Löbaus Jugendliche entwerfen eine Mondbasis mit 3D-Druck und Künstlicher Intelligenz
In Löbau haben Jugendliche ihre eigene Mondbasis entworfen. Eine Woche lang entwickelten Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen 15 und 22 Jahren Konzepte, bauten praktische Modelle und probierten aus, wie sich Leben und Arbeiten auf dem Mond denken lässt. Heute, am 16. Oktober 2026, endet die „Moonbase Challenge Löbau 2026“.
Organisiert wurde das Projekt vom Verein „Löbau lebt!“ gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Astrophysik (DZA). Das DZA förderte die Challenge mit 5.000 Euro. Sie ist eines von zwölf Projekten eines DZA-Ideenwettbewerbs. Das viertägige Feriencamp vom 13. bis 16. Oktober 2026 richtete sich laut Ausschreibung an Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 21 Jahren; teilnehmen konnten sie kostenlos, Verpflegung und bei Bedarf auch Übernachtung waren inbegriffen.
Zwischen Mondstaub, 3D-Druck und KI
In Löbau experimentierten die Jugendlichen, entwickelten Ideen und erkundeten Physik praktisch. Auf dem Programm standen Raumfahrt und Mondforschung, 3D-Druck, Künstliche Intelligenz sowie mögliche Lebens- und Arbeitsbedingungen auf dem Mond. Gemeinsam entwarfen sie eine Vision für eine sächsische Mondbasis. Am Ende sollten Modelle und Videos zeigen, wie der Alltag dort aussehen könnte. Vorkenntnisse waren nicht nötig – Neugier und Lust am Ausprobieren reichten.
Die 15-jährige Pauline machte mit, weil sie sich im Unterricht mehr über den Mond und den Weltraum wünscht. Drei Studierende der TU Dresden begleiteten die Jugendlichen. Eine von ihnen war die 23-jährige Julia, die aus der Region stammt. Sie wollte den kreativen Prozess unterstützen und zugleich als Physikerin ein weibliches Vorbild sein. Mit dem Aufbau des DZA verbindet sie die Hoffnung, später in der Lausitz arbeiten und vielleicht in die Region zurückkehren zu können.
Auch Max Hilse vom organisierenden Verein „Löbau hilft!“ sieht im DZA neue berufliche Perspektiven für Menschen aus der Region, besonders für Physikstudierende. Die Einrichtung entsteht derzeit in Görlitz. Sie soll wissenschaftliche Spitzenforschung in die Lausitz bringen und Nachwuchs für MINT-Fächer gewinnen – genau dort also, wo viele junge Leute sonst für Studium und Beruf wegziehen.
Ein Mond mit mehr als 300 Grad Temperaturunterschied
DZA-Wissenschaftsgeschäftsführer Günther Hasinger hielt ein Impulsreferat. Bei einer praktischen Mondmission zeigte er sich skeptisch: Unter anderem schwanken die Temperaturen auf dem Mond um mehr als 300 Grad. Das klingt nach einer ziemlich ungemütlichen Baustelle. Die Moonbase-Challenge begrüßte Hasinger trotzdem als Beispiel dafür, wie Forschung durch Neugier und ungewöhnliche Fragen beginnen kann.
Das DZA setzt auf eine neue Generation von Ingenieuren, Physikern und Naturwissenschaftlern, die künftige Herausforderungen bewältigen soll. Bei der Abschlusspräsentation am Freitagabend wurden 3D-Modelle und KI-Videos gezeigt. Anschließend sollten die Ergebnisse online veröffentlicht werden. Außerdem wurde ESA-Astronaut Thomas Reiter per Video zugeschaltet. Zum Schluss spielte ein DJ aus Zittau eigens zusammengestellte Space-Sounds – Mondbasis trifft also auf Clubabend, irgendwie konsequent.
Informationen und Anmeldung zur „Moonbase Challenge Löbau 2026“ gibt es unter loebaulebt.de/moonbase/.
Was solche Ideen mit Hochschulen zu tun haben
Wie aus einer Modellidee später Raumfahrttechnik werden kann, zeigt der Blick nach Stuttgart. Die Universität Stuttgart bündelt interdisziplinäre Forschung zur Luft- und Raumfahrt und entwickelt Schlüsseltechnologien für Anwendungen im All und auf der Erde. Zu den Forschungsgebieten gehören Klima- und Energieforschung, Kommunikationstechnologie, Antriebstechnik und KI-basiertes Fliegen.
Ein Schwerpunkt liegt auf nachhaltigen Technologien, die die ökologischen Auswirkungen von Luft- und Raumfahrt verringern sollen. Geforscht wird fächerübergreifend und gemeinsam mit regionalen sowie internationalen Partnern aus Wissenschaft und Industrie. Beispiele sind die Sonderforschungsbereiche ATLAS (SFB 1667) und SynTrac (SFB-TRR 364).
Als Partner von THE Aerospace LÄND unterstützt die Universität Stuttgart die baden-württembergische Strategie, die Luft- und Raumfahrt bis 2050 nachhaltig, digital und kooperativ auszurichten. Studierende erhalten dort eine ingenieurwissenschaftliche und anwendungsorientierte Ausbildung. In der Nachwuchsförderung arbeitet die Universität mit der „Zukunftsoffensive Luft- und Raumfahrt-Nachwuchs“ des Landes Baden-Württemberg zusammen.
Die Zukunftsoffensive soll junge Menschen im MINT-Bereich gezielt fördern, das Interesse an Natur- und Ingenieurwissenschaften stärken und insbesondere für Luft- und Raumfahrt sowie Geodäsie begeistern. Die Initiative ist Teil der Fakultät 6 „Luft- und Raumfahrttechnik und Geodäsie“ der Universität Stuttgart. Gefördert wird sie vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg; zugleich ist sie Teil von THE Aerospace LÄND.
