Am Ettlinger Tor in Karlsruhe ist das Richtfest für den Flachbau des „KARLA Verwaltungs- und Bildungszentrums“ gefeiert worden. Oberpolier Stefan Schütz sprach den traditionellen Richtspruch, darüber hing eine Richtkrone als sichtbares Zeichen für den Baufortschritt.

Landrat Christoph Schnaudigel dankte den Beschäftigten und den beteiligten Firmen. Der Landkreis baut inzwischen seit 1.071 Tagen an dem Projekt. Auf der Baustelle ist damit ein wichtiger Abschnitt geschafft – auch wenn bis zum Einzug noch einiges an Arbeit wartet.

Flachbau zuerst, Hochhaus im Hintergrund

Begonnen wurde mit dem Flachbau, während der alte Hochhaustrakt noch stand. Später wurde dieser abgebrochen. Nun wird das neue Hochhaus Schritt für Schritt sichtbar, während im Flachbau nach dem Richtfest der Innenausbau beginnt.

Das gesamte Zentrum soll eine Bruttogrundfläche von 64.000 Quadratmetern und eine Nutzfläche von 40.000 Quadratmetern umfassen. Das Investitionsvolumen liegt bei 390 Millionen Euro. Nach Angaben des Landrats ist das Projekt im Zeit- und Kostenplan.

Die geplante Inbetriebnahme ist für den Flachbau im dritten Quartal 2027 vorgesehen, das Hochhaus soll im vierten Quartal 2028 folgen. Bis dahin wird aus Beton, Stahl und Leitungen ein Arbeitsort, der mehrere bislang verteilte Bereiche des Landratsamts Karlsruhe unter einem Dach zusammenführen soll.

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Platz für Verwaltung, Bildung und Betreuung

Rund 1.150 Beschäftigte des Landratsamts sollen künftig in dem Zentrum arbeiten. Vorgesehen sind offene Arbeitsbereiche, ein Betriebsrestaurant, eine multifunktionale Konferenzebene und eine Kindertagesstätte. Der Landkreis ist dabei nicht alleiniger Eigentümer.

Der Gemeindetag Baden-Württemberg errichtet dort seine Verwaltungsschule. Weitere Flächen sollen an die Unfallkasse Baden-Württemberg, die Verwaltungsakademie Baden-Württemberg, das Arbeitsmedizinische Zentrum Karlsruhe, den Badischen Gemeindeversicherungsverband und den Verband Region Karlsruhe vermietet werden. Auch eine Bäckerei ist vorgesehen – für den schnellen Kaffee oder das Weckle zwischendurch.

Neue Gebäude, alte kommunale Baustellen

Der Blick auf das KARLA-Projekt passt zu einer größeren kommunalen Entwicklung. Das KfW-Kommunalpanel 2024 untersucht Verwaltungsgebäude wie Rathäuser und Bürgerämter. Sie sind für Kommunen von hoher Bedeutung, genießen in der kommunalpolitischen Prioritätenliste aber nur eine geringe Bedeutung.

Auf Verwaltungsgebäude entfallen laut KfW 18,8 Milliarden Euro des wahrgenommenen kommunalen Investitionsrückstands – der drittgrößte Anteil. Gleichzeitig wird zusätzlicher Bedarf erwartet: Die Gebäude gelten als zentrale Orte für die Energie- und Wärmewende. In jeder fünften Kommune rechnen Verantwortliche künftig mit einem höheren Büroflächenbedarf.

Wie gut oder schlecht solche Häuser funktionieren, bleibt außerdem nicht bloß eine Frage von Grundrissen und Fassaden. Der Zustand beeinflusst die Motivation der bestehenden Beschäftigten ebenso wie die Gewinnung neuer Mitarbeitender. Die KfW empfiehlt deshalb, Verwaltungsgebäude bei kommunalen Investitionen stärker zu priorisieren und bestehende Investitionshemmnisse gezielt abzubauen.

Am Ettlinger Tor ist der nächste Schritt jedenfalls sichtbar: Die Richtkrone steht, der Innenausbau beginnt, und hinter dem Bauzaun wächst weiter ein Zentrum, in dem Verwaltung, Bildung, Betreuung und mehrere externe Einrichtungen Platz finden sollen.