Köln und Ruhrgebiet werden neue Exzellenzstandorte der deutschen Wissenschaft
Am heutigen 3. Oktober 2026 fällt in Bonn eine Entscheidung mit Folgen für die deutsche Hochschullandschaft: Die Universität zu Köln und der Verbund „Ruhr Innovation Lab“ aus Ruhr-Universität Bochum und TU Dortmund sind vom Wissenschaftsrat als neue Exzellenzstandorte ausgewählt worden. Die Nachricht stärkt den Wissenschaftsstandort Nordrhein-Westfalen – und dürfte an den beteiligten Hochschulen für ordentlich Rückenwind sorgen.
Im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern kann die Universität zu Köln künftig bis zu 15 Millionen Euro jährlich erhalten, das Ruhr Innovation Lab bis zu 28 Millionen Euro. Mit dem Exzellenzstatus sollen ausgewählte deutsche Universitäten zu international sichtbaren Forschungseinrichtungen ausgebaut werden. Zugleich steigt ihre wissenschaftliche Reputation. NRW verfügt damit über vier Exzellenzstandorte: die Universität zu Köln, das Ruhr Innovation Lab, die RWTH Aachen und die Universität Bonn. RWTH Aachen und Universität Bonn hatten ihren Status bereits im Frühjahr verteidigt.
Fünf Cluster in Köln, drei im Ruhrgebiet
Voraussetzung für die Bewerbung als Exzellenzuniversität waren Exzellenzcluster – fachübergreifende Forschungsverbünde, die sich mit Zukunftsthemen beschäftigen. Die Universität zu Köln brachte fünf Cluster ein, die Ruhr-Universität Bochum und die TU Dortmund gemeinsam drei. Das Land NRW fördert jedes Exzellenzcluster mit 900.000 Euro.
Für das Ruhrgebiet ist der 2. Oktober 2026 ein wichtiger Einschnitt: Der Wissenschaftsrat gab an diesem Tag bekannt, dass der gemeinsame Antrag „Ruhr Innovation Lab“ für die Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder ausgewählt wurde. Ab 2027 werden RUB und TU Dortmund als Exzellenzverbund gefördert. Eine internationale Jury bewertete den Antrag als wissenschaftlich herausragend und überzeugend – gerade mit Blick auf die geplante Zusammenarbeit.
Unter dem Motto „Zwei Unis, eine Mission“ wollen Bochum und Dortmund einen gemeinsamen Experimentierraum schaffen. Dort sollen gesellschaftlich relevante Ideen entwickelt und erprobt werden, möglichst mit schnell anwendbaren Lösungen für Zukunftsfragen. Zu den genannten Forschungsfeldern gehören Cybersicherheit und neuartige Materialien. Die beiden Universitäten wollen damit zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft beitragen.
In den vergangenen Monaten war der Verbund sichtbar aktiv: Mitte Mai 2026 präsentierten RUB und TU Dortmund ihren gemeinsamen Antrag als Exzellenzverbund. Hinzu kamen ein Netzwerktreffen namens „Future Dialogue“ zu künstlicher Intelligenz und digitaler Souveränität, eine internationale Talentmesse der Universitätsallianz Ruhr mit anschließendem Besuch in Stanford sowie ein Konzept zu Karrierewegen nach der Promotion. Die Rektoren Martin Paul und Manfred Bayer traten mehrfach gemeinsam öffentlich auf. Auch der Podcast „Think. Try. Transform.“ begleitet die Bewerbung.
Paul und Bayer begrüßten die Entscheidung. Bayer sprach vom Aufstieg in die „Champions League der Wissenschaft“. Die Bedeutung der Förderung für die Mitglieder beider Hochschulen soll am 7. Oktober 2026 bei einem digitalen Townhall-Meeting erläutert werden. Als bestehender Exzellenzcluster der RUB wird außerdem RESOLV genannt, der sich unter anderem mit Wasserstoffbrückenbindungen und den Eigenschaften von Wasser befasst.
Köln setzt auf Erneuerung – und bekommt Gegenwind
Die Universität zu Köln tritt mit dem Konzept „Neue Universität – continuous Change. Successful Renewal“ an. Inhaltlich reicht das Spektrum von Pflanzen und ihrer Nutzung in der modernen Landwirtschaft über gesundes Altern bis hin zu Krebs und Alzheimer. Rektor Joybrato Mukherjee bezeichnete die Entscheidung als großen Erfolg für die gesamte Universität und dankte den Beteiligten sowie den Studierenden.
Der Kölner AStA-Vorsitzende Frederick Heinz sieht die Sache allerdings kritischer. Einzelne Bereiche würden stark gefördert, während viele Fachbereiche chronisch unterfinanziert blieben. Außerdem widerspreche der Wettbewerb von Wissenschaftlern um Fördermittel dem Gedanken der Wissenschaft. Der Glanz des neuen Titels, so lässt sich seine Kritik lesen, fällt nicht überall gleich hell auf die Flure.
Die Fördermittel sollen die Hochschulen dauerhaft stärken und den Ausbau internationaler Spitzenforschung auf Grundlage der Cluster finanzieren. Auch die Lehre kann davon profitieren. Exzellenzuniversitäten und -verbünde müssen sich allerdings alle sieben Jahre einer Überprüfung der Fördervoraussetzungen stellen.
Ministerpräsident Hendrik Wüst bezeichnete die Entscheidung als wichtige Nachricht für die Hochschulen und den Wissenschaftsstandort NRW. Wissenschaftsministerin Ina Brandes hob das Ruhr Innovation Lab als Beispiel für erfolgreiche Zusammenarbeit hervor. Die Universität zu Köln mit ihren fünf Clustern bezeichnete sie als eine der forschungsstärksten Hochschulen Deutschlands.
Fünf neue Standorte, 15 Einrichtungen bundesweit
Am selben Tag erhielten auch die Universität Freiburg, die Friedrich-Schiller-Universität Jena und die Rhein-Main-Universitäten aus TU Darmstadt, Goethe-Universität Frankfurt am Main und Johannes Gutenberg-Universität Mainz den Exzellenzstatus. Damit gibt es in Deutschland nun 15 Exzellenzuniversitäten beziehungsweise Exzellenzstandorte. NRW hat ebenso viele wie Baden-Württemberg – mehr gibt es in keinem anderen Bundesland.
Die Exzellenzstrategie umfasst die Förderlinien „Exzellenzcluster“ und „Exzellenzuniversitäten“. Sie ist das wichtigste Bund-Länder-Programm zur Förderung universitärer Spitzenforschung. Bund und Länder beschlossen 2016 die dauerhafte Weiterentwicklung der Exzellenzinitiative, die von 2007 bis 2017 lief. Ziele sind ein international stärkerer und sichtbarer deutscher Wissenschaftsstandort, wissenschaftliche Spitzenleistungen, schärfere Universitätsprofile sowie mehr Vernetzung und Kooperation.
Das Programm verbindet Spitzenforschung mit langfristigen strategischen Investitionen in Hochschulen. Eine Evaluation der bestehenden Exzellenzuniversitäten im März 2026 stellte eine höhere internationale Sichtbarkeit in der Spitzenforschung fest, außerdem Fortschritte bei angewandter Forschung und Wissenstransfer sowie Weiterentwicklungen bei Personal, Lehre, Gleichstellung und Vielfalt. Die Förderung soll darüber hinaus Impulse für andere Hochschulen geben.
Wie das Verfahren funktioniert
Exzellenzcluster fördern international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an Universitäten oder Universitätsverbünden. Mehrere wissenschaftliche Bereiche können dabei zusammenarbeiten. Geförderte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen gemeinsam in innovativen Feldern, bilden wissenschaftlichen Nachwuchs aus und werben internationale Spitzenkräfte an. Universitäten mit Exzellenzclustern können außerdem eine Universitätspauschale zur Stärkung ihrer Organisation und strategischen Ausrichtung beantragen.
Cluster werden zunächst sieben Jahre gefördert; eine zweite Förderperiode von weiteren sieben Jahren ist möglich. Die Förderlinie wird alle sieben Jahre ausgeschrieben. Für eine Bewerbung als Exzellenzuniversität müssen Universitäten an mindestens zwei Exzellenzclustern beteiligt sein, Universitätsverbünde an mindestens drei.
Die Förderlinie für Exzellenzuniversitäten stärkt Universitäten oder Verbünde als Institutionen und unterstützt ihre internationale Spitzenstellung in der Forschung. Exzellenzuniversitäten werden dauerhaft gefördert, müssen aber alle sieben Jahre evaluiert werden und die Fördervoraussetzungen weiterhin erfüllen.
Die wissenschaftlichen Auswahlverfahren führen Deutsche Forschungsgemeinschaft und Wissenschaftsrat im Auftrag von Bund und Ländern durch. Die DFG ist für Exzellenzcluster zuständig, der Wissenschaftsrat für Exzellenzuniversitäten. Am 2. Oktober 2026 beschloss die Exzellenzkommission die Förderung von fünf weiteren Exzellenzstandorten. Sie ergänzen zehn bestehende Exzellenzuniversitäten, die im Frühjahr 2026 positiv evaluiert wurden.
Die Auswahl erfolgt wissenschaftsgeleitet, entscheidend ist die wissenschaftliche Qualität. International anerkannte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bewerten Anträge und Selbstberichte. Die Exzellenzkommission trifft die Förderentscheidungen; ihr gehören 39 Expertinnen und Experten aus allen Wissenschaftsbereichen sowie die zuständigen Bundes- und Landesministerinnen und -minister an. Die Wissenschaft hat darin die Stimmenmehrheit.
Die Strategie steht Vorhaben aller Disziplinen offen. Auch wissenschaftsbereichsübergreifende Cluster sind möglich. Das Expertengremium verfügt über inter- und transdisziplinäre Expertise, und die besonderen Anforderungen interdisziplinärer Anträge werden im Begutachtungsverfahren berücksichtigt. In beiden Förderlinien wird ausschließlich nach wissenschaftlichen Kriterien gefördert.
Milliardenprogramm mit festem Fahrplan
Am 22. Mai 2025 beschloss die Exzellenzkommission die Förderung von 70 Exzellenzclustern ab 2026. Ab 1. Januar 2027 stellen Bund und Länder jährlich 747 Millionen Euro bereit: 539 Millionen Euro für Exzellenzcluster und 208 Millionen Euro für Exzellenzuniversitäten und -verbünde. Der Bund übernimmt 75 Prozent, das jeweilige Sitzland 25 Prozent.
Der Zeitplan der zweiten Förderphase
