Rudi Crois aus Westhausen hat seinen Roman „Die Löwenmenschen-Saga – Mira und das weiße Mammut“ veröffentlicht. Es geht um Drama, Verrat und Begegnungen in den Höhlen der Schwäbischen Alb vor rund 40.000 Jahren – also um eine Zeit, in der sich in der Region nicht nur Menschen, sondern auch Geschichten, Bilder und Musikspuren begegneten.

Der Anstoß kam von den ältesten bekannten Kunstwerken und Musikinstrumenten der Menschheit. Sie wurden etwa 30 Autominuten von Crois’ Wohnort entfernt gefunden. Mit seinem Roman möchte er auf die Schwäbische Alb als frühes kulturelles Zentrum der Menschheitsgeschichte aufmerksam machen. Das klingt zunächst nach großer Vergangenheit, wird bei Crois aber sehr gegenwärtig: Seine Hauptfiguren sind die 16-jährige Mira und ihr Freund Keno.

Recherche zwischen Höhlen, Genen und Mammutelfenbein

Mehr als acht Jahre arbeitete Crois nebenberuflich an dem Buch. Das erste Kapitel schrieb er 2018 während eines beruflichen Aufenthalts in Ciudad Juárez, Mexiko. Für die Recherche wurde er Mitglied im Förderverein Eiszeitkunst Lonetal, besuchte Vorträge, Höhlen und Ausstellungsstätten und beschäftigte sich unter anderem mit der Archäogenetik.

Als wichtige Forschungseinrichtungen und Gesprächspartner nennt er das Max-Planck-Institut in Leipzig sowie die Wissenschaftler Svante Pääbo und Johannes Krause. Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass Menschen außerhalb Afrikas etwa zwei Prozent Neandertaler-Gene besitzen. Begegnungen zwischen Homo sapiens und Neandertalern waren demnach insbesondere in Vorderasien und Südeuropa möglich; in Europa lebten bis vor etwa 25.000 Jahren noch einzelne Neandertalergruppen.

Im Roman erscheinen Neandertaler deshalb nicht als primitive Menschen. Crois verweist darauf, dass ihr Gehirn durchschnittlich größer war und sie Homo sapiens in bestimmten Regionen verdrängten. In der Handlung treffen verschiedene Stämme sowie Homo sapiens und Neandertaler aufeinander. Mira wird wegen ihres Sohnes angefeindet, der laut Roman von „gemischten Geistern“ abstammt. Crois hat sich bewusst für eine junge weibliche Hauptfigur entschieden. Abenteuer soll hier mit Herzschmerz, Tragik, Triumph und kulturellem Erbe zusammengehen.

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Auch eine Australienreise floss in die Arbeit ein. Bei der Hochzeit seiner Tochter im Jahr 2023 recherchierte Crois zur Geschichte der Aborigines und übernahm daraus Namen und Szenen für den Roman. Ein Beispiel ist der Stamm „Wodonga“, benannt nach einem Ort bei Melbourne. Seine Tochter ist nach Australien ausgewandert; im November will Crois sie besuchen.

Die „Wiege der Kunst“ liegt in zwei Albtälern

Die „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ gehören seit 2017 zum UNESCO-Weltkulturerbe in Deutschland. Die Stätte umfasst sechs Höhlen mit den ältesten bekannten Artefakten menschlicher Kunst. Die Fundstellen gelten als eine der frühesten Siedlungsregionen des modernen Menschen in Europa und wurden als „Wiege der Kunst“ bezeichnet.

Die sechs Höhlen liegen in zwei getrennten Gebieten: drei im Achtal im Alb-Donau-Kreis und drei im Lonetal an der Grenze zwischen Alb-Donau-Kreis und Landkreis Heidenheim. Die Schutzbereiche umfassen 462,1 Hektar, die Pufferzonen weitere 1.158,7 Hektar. Zur Stätte gehören nicht nur die Felsräume, sondern auch Topografie und Vegetation der Täler, Kalksteinfelsen, Talböden und angrenzende Hochflächen.

Die UNESCO nahm die Eiszeitkunst als konstitutives Element in die Kulturerbedefinition auf, weil die geologischen Höhlenformationen allein für den Welterbestatus nicht ausgereicht hätten. 2015 wurden die sechs Höhlen auf Vorschlag Baden-Württembergs unter der Bezeichnung „Höhlen der ältesten Eiszeitkunst“ auf die deutsche Vorschlagsliste gesetzt. 2017 beschloss die 41. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees die Aufnahme unter dem Namen „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ – nach Kriterium (iii), als außergewöhnliches Zeugnis der Kultur der ersten modernen Menschen, die sich in Europa niederließen.

Das Aurignacien dauerte etwa von 42.000 bis 31.000 v. Chr. Es war in Mitteleuropa die älteste Kultur des Jungpaläolithikums und fällt in die letzte Kaltzeit, in Süddeutschland Würm-Kaltzeit genannt. Während dieser Epoche breitete sich der anatomisch moderne Mensch, Homo sapiens, in Europa aus; der Neandertaler verschwand. Erstmals entstanden figürliche Darstellungen als Höhlenmalerei und Kleinkunst. Aus dieser Zeit stammen außerdem die ältesten zweifelsfrei als solche erkannten Knochenflöten. Die Kunst des Aurignacien und späterer Epochen der letzten Kaltzeit wird zusammenfassend als Eiszeitkunst bezeichnet.

Stand 2016 waren aus den Höhlen und ihrer Umgebung mehr als 50 figürliche Darstellungen, Fundstücke sowie Überreste von 24 Flöten aus dem Aurignacien bekannt. Viele Figuren und Instrumente wurden aus Mammutelfenbein geschnitzt. Zu den bedeutendsten Funden zählen die etwa 42.000 bis 38.000 Jahre alte Venusfigurine aus dem Hohlen Fels, der ähnlich alte Löwenmensch aus dem Hohlenstein-Stadel, etwa 40.000 Jahre alte Tierfiguren aus der Vogelherdhöhle und etwa 42.000 bis 43.000 Jahre alte Knochenflöten aus dem Geißenklösterle.

Sechs Höhlen, sechs sehr eigene Geschichten

Der Hohle Fels besteht aus einem 15 Meter langen Gang und einer anschließenden Halle. Sie hat rund 500 m² Grundfläche und etwa 6.000 m³ Rauminhalt. Dort wurden die Venusfigurine aus Mammutelfenbein, eine Flöte aus dem Speichenknochen eines Gänsegeiers und eine blattförmig bearbeitete Hornsteinspitze gefunden.

Die Sirgensteinhöhle ist insgesamt 42 Meter lang und bis zu 10 Meter hoch. Ihr hinterer Teil wird durch natürliche Öffnungen in der Decke beleuchtet. Aus ihr stammen etwa 5.000 Silexartefakte, außerdem Geschossspitzen, Pfrieme und Glätter.

Das Geißenklösterle ist eine durch zwei vorspringende Felswände geschützte Halbhöhle, etwa 60 Meter über der Talsohle des Achtals. Zu den Funden gehören ein „Adorant“, ein in eine Elfenbeinplatte graviertes Mensch-Tier-Mischwesen sowie Flöten aus Knochen und Elfenbein.

Im Lonetal liegt die Bocksteinhöhle, eine etwa 15 × 20 Meter große Halle im Felsen, rund 50 Meter über der Talsohle. Gefunden wurde dort ein großes Keilmesser, das sogenannte Bocksteinmesser, aus der Bocksteinschmiede. Der Hohlenstein-Stadel ist eine 50 Meter lange Horizontalhöhle ohne größere Hallen. Der Eingang ist 8 Meter breit und 4 Meter hoch; aus dem Inneren stammt der Löwenmensch aus Mammutelfenbein.

Die Vogelherdhöhle hat drei Eingänge und besteht aus zwei Bereichen. Die Große Vogelherdhöhle ist ein 40 Meter langer, gebogener Gang zwischen zwei 2,5 bis 3,5 Meter hohen Eingängen. Die Kleine Vogelherdhöhle ist am Eingang sehr eng und ebenfalls etwa 40 Meter lang. Der Verbindungsgang zwischen beiden Höhlen ist bis auf einen mehrere Zentimeter hohen Spalt verschüttet. Öffentlich zugänglich ist die Höhle nicht. Geborgen wurden Tierfiguren aus Mammutelfenbein und eine Venusfigurine aus einem Wildschweinzahn.

Die Funde werden vor allem im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren, im Museum Ulm, im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart und im Museum der Universität Tübingen, dem MUT, präsentiert. Mehr als die Hälfte der in diesen vier Museen ausgestellten Originale befindet sich im MUT Alte Kulturen auf Schloss Hohentübingen – also genau hier in Tübingen, wo der heutige Blick auf die Eiszeitkunst leicht zwischen Seminarplan und Cafétasse auftauchen kann.

Was noch unter dem Boden liegt

Geologische Sedimentschichten schützten die archäologisch bedeutenden Schichten bis zu ihrer Ausgrabung. Die Höhlen liegen in den umliegenden natürlichen Felsformationen; seit mehr als 100 Jahren werden die Stätten systematisch archäologisch erforscht, und die Dokumentation wird fortgeführt. Die Ausgrabungen bestätigen die Authentizität. In mehreren Höhlen sind