Wer am Oststadtkreisel in Karlsruhe unterwegs ist, sieht seit Kurzem mehr als Verkehr, Häuserfassaden und den üblichen Stadtlärm: An der Wolfartsweierer Straße 3E ist ein großformatiges Fassadengemälde entstanden. Das Mural soll sichtbar machen, wie Karlsruhe seine Energieinfrastruktur für die Zukunft ausbaut.

Zu sehen sind Menschen verschiedener Generationen. Sie reichen farbige Bausteine weiter und setzen sie zu einem gemeinsamen Ganzen zusammen. Ein Bild, das schnell verständlich ist – und trotzdem nicht nach einer trockenen Informationskampagne aussieht. Geschaffen wurde das Kunstwerk vom Karlsruher Street-Art-Künstler DOME.

Bausteine für die Energiewende

DOME verbindet seine charakteristische Bildsprache mit den roten, blauen und gelben Bausteinen der Kampagne „Zukunftsbaustein“. Das Gemälde ist Teil dieser Kampagne und überträgt ihre Idee dauerhaft in den öffentlichen Raum: Aus einzelnen Bausteinen entsteht die Infrastruktur für die künftige Energieversorgung Karlsruhes.

Der Standort an der Fassade eines Wohngebäudes des Mieter- und Bauvereins Karlsruhe wurde gemeinsam mit dem Mieter- und Bauverein sowie der Mieterschaft ausgewählt. Nicht irgendwo am Stadtrand also, sondern mitten im Alltag der Menschen, die dort wohnen, vorbeifahren oder an der Ampel warten.

Laut den Stadtwerken Karlsruhe steht das Motiv dafür, dass eine zukunftsfähige und verlässliche Energieversorgung nur durch das Zusammenspiel von Stadt, Unternehmen und Bürgerschaft entsteht. Das klingt nach großer Aufgabe – und soll nun eben nicht nur in Broschüren stehen, sondern an einer Hauswand zu sehen sein.

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Baustellen als sichtbares Zeichen

Gestartet wurde die Kampagne „Zukunftsbaustein“ im Sommer 2025. Initiatoren sind die Stadt Karlsruhe, die Stadtwerke Karlsruhe GmbH und die Stadtwerke Karlsruhe Netzservice GmbH. Sie begleitet den Ausbau der Energieinfrastruktur im Rahmen des Karlsruher Energieleitplans 2040 und informiert frühzeitig über damit verbundene Baumaßnahmen.

Stadtwerke-Geschäftsführerin Iman El Sonbaty erklärte, der Ausbau werde zunächst vor allem durch Baustellen sichtbar. Das Mural solle zeigen, dass dadurch die Voraussetzungen für eine zuverlässige und lebenswerte Zukunft geschaffen würden. Absperrgitter, aufgerissene Straßen und Umleitungen bekommen damit zumindest eine zweite Lesart – auch wenn sie im Alltag natürlich weiterhin nerven können.

Stephan Bornhöft, Geschäftsführer der Stadtwerke Karlsruhe Netzservice GmbH, sagte, das Stromnetz müsse künftig deutlich mehr leisten und werde deshalb bereits jetzt verstärkt und modernisiert. Die Arbeiten seien im Stadtbild sichtbar und sollten die Grundlage für eine sichere und zuverlässige Versorgung Karlsruhes schaffen.

Wärme und Strom bis 2040

Der Karlsruher Energieleitplan steht in einem größeren klimapolitischen Zusammenhang. Der kommunale Wärmeplan nach dem Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsgesetz Baden-Württemberg unterstützt Gemeinden dabei, die Klimaschutzziele im Wärmebereich zu erreichen. Ziel sind eine klimaneutrale Wärmeversorgung und ein klimaneutraler Gebäudebestand bis 2040.

Dafür beginnt die Stadt mit einer Bestandsanalyse. Ermittelt werden unter anderem der Wärmebedarf, Gebäudetypen und Baualtersklassen sowie die vorhandene Versorgungsstruktur. Eine Potenzialanalyse prüft außerdem, wie sich der Wärmebedarf durch höhere Gebäudeenergieeffizienz senken lässt und welche Möglichkeiten erneuerbare Energien und Abwärme für eine klimaneutrale Versorgung bieten.

Ein Szenario für 2040 soll zeigen, wie sich der Wärmebedarf entwickelt und welche Versorgungsstruktur für eine klimaneutrale Deckung notwendig ist. Darauf aufbauend werden Handlungsstrategien und Maßnahmen entwickelt: Die Energieeffizienz soll steigen, der Wärmeenergiebedarf sinken und der verbleibende Bedarf klimaneutral gedeckt werden. Im Wärmeplan müssen mindestens fünf Maßnahmen benannt werden, mit deren Umsetzung innerhalb der folgenden fünf Jahre begonnen werden soll.

Karlsruhe betrachtet dabei nicht nur die Wärmeversorgung. Der Energieleitplan berücksichtigt entsprechend dem Klimaschutzkonzept 2030 von 2020 auch den Strom. Erwartet werden ein Anstieg der Wärmepumpen und ein weiterer Ausbau der Elektromobilität – und damit ein höherer Bedarf an erneuerbar erzeugtem Strom. Für das Stadtgebiet wird deshalb ebenfalls der Strombedarf ermittelt und untersucht, wie er durch erneuerbare Energien gedeckt werden kann.

Am Oststadtkreisel hängt nun ein Bild davon, wie all diese Einzelteile zusammenpassen sollen: Menschen, Bausteine, Leitungen, Baustellen, Strom und Wärme. Ein ziemlich großes Versprechen auf einer Hauswand in der Wolfartsweierer Straße 3E.