Die Universität Freiburg kehrt ab 2027 in die Gruppe der deutschen Exzellenzuniversitäten zurück. Das ist heute, am 3. Oktober 2026, auch für die Universität Konstanz eine wichtige Nachricht: Die baden-württembergische Hochschule verliert ihre Förderung 2027, weil sie die Voraussetzungen nicht mehr erfüllt.

Freiburg setzte sich mit vier weiteren Universitäten und Hochschulverbünden gegen insgesamt elf Bewerbungen durch. Neben Freiburg wurden die Universitäten Jena und Köln sowie die Verbünde Rhein-Main-Universitäten und Ruhr-Innovation-Lab ausgewählt. Ab 2027 gibt es damit insgesamt 15 geförderte Exzellenzuniversitäten und -verbünde.

Rückkehr nach mehreren Anläufen

Freiburg gehörte bereits von 2007 bis 2012 zu den Exzellenzuniversitäten. Ein erster Versuch zur Rückkehr im Jahr 2019 blieb erfolglos. Der neue, erfolgreiche Antrag trägt den Titel „The Future Research University: Sparking Change That Matters“ und ist mit der Zukunftsagenda „UFR 2040“ verknüpft.

Rektorin Kerstin Krieglstein bezeichnete die Auszeichnung als Gemeinschaftsleistung und zeigte sich erfreut über den zurückgewonnenen Status. Die Universität will ihn nutzen, um Spitzenforscher zu gewinnen und ihre Position im internationalen Wissenschaftswettbewerb zu stärken.

Die Grundlage der Bewerbung bildeten zwei Exzellenzcluster, die von 2026 bis 2032 gefördert werden. „CIBSS“ erforscht die Kommunikation zwischen Zellen, unter anderem mit dem Ziel, neue Behandlungsmöglichkeiten gegen Krebs und Infektionskrankheiten zu entwickeln. „Future Forests“ untersucht, wie Wälder dem globalen Wandel standhalten können.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Der Weg zur Bewerbung war genau festgelegt. Am 22. Mai 2025 gab der Wissenschaftsrat die Förderentscheidungen für die Exzellenzcluster bekannt. Freiburg erhielt zwei Zusagen: für den bestehenden Exzellenzcluster CIBSS und für den neu eingereichten Cluster „Future Forests“. Damit war die Universität für die Förderlinie Exzellenzuniversität antragsberechtigt.

Es folgten die Absichtserklärung zur Teilnahme am 27. Juni 2025, der Selbstbericht am 1. August 2025 und der Antrag für die Förderlinie Exzellenzuniversität am 12. November 2025. Anfang Juni 2026 empfing die Universität schließlich ein internationales Gutachtendenteam zu einem Ortsbesuch. Für den Wissenschaftsrat ist dieser Besuch ein zentrales Instrument zur Einzelevaluation: Internationale Gutachtende tauschen sich direkt mit der Universität aus und prüfen Konzepte, Leistungen und Strukturen vor Ort.

„Sparks“ für Forschung, Lehre und Transfer

Im Juni präsentierte Freiburg bei verschiedenen Campus-Touren die Inhalte des Antrags. Im Mittelpunkt standen die an der Universität tätigen und studierenden Menschen – und ihr Beitrag zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen. In die Vorbereitung und Durchführung waren zahlreiche Mitglieder der Universität eingebunden. Dazu kamen Partnerinnen aus dem regionalen Transferökosystem, den europäischen Verbünden EUCOR, EPICUR und LERU sowie aus globalen Partnerschaften. Viele von ihnen hatten Austausch, Vorbereitungen und Antragstellung bereits begleitet und ihre Teilnahme am Ortsbesuch zugesagt.

Der Antrag will das Selbstverständnis der Universität im 21. Jahrhundert neu denken und wissenschaftliche Erkenntnis mit gesellschaftlicher Verantwortung verbinden. Beiträge zu Entwicklungen und Problemlösungen soll Freiburg beim Klimawandel, bei der Entwicklung medizinischer Therapien sowie bei kulturellen und digitalen Transformationen leisten.

Vorgesehen sind interdisziplinäre Forschung, eine Lehre mit Schwerpunkt auf kritischem Denken und Selbstreflexion sowie Wissenstransfer über den Campus hinaus. Gezielte Maßnahmen, sogenannte „Sparks“, sollen Veränderungen in allen Bereichen der Universität anstoßen. Sie sollen Strukturen stärken – aber auch eine Universitätskultur, die von Vertrauen und Zugehörigkeit geprägt ist. Das klingt nach Strategiepapier, betrifft im Alltag aber ziemlich konkrete Fragen: Wie arbeiten Menschen über Fächergrenzen hinweg? Wer bekommt Raum für neue Ideen? Und wie kommt Wissen aus dem Seminarraum weiter?

„UFR 2040“ bildet dafür den strategischen Rahmen. Die Zukunftsagenda umfasst Forschung, Lehre, Transfer, Universitätskultur und Governance. Mitglieder der Universität waren während des gesamten Prozesses beteiligt: in universitätsweiten thematischen Arbeitskreisen etwa zu Forschung, Governance und Transfer, bei der Erarbeitung von Skizzen und Anträgen für Exzellenzcluster, in Fokusgruppen zur Entwicklung von Maßnahmenvorschlägen, bei Feedbackrunden mit verschiedenen Universitätsgruppen sowie bei der Vorbereitung des Ortsbesuchs und in unterschiedlichen Beteiligungsformaten.

Geld, Kontrolle und ein Platz an der Spitze

Mit dem Status sind zusätzliche Fördermittel verbunden. Für einzelne Universitäten sind jährlich 10 bis 15 Millionen Euro vorgesehen, die Förderung beginnt am 1. Januar 2027. Grundsätzlich ist sie unbefristet, nach sieben Jahren wird sie jedoch wissenschaftlich überprüft. Voraussetzung für eine weitere Förderung sind mindestens zwei Exzellenzcluster und positive Ergebnisse bei regelmäßigen Evaluationen.

Für Freiburg würde der Status außerdem zusätzliche langfristige finanzielle Förderung bedeuten, den Ausbau international sichtbarer Forschungsprofile, Exzellenzcluster und Forschungsstrukturen sowie mehr internationale Reputation und größere Attraktivität für Wissenschaftlerinnen, Talente und Kooperationspartner*innen. Hinzu kommen mehr Spielraum für interdisziplinäre Projekte und neue Karriere- und Fördermodelle. Auch Studium, Lehre und Transfer könnten profitieren – etwa durch forschungsnahe Lehre, bessere Infrastruktur und stärkere Verbindungen zu Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Qualitätssicherung und strategische Weiterentwicklung gehören ebenfalls dazu.

Baden-Württemberg verfügt mit Freiburg weiterhin über vier geförderte Einzeluniversitäten: die Universität Freiburg, die Universität Heidelberg, die Universität Tübingen und das Karlsruher Institut für Technologie. Das Land teilt sich damit den Spitzenplatz bei der Zahl der Exzellenzstandorte mit Nordrhein-Westfalen. Für Konstanz ist die Nachricht trotzdem ein Einschnitt.

Ein Wettbewerb mit zwei Förderlinien

Der Exzellenzwettbewerb besteht aus zwei aufeinander aufbauenden Förderlinien: Exzellenzcluster und Exzellenzuniversität. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft führt die Förderlinie Exzellenzcluster durch. Der Wissenschaftsrat ist für die Förderlinie Exzellenzuniversitäten zuständig. Seit Januar 2026 werden 40 Exzellenzcluster an 43 deutschen Universitäten gefördert. Seit 2019 erhalten zehn Universitäten und ein Universitätsverbund die Förderung als Exzellenzstandorte.

Die Förderlinie „Exzellenzuniversitäten“ umfasst die Evaluation der bisherigen Exzellenzuniversitäten und des Exzellenzverbunds sowie ein Neuausschreibungsverfahren für neue Bewerber. Die ausgewählten Universitäten und Universitätsverbünde werden künftig institutionell gefördert.

Am 2. Oktober 2026 wurden im Rahmen der Exzellenzstrategie neue Exzellenzstandorte ausgewählt. Das Programm soll wissenschaftliche Spitzenleistungen fördern, Profilbildungen und Kooperationen unterstützen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands stärken. Gleichzeitig geht es nicht nur um einzelne Forschungsspitzen, sondern um die Qualität des Hochschul- und Wissenschaftssystems insgesamt.

Die Förderung beider Linien beträgt derzeit jährlich 533 Millionen Euro. Ab 2026 steigt das Gesamtbudget auf 687 Millionen Euro pro Jahr. Gestaltet wird das Förderprogramm vom Committee of Experts, das von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz eingesetzt wurde. Ihm gehören 39 wissenschaftlich ausgewiesene Personen mit Erfahrungen unter anderem in Forschung, Ausland, Hochschulmanagement, Lehre oder Wirtschaft an.

Über die Förderanträge entscheidet die Exzellenzkommission. Ihr gehören das Committee of Experts sowie die für Wissenschaft zuständigen Bundes- und Landesministerinnen und -minister an. Der Wissenschaftsrat nennt in den vorliegenden Angaben keine Namen der am 2. Oktober 2026 neu ausgewählten Universitäten oder Universitätsverbünde.

Für Freiburg ist die Sache derweil ziemlich greifbar: zwei Cluster, eine neue Förderperiode und ein großer Plan bis 2040. Für die Universität Konstanz bleibt der Blick auf den Campus heute ein anderer.