Asiatische Hornisse: Imker entfernen Nest in 28 Metern Höhe
In Eningen waren speziell ausgebildete und ausgerüstete Bekämpfer der Asiatischen Hornisse im Einsatz. Ihr Ziel: ein großes Nest in 28 Metern Höhe, mitten in einem Baum der Baumschule Rall. Die Vorbereitung auf den Einsatz war dabei ein wichtiger Teil der Bekämpfung – in dieser Höhe ist kein Handgriff nebenbei zu machen.
Am Samstag rückten fünf Männer und eine Frau des Bezirksimkervereins Nürtingen an. Das Nest, ungefähr so groß wie ein Medizinball, war von der Imkerin Gabriela Fletschinger entdeckt worden. Eine Nachbarin, die selbst Bienen hält, hatte zuvor bemerkt, dass ihre Bienenstände von Asiatischen Hornissen angeflogen wurden. Der heiße Sommer hatte viele Nadeln des Nadelbaums abfallen lassen und dadurch den Bau sichtbar gemacht.
Ein Nest, das im Weg war
Der mehr als 30 Meter hohe Baum war bereits abgestorben und sollte eigentlich gefällt werden. Wegen des Hornissennests war das zunächst nicht möglich. In einem solchen Nest können mehrere tausend Tiere leben. Sie fressen Bienen, um den Eiweißbedarf ihrer Brut zu decken.
Frank Watzlawik ist seit 50 Jahren Imker und engagiert sich seit 30 Jahren für den Hornissenschutz. Er kennt den Unterschied zwischen den Arten genau: Heimische Hornissen stehen unter Artenschutz, in ihren Nestern leben jeweils bis zu etwa 800 Tiere. Asiatische Hornissen sind etwas kleiner, haben einen überwiegend schwarzen Körper und gelb-orange Streifen am Hinterleib. Ihre Nester können mehrere hundert Königinnen enthalten; ihre Stiche können beim Menschen stärkere allergische Reaktionen auslösen.
Überwinternde Königinnen bauen im Frühjahr zunächst Primärnester, etwa bis zur Größe eines Handballs. Zu Beginn des Sommers verlassen die Tiere diese Nester und errichten meist hoch oben in Bäumen größere Sekundärnester. Die papierartige Hülle entsteht aus morschem Holz, das die Hornissen zerkauen, mit Speichel vermischen und zu einer Nestwand formen.
Lanze statt Kran
Für die Entfernung kam kein Kran zum Einsatz. Die sechs speziell geschulten Einsatzkräfte arbeiteten mit einer teleskopartigen, fast 30 Meter langen Lanze. Damit wurde die Nesthülle angestochen und ein dünner Schlauch eingeführt. Durch ihn bliesen die Imker Aktivkohle ein, die die Atmung der Hornissen blockieren soll.
Dicke, stichfeste Schutzanzüge gehörten zur Ausrüstung. Die Lanze kostet laut Watzlawik rund 4.000 Euro, auch die Schutzanzüge sind teuer. Finanziert wird die Ausrüstung vom Imkerverein. Eine frühere Landesförderung zahlte 40 Euro für die Beseitigung eines Primärnests und 200 Euro für ein Sekundärnest; diesen Fördertopf gibt es nicht mehr. Die Bekämpfer arbeiten ehrenamtlich.
Beim Durchstechen der Nesthülle verließen zahlreiche Hornissen das Nest. Nach dem Einpumpen der Aktivkohle wurde eine Metallkonstruktion mit Zacken an der Lanze nach oben geführt. Damit zerstörten die Einsatzkräfte das Nest und brachten es zu Boden. Das Positionieren der langen, instabilen Lanze war körperlich anspruchsvoll und gefährlich. Beobachter mussten die Gefahrenzone verlassen, denn auch zu Boden gefallene Hornissen konnten weiterhin stechen.
Aus Südostasien bis nach Süddeutschland
2004 gelangte eine begattete Asiatische-Hornissen-Königin nach Frankreich. 2014 überschritt die Art die deutsche Grenze. Besonders im Rheintal bei Karlsruhe und Mannheim gibt es inzwischen mehrere hundert Nester. In Nürtingen wurde vor zwei Jahren das erste Nest entdeckt. Laut Watzlawik nimmt die Zahl weiter zu.
Natürliche Feinde gibt es kaum. Möglicherweise frisst der seltene Wespenbussard Asiatische Hornissen. Meldepflichtig sind die Nester trotzdem: Meldungen können über die Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim eingereicht werden. Die entsprechende Plattform ist unter bienenkunde.uni-hohenheim.de/vespavelutina erreichbar.
Auch in Bayern breitet sich die Asiatische Hornisse, wissenschaftlich Vespa velutina, aus. Sie bedroht Honigbienen, schwächt Bienenvölker und kann Schäden im Obst- und Weinbau verursachen. Für Imker sind geringere Honigerträge und zusätzliche Belastungen möglich; reife Früchte können ebenfalls beschädigt werden. An Bienenstöcken kann die Hornisse ganze Völker schwächen.
Der Stich gilt für Menschen grundsätzlich als gesundheitlich ungefährlich, kann aber schmerzhafter als ein Honigbienenstich sein. Das Gift ist weniger toxisch. Für allergisch reagierende Menschen besteht durch Insektenstiche dennoch eine mögliche Gefahr, und in Nestnähe kann die Asiatische Hornisse besonders aktiv reagieren.
Was Bayern gegen die Ausbreitung plant
Die Bayerische Staatsregierung will die Ausbreitung mit einem Aktionsplan eindämmen und wirtschaftliche Schäden begrenzen. Laut dem Bericht verfünffacht sich die Zahl der Nester jährlich. Das ursprünglich aus Südostasien stammende Insekt wurde 2004 erstmals in Frankreich nachgewiesen, in Bayern 2022 erstmals in Unterfranken. Funde im Salzburgerland und am Bodensee weisen auf eine mögliche Ansiedlung in Südbayern hin.
Für die kommenden drei Jahre stellt Bayern rund 700.000 Euro zur Verfügung. Entwickelt wurde der Aktionsplan vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus im Auftrag des Landtags. Beteiligt waren außerdem das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz sowie die Imkerlandesverbände.
Vorgesehen sind eine Koordinierungsstelle am Institut für Bienenkunde und Imkerei der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, die im Juni 2025 besetzt wurde, sowie der Ausbau der Meldeplattform „beewarned.de“. Hinzu kommen zusätzliche Schulungen und Bildungsangebote, ein „Runder Tisch Asiatische Hornisse“, finanzielle Unterstützung von Imkern bei der Nestentfernung, die Förderung von Abwehrmaßnahmen an Bienenständen sowie Geräte und Materialien zur Nestdetektion.
Bis März 2025 mussten gefundene Nester durch die unteren Naturschutzbehörden sofort beseitigt werden. Seit einer Änderung der Einstufung durch das Bundesumweltministerium im März 2025 gilt die Asiatische Hornisse nicht mehr als „invasive Art“, sondern als „in Deutschland weit verbreitet“. Die Umweltverwaltung entfernt Nester seither nur noch dort, wo erhebliche Belastungen der Biodiversität erwartet werden.
Wer Nester zum Schutz von Honigbienen entfernen lassen will, muss die Organisation und Bezahlung seither selbst übernehmen. Bayern unterstützt Bienenhalter und Imkervereine mit Pauschalen: 200 Euro für Primärnester und 400 Euro für Sekundärnester. Alle Sichtungen müssen in Bayern mit Foto über „beewarned.de“ gemeldet werden. Die Verifizierung soll verhindern, dass die Asiatische Hornisse mit der heimischen, unter Naturschutz stehenden Hornisse verwechselt wird.
