Roland Bässler zum 100. Geburtstag: Ein Leben für Pathologie und Brustkrebsdiagnostik
Prof. Dr. med. Roland Bässler, langjähriger Direktor des Instituts für Pathologie am Klinikum Fulda, hat am 26. September 2026 seinen 100. Geburtstag gefeiert. Am Dienstagabend kamen dafür Familie, Freunde sowie prominente Gäste aus Medizin, Politik und Gesellschaft im Apollo-Saal des Hotel Maritim in Fulda zusammen.
Durch den Abend führte die Pathologin Dr. Gabriele Köhler. Mit einer Polaroidkamera hielt sie die Feier fest – für ein geplantes Fotobuch, Bild für Bild. Nach den Grußworten blieb Zeit für Gespräche, ein Buffet und Wein.
Ein Lebensweg zwischen Erzgebirge und Fulda
Bässler wurde 1926 in Niederwiesa zwischen Chemnitz und Dresden geboren und stammt aus dem Erzgebirge. 1943 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen, 1945 wurde er verwundet. Nach dem Zweiten Weltkrieg holte er in Jena das Abitur nach und begann dort ein Medizinstudium. Später wechselte er nach Leipzig, legte dort das Staatsexamen ab, promovierte und arbeitete am Pathologischen Institut.
1956 ging Bässler an das Pathologische und Bakteriologische Institut in Hannover, anschließend nach Mainz, wo er habilitierte. 1963 schloss er seine Habilitation mit elektronenmikroskopischen Untersuchungen des Brustgewebes ab. 1970 wurde er zum Professor und wissenschaftlichen Rat ernannt.
1972 kam Bässler als Chefarzt des Instituts für Pathologie an die damaligen Städtischen Kliniken Fulda. Der Start war zunächst eher behelfsmäßig: Die Pathologie arbeitete unter eingeschränkten Bedingungen in einer Baracke des alten Krankenhauses. Erst der Umzug in das neue Krankenhaus verbesserte die Arbeitsbedingungen. Zusätzlich war Bässler als Studienbeauftragter des akademischen Lehrkrankenhauses tätig.
In seiner mehr als 20-jährigen Tätigkeit untersuchte die Pathologie jährlich mehrere tausend Gewebeproben und führte bis zu 300 Sektionen durch. Studenten und Assistenzärzte lernten bei ihm, Krankheiten und krankhafte Veränderungen im Körper zu analysieren. 1993 ging Bässler in den Ruhestand. In Fulda lebt er weiterhin; gemeinsam mit seiner Frau Christa fühlt er sich dort wohl.
Brustkrebsdiagnostik und Senologie
Bässler gilt als renommierter Forscher, als Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Senologie und als Pionier der Brustkrebsdiagnostik. Mit seinen Arbeiten und viel beachteten Büchern über die Pathologie der Brustdrüse prägte er mehrere Generationen von Pathologinnen und Pathologen.
1983 leitete und organisierte er die dritte Tagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie. Im selben Jahr wurde er Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pathologie. Es folgten weitere Auszeichnungen: 1996 wurde Bässler Ehrenmitglied der Internationalen Akademie für Pathologie, 1997 erhielt er den Preis der Deutschen Krebshilfe. Die Rudolf-Virchow-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Pathologie wurde ihm 2001 verliehen, 2005 wurde er Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Senologie.
Auch jenseits von Forschung und Klinik hinterließ Bässler Spuren. Zu seinen Beiträgen am Klinikum zählten die Gründung der Klinikbibliothek und des Fotolabors.
„Was hinter den Dingen steckt“
Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Menzel, Sprecher des Klinikum-Vorstands, würdigte Bässlers Neugier und seine Faszination dafür, „was hinter den Dingen steckt“. Er habe das Institut für Pathologie nicht nur geleitet, sondern maßgeblich geformt. Seine Arbeit lasse sich nicht allein an Publikationen messen, sagte Menzel, sondern vor allem an Bässlers Haltung, seiner Empathie und seinem Verantwortungsbewusstsein. Diese Verbindung aus fachlicher Kompetenz und Menschlichkeit habe ihn auch als Lehrer ausgezeichnet. Das Klinikum profitiere bis heute von den Grundlagen, die Bässler gelegt habe.
Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld bezeichnete Bässler als Vorbild und wichtigen Vertreter seiner Generation. Seine Bedeutung reiche weit über das Klinikum hinaus – nach Fulda und in die gesamte Region.
Aus Kiel wurde eine Videobotschaft zugeschaltet: Prof. Dr. Christoph Röcken, Direktor des Instituts für Pathologie am Universitätsklinikum Kiel und amtierender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pathologie, bezeichnete Bässler als einen der prägendsten Professoren der deutschen Pathologie. Bässlers Standardwerke und Arbeiten zur Mammadiagnostik hätten mehrere Generationen von Pathologinnen und Pathologen geprägt. Röcken übermittelte die Glückwünsche der Deutschen Gesellschaft für Pathologie und dankte Bässler für seine wissenschaftliche Lebensleistung.
Die Botschaft seines früheren Kollegen überraschte und erfreute den Jubilar. Danach wurde weitergeredet, angestoßen und gegessen. Bässler selbst hat auf die Frage nach seinem hohen Alter eine schlichte Antwort: „Normal leben!“ Dazu verweist er auf seine 72 Jahre währende glückliche Ehe mit Christa.
Sein Geburtstag fällt in eine Zeit, in der die Pathologie längst nicht mehr nur als Blick ins Mikroskop verstanden wird, sondern als Grundlage vieler Entscheidungen in der modernen Medizin. Gerade bei Krebserkrankungen entscheidet die präzise Analyse von Gewebe über Diagnose und Therapie. Bässlers beruflicher Weg – von Jena und Leipzig über Hannover und Mainz bis nach Fulda – erzählt deshalb auch ein Stück Wissenschaftsgeschichte der Bundesrepublik.
