – und zwar über den gesamten Produktlebenszyklus. Die Toolbox für die IKT-Lieferkettensicherheit bietet einen koordinierten EU-Ansatz, um Cybersicherheitsrisiken in IKT-Lieferketten zu ermitteln, zu bewerten und zu verringern. Mitgliedstaaten sollen damit strategische Abhängigkeiten reduzieren und die Sicherheit erhöhen können.

Vodafone verweist daneben auf eigene Nachhaltigkeits- und Kulturziele. Das Unternehmen gibt an, seit 2025 bei den eigenen Emissionen CO₂-neutral zu sein. Dafür seien die eigenen Treibhausgasemissionen gegenüber 2020 um mindestens 90 Prozent reduziert worden; verbleibende Emissionen würden durch verifizierte CO₂-Entfernungszertifikate bilanziell ausgeglichen. Der größte Teil der Emissionsreduzierung stammt laut Vodafone aus der Nutzung erneuerbarer Energien.

Das Treibhausgasinventar wird nach dem GHG-Protokoll erfasst, extern geprüft und im Jahresbericht der Vodafone Group veröffentlicht. Verwendet werden ausschließlich Zertifikate für CO₂-Entfernungen, darunter naturbasierte und technische Projekte. Diese liegen unter anderem in Südafrika und im Vereinigten Königreich und sind nach Standards wie Plan Vivo, Verified Carbon Standard, Climate, Community & Biodiversity Standards oder Global C-Sink verifiziert.

Diversität beschreibt Vodafone als Bestandteil der Unternehmenskultur. Unterstützt werden unter anderem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Netzwerke für Frauen, Väter und LGBT+. Das Unternehmen erklärt, alle Menschen unabhängig von Herkunft, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität, Glauben, Kultur oder Religion zu respektieren.

Am Ende bleibt aus Bonn ein eher unbequemer Befund: Europa baut Netze, formuliert Regeln und legt Programme für