Freeda verknüpft Ostbayern und Oberösterreich zur digitalen Reisebegleiterin
Wer heute einen Ausflug plant, klickt sich schnell durch mehrere Seiten: Wo gibt es eine gute Jause, welche Tour passt zum Wetter, hat das Museum offen, und lässt sich das Ganze überhaupt noch unterbringen? Im Innviertel und in Ostbayern soll dabei künftig eine digitale Begleiterin helfen. Ihr Name: „Freeda“.
Entwickelt wurde die Anwendung im Rahmen eines EU-geförderten, grenzüberschreitenden Tourismusprojekts zwischen Oberösterreich und Bayern. Die seit drei Jahren laufende Digitalisierungsoffensive soll die digitalen Kompetenzen und die Sichtbarkeit touristischer Betriebe stärken, die Online-Buchbarkeit erhöhen und Angebote aus Oberösterreich und Ostbayern besser auffindbar machen.
Von der Analyse zum digitalen Reiseplan
Rund 1.000 Tourismusbetriebe wurden individuell unterstützt – darunter Tourismusverbände, Hotels, Erlebnisanbieter und private Beherbergungsbetriebe. Gemeinsam mit der Universität Passau wurde zunächst untersucht, wie gut die Unternehmen online sichtbar und buchbar sind und wie professionell ihre digitalen Auftritte gestaltet sind. Die Universität begleitete die Wirkung der Offensive auch wissenschaftlich und untersuchte dabei mehr als 5.300 Betriebe.
Auf diese Analyse folgten individuelle E-Coachings. Eine E-Learning-Plattform ergänzte die persönliche Beratung. Außerdem erhielten Betriebe und Regionen Unterstützung bei der professionellen Produktion von Fotos und Videos für Websites, Buchungsplattformen und soziale Medien. In Oberösterreich stieg der Anteil der Gastgeber mit Echtzeitbuchbarkeit über die eigene Website um 19 Prozentpunkte auf 43 Prozent.
Freeda verarbeitet touristische Informationen und erstellt Empfehlungen, die zum jeweiligen Standort, Reisezeitraum, Wetter, zu Öffnungszeiten, Saison und persönlichen Interessen passen. Gäste können passende Erlebnisse speichern, auf einer Karte anzeigen lassen und zu einem Tagesplan zusammenstellen. Die Suche nach Ausflugszielen, Touren und Angeboten soll dadurch leichter werden – ohne dass man dafür mehrere Websites und Öffnungszeiten nebeneinander offen haben muss.
Die webbasierte Reisebegleiterin verknüpft Daten aus Ostbayern und Oberösterreich. Ausgespielt werden unter anderem Inhalte zu Gastronomie, Sehenswürdigkeiten, Touren und Veranstaltungen. Philipp Haas vom Tourismusverband Quellenviertel, der weite Teile des Innviertels umfasst, beschreibt das Ziel so: Freeda soll Angebote zur passenden Zeit für geeignete Gäste sichtbar machen und die Urlaubsplanung erleichtern.
Live-Demo in Bad Griesbach
Am 23. April 2026 wurde Freeda bei einer Informationsveranstaltung im Rahmen des INTERREG-Projekts „Digitalisierungsoffensive Ostbayern-Oberösterreich“ in Bad Griesbach vorgestellt. Teilgenommen haben Touristiker und touristische Leistungsträger aus der Region. Nach einer konzeptionellen Einführung zeigte eine Live-Demonstration konkrete Anwendungsszenarien: wie Gäste bei der Reiseplanung und später vor Ort digital begleitet werden können.
Die Veranstaltung bot auch Raum für Austausch und Diskussion. Rückmeldungen der Teilnehmer fließen in die laufende Weiterentwicklung ein. Freeda befindet sich derzeit in der Testphase. Die digitale Gästebegleitung soll weiter verbessert werden und Betrieben zusätzliche Möglichkeiten zur Präsentation und Vermarktung ihrer Angebote geben.
Der Ansatz kommt nicht aus dem luftleeren Raum. Künstliche Intelligenz verändert, wie Reisende Informationen suchen und Entscheidungen treffen. Personalisierte und kontextbezogene Empfehlungen gewinnen gegenüber klassischen Suchmustern an Bedeutung. Das Projekt will deshalb nicht nur die digitale Darstellung touristischer Angebote in Ostbayern und Oberösterreich verbessern, sondern Betriebe auch durch Beratungen, Coachings und Informationsveranstaltungen beim Einsatz moderner Technologien unterstützen.
Digitalisierung mit offenem Ende
Deutschland hat bei der Digitalisierung weiterhin Nachholbedarf – in der Verwaltung, bei der digitalen Infrastruktur und auch in Teilen der Tourismuswirtschaft. Gleichzeitig verändern neue Technologien und künstliche Intelligenz die Branche bereits grundlegend: Prozesse können effizienter werden, die Kundenansprache genauer, und neue Geschäftsmodelle entstehen.
Für Betriebe liegt eine Chance darin, Kundenwünsche und Buchungsverhalten auszuwerten und Gäste individueller anzusprechen. Routineaufgaben im Kundenservice, im Vertrieb und in der Verwaltung lassen sich automatisieren. Auch wiederkehrende Formalitäten sowie Such- und Katalogisierungsaufgaben können digital erledigt werden. Das kann Mitarbeitende angesichts des Fachkräftemangels entlasten, Personalmangel abfedern und die Arbeitszufriedenheit in Teams erhöhen – sofern die Technik nicht mehr Arbeit macht, als sie abnimmt.
Verbesserte Prognosen zu Nachfrage und Kapazitäten können zudem die Wirtschaftlichkeit von Unternehmen steigern. Digitale Assistenten, personalisierte Angebote und KI-gestützte Reiseplanung eröffnen neue Vertriebsmöglichkeiten und Reiseerlebnisse. Die Projektpartner wollen ihr Wissen weiterhin direkt an touristische Betriebe weitergeben und die Zusammenarbeit zwischen Innviertel und Ostbayern fortsetzen.
