Auf dem Sportplatz in Speicher im Eifelkreis Bitburg-Prüm steht seit August 2026 ein bunt bemalter Schwimmcontainer. Seit Ende September läuft der Betrieb. Wer dort ins Wasser steigt, hört vermutlich eher das Plätschern eines kleinen Beckens als den Hallenbadtrubel von früher: Das Becken ist sieben Meter lang, 2,70 Meter breit und 1,20 Meter tief.

Eine VHS-Gruppe mit sechs Seniorinnen und Senioren nutzt den Container für Wassergymnastik. Mehr als acht Menschen passen wegen der Größe nicht hinein. Im früheren Schwimmbad waren Kurse mit bis zu 20 Personen möglich. Für Speicher ist die mobile Lösung trotzdem erst einmal ein Stück Alltag zurück.

Ein Becken auf Zeit

Das alte Lehrschwimmbecken wurde zu Ostern 2025 wegen technischer Mängel geschlossen. Es stammte aus den späten 1960er-Jahren und gilt als nicht mehr sanierungsfähig. Die Verbandsgemeinde musste deshalb kurzfristig handeln und mietete den Container von einer Gemeinde in Bayern, deren Mietzeit ausgelaufen war.

Grundsätzlich steht der Container allen Altersgruppen offen. Die Nutzung kostet etwa 30 Euro pro Stunde, zunächst ist er für 18 Monate vorgesehen. Die Verbandsgemeinde zahlt rund 8.000 Euro monatliche Miete – Zuschüsse von Land oder Bund gibt es dafür nicht.

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft bewertet den Schwimmcontainer als Übergangslösung. Wassergewöhnung, Brustschwimmtechnik und erste Schwimmbewegungen lassen sich dort vermitteln. Für manches reicht der Platz allerdings nicht: Das Seepferdchen-Abzeichen kann in Speicher nicht abgenommen werden. Dafür müssen die Kinder in andere Schwimmbäder ausweichen.

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Der Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz sieht Schwimmcontainer als zeitweise Brücke für Schulschwimmen, Wassergewöhnung und Kurse, nicht als Ersatz für ein großes Schwimm- oder Freizeitbad. Nach Angaben des Verbandes stammen etwa 30 bis 40 Prozent der Schwimmbäder in Rheinland-Pfalz aus den 1960er- und 1970er-Jahren und haben hohen Sanierungsbedarf.

Speicher wartet auf einen Neubau

Schwimmbäder gehören zu den freiwilligen kommunalen Aufgaben. Das klingt trocken, wird aber schnell teuer: Die Kommunalaufsicht kann Haushalte finanzschwacher Kommunen beanstanden, wenn freiwillige Leistungen mit neuen Schulden finanziert werden. Der Gemeinde- und Städtebund fordert deshalb zusätzliche Investitionsmittel, auch aus dem Sondervermögen des Bundes, für neue oder sanierte Schwimmbäder und Schwimmcontainer.

Die Idee von Schwimmcontainern steht im Koalitionsvertrag von CDU und SPD in Rheinland-Pfalz. Konkrete Finanzhilfen des Landes gibt es bislang nicht. Entscheidungen sollen im Rahmen des Doppelhaushalts 2027/2028 getroffen werden.

Die Staatskanzlei setzt vor allem auf den Erhalt und Neubau von Bädern, Anfängerschwimmkurse und Schulschwimmzentren. Schwimmcontainer können dort als Übergangslösung für Wassergewöhnung dienen. In Speicher läuft derweil die Ausschreibung für ein neues Schwimmbad; ein Generalunternehmer wird gesucht. Finanzierung und Fertigstellung sind noch nicht abschließend geklärt, der Neubau dürfte mehrere Jahre dauern. Bis dahin soll der Container für die kommenden 18 Monate Schwimmtraining und Wasserkurse ermöglichen.

Bundesgeld für zwölf Projekte

Aus einem Sonderprogramm des Bundes stehen für die Sanierung von Schwimmbädern in Rheinland-Pfalz mehr als 11 Millionen Euro bereit. Gefördert werden zwölf Projekte:

Ort oder Träger Projekt Förderbetrag
Andernach Sanierung des Freibads 306.848 Euro
Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues Sanierung des Kombibads Moselbad 1.603.800 Euro
Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain Sanierung des Freizeitbads Molzberg in Kirchen 860.602 Euro
Verbandsgemeinde Bruchmühlbach-Miesau Sanierung des Warmfreibads Miesau 895.500 Euro
Daun Sanierung des Naturfreibads Gemündener Maar 620.132 Euro
Dickendorf Sanierung des Freibads 553.500 Euro
Hauenstein Sanierung des Wasgaufreibads 384.999 Euro
Verbandsgemeinde Kirchberg Sanierung des Hallenbads in Sohren-Büchenbeuren 303.867 Euro
Mainz Sanierung des Hallenbads 1.034.296 Euro
Verbandsgemeinde Prüm Sanierung des Waldfreibads 297.912 Euro
Trier Ersatzneubau des Hallenbads 3.500.000 Euro
Worms Sanierung des Heinrich-Völker-Hallenbads 1.032.188 Euro

Die höchsten Förderbeträge erhalten der Ersatzneubau des Trierer Hallenbads mit 3,5 Millionen Euro und das Moselbad in Bernkastel-Kues mit rund 1,6 Millionen Euro. Sportminister Marcus Klein (CDU) erklärte, das Bundesprogramm ergänze die Unterstützung des Landes für die Sanierung kommunaler Sportstätten.

Hintergrund ist ein Beschluss des Haushaltsausschusses des Bundestags zur Verteilung der Mittel aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“. Der Bund stellt 2026 insgesamt 250 Millionen Euro für eine Förderrunde zugunsten von Schwimmbädern in knapp 200 Kommunen bereit. Für die ausgewählten Projekte in Rheinland-Pfalz kann nun das Antragsverfahren beginnen.

Großer Bedarf, begrenzter Topf

Wie groß der Andrang ist, zeigt der Projektaufruf 2026 „Schwimmbäder“: Das Interessenbekundungsverfahren endete am 19. Juni 2026. Beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung gingen 942 Projektskizzen ein. Das beantragte Gesamtfördervolumen beträgt rund 3,2 Milliarden Euro – der Projektaufruf ist damit stark überzeichnet.

Die Projektskizzen werden nun fachlich geprüft und bewertet. Anschließend entscheidet der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages über die zu fördernden Projekte; alle teilnehmenden Kommunen werden über das Ergebnis informiert.

Für das Bundesprogramm wurden im Bundeshaushalt 2026 insgesamt 583 Millionen Euro bereitgestellt: 250 Millionen Euro ausschließlich für die Sanierung kommunaler Schwimmbäder und 333 Millionen Euro für die Sanierung von Sportstätten allgemein. Das Geld steht im Wirtschaftsplan des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität zur Verfügung. Der nächste Projektaufruf ist für Herbst 2026 vorgesehen.

Bereits am 22. April 2026 beschloss der Haushaltsausschuss die Förderung von 314 Projekten aus den 2025 bereitgestellten Programmmitteln in Höhe von 333 Millionen Euro. In Speicher bleibt derweil das kleinere Becken auf dem Sportplatz. Sechs Seniorinnen und Senioren machen Wassergymnastik, maximal acht Personen passen hinein – und irgendwo dazwischen läuft die Zeit bis zum neuen Schwimmbad weiter.