Ulm und Neu-Ulm werden für Alex Mangold alias „Mangorock“ zur großen Rätselstrecke. Sein neuester Geocache „Indiana Jones und der verschollene Zinnpokal“ ist für den Wettbewerb „Geocache des Jahres 2026“ nominiert. Seit Juni ist der aufwendig gebaute Multi veröffentlicht – mehr als zweieinhalb Monate hat Mangold an der Entwicklung gearbeitet.

Mehr als 19 Stationen führen durch beide Städte. Die genauen Wegpunkte bleiben geheim: Wer loszieht, muss sie sich durch Rätsel erarbeiten. Im Mittelpunkt stehen fünf Türme im Stadtgebiet, das Neu-Ulmer Stadtwappen und ein Zinnpokal, den Mangold auf einem Flohmarkt gefunden hat.

Die Geschichte dahinter beginnt laut Cache-Beschreibung im Jahr 1938 in Deutschland. Ein Zinnpokal verschwindet aus den Gewölben des Ulmer Münsters. Spuren sollen verwischt, Unterlagen entfernt und Transporte im Verborgenen durchgeführt worden sein. Jahrzehntelang blieb der Vorgang unbeachtet, bis alte Dokumente, vergilbte Listen und widersprüchliche Vermerke auftauchten. Die Route verlangt Recherche, Kombination und Suche – schnell mal hin, Dose greifen, weitergehen ist hier nicht vorgesehen. Zeit, Ausdauer und ein bisschen Sitzfleisch gehören dazu.

Vom Kunstpfad zum Zinnpokal

Mangold betreibt Geocaching seit 2012. Eine Arbeitskollegin an der Universität Ulm brachte ihn zu dem Hobby. Dass er die Aufgaben gemeinsam mit seiner Familie lösen kann, schätzt er besonders. Seinen ersten eigenen Cache entwickelte er am Kunstpfad des Oberen Eselsbergs, zu Ehren des damaligen „Artist in Residence“ der Universität Ulm, Frederick Ayer.

Knapp 40 Caches hat Mangold inzwischen entworfen, zehn davon sind derzeit aktiv. Das kann sich ändern: Caches werden wegen zu häufiger Nutzung, Baustellen oder anderer Hindernisse wieder aufgelöst. Einen musste Mangold entfernen, weil eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft wurde.

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Seine Stationen kontrolliert der Ulmer regelmäßig mit dem Fahrrad. Dabei prüft er QR-Codes, Zahlenkombinationen sowie Kisten mit Hinweisen und Schätzen. Das ist nicht bloß ein kurzer Blick im Vorbeifahren. Nicht-Geocacher, in der Szene „Muggles“ genannt, können Hinweise versehentlich oder absichtlich beschädigen.

Unterstützt wurde der Indiana-Jones-Cache von der Stadt Neu-Ulm und der SWU. Die SWU stellte zwei Örtlichkeiten und Fachwissen bereit. Inhaltlich blieb Mangold trotzdem diskret: Die Wegpunkte müssen die Suchenden selbst herausfinden.

Auf die eigene Fangemeinde wurde Mangold durch Bewertungen und eine Einladung als Ehrengast zu einem Geocacher-Treffen aufmerksam. Die Nachricht über die Nominierung erhielt er per E-Mail. Warum genau sein Cache ausgewählt wurde, weiß er selbst nicht. Organisiert wird der Wettbewerb von einem Geocacher-Magazin. In Bayern tritt sein Multi zunächst gegen fünf weitere Caches an; bei einem Sieg auf Landesebene folgt die bundesweite Auswahl. Die Entscheidung über den „Geocache des Jahres“ fällt im Februar 2027.

Multi statt schneller Fund

Ein Cache mit mehreren anzusteuernden Standorten heißt „Multi“. Ein Cache mit nur einem Finalpunkt wird „Tradi“ genannt. Beim Indiana-Jones-Cache liefern die Stationen Hinweise für den weiteren Weg. Die Beschreibung auf coord.info/GCBRJGC erzählt von einer Spurensuche zwischen Ulm und Neu-Ulm, von Rechercheaufgaben und den besonderen „Türmen“ der Strecke.

Mangold hat bereits das nächste Projekt entwickelt: „Ohne Moos, nix los!“ führt zu einem bemoosten Parkhaus im Neu-Ulmer Wiley-Park. Am Veröffentlichungstag wurde der Cache mehrfach gelöst.

Wer Geocaching ausprobieren möchte, kann über geocaching.com mit einem GPS-fähigen Smartphone beginnen. Eine kostenlose Mitgliedschaft eröffnet Zugang zu vielen Caches. Aufwändigere Angebote wie der Indiana-Jones-Cache sind über eine kostenpflichtige Premiummitgliedschaft verfügbar. Mangold empfiehlt ihn Menschen, die schon Geocaching-Erfahrung haben. Fragen beantwortet er unter geocaching@mangorock.de.

Dosen, Rätsel und ein bisschen Gelände

Die Behälter reichen beim Geocaching von kleinen Filmdosen und Plastikboxen bis zu Stahl-Munitionskisten oder Tresoren. Idealerweise sind sie fest und wasserdicht verschließbar. Ein Nano-Cache fasst meist weniger als 10 Milliliter und enthält nur ein kleines, oft magnetisches Logbuch. Micro- oder Mini-Behälter bleiben unter 0,1 Liter, kleine Caches liegen bei 0,1 bis 1 Liter, normale bei 1 bis 20 Litern. Große Behälter bieten mehr als 20 Liter Platz. Die Größenklasse steht im Listing und kann bei der Suche einen Hinweis auf das Versteck geben.

Neben dem Logbuch finden sich meist Tauschgegenstände. Wer etwas herausnimmt, sollte gleichwertig oder höherwertig tauschen; ein deutlicher Wertverlust, der sogenannte Downtrade, ist unerwünscht. Tauschen ist freiwillig und bei kleinen Behältern oft schlicht eine Platzfrage. Lebensmittel, verderbliche Waren, zeitlich begrenzte Gutscheine und Gegenstände ohne Jugendfreigabe gehören nicht hinein. Eine Stash Note sollte Zufallsfinder über den Zweck des Behälters informieren.

Vergraben werden dürfen Geocaches auf Geocaching.com nicht, auch das Eingraben von Rohren ist untersagt. Stattdessen dienen vorhandene natürliche oder künstliche Hohlräume als Versteck: Felsen, Wurzeln, Mauerritzen, Gebäude, Schaltkästen, Rohrstangen oder Bereiche unter Wasser. Laub, Rinde, Moos, Steine und Zweige tarnen viele Behälter; andere stecken in gebohrten Öffnungen, Magnetfolien, Sitzflächen, Schautafelritzen oder eigens aufgestellten Leitpfosten.

Terrain und Difficulty werden jeweils auf einer Skala von 1 bis 5 angegeben. Das kann Klettern, Tauchen, Höhlenerkundung, ein Boot oder Spezialausrüstung bedeuten. Traditionelle Caches zeigen mit ihren Koordinaten direkt auf das Versteck, sind aber trotz genauer Angaben nicht automatisch leicht: Tarnung, Gelände oder eine nötige Kletter- und Tauchleistung können den Fund bremsen. Schnell erreichbare Tradis heißen „Drive-in“ oder „Park and Grab“.

Beim Multi liefern mehrere Stationen Hinweise auf das Final. Mystery- oder Rätsel-Caches verlangen eine Lösung, bevor die Suche richtig beginnt; die veröffentlichten Koordinaten markieren dabei oft nur einen nahen, illustrativen Kartenpunkt. Mathematische Aufgaben, Recherchen, Sudokus, Bilderrätsel und Verschlüsselungen sind möglich. Bonuscaches setzen Informationen aus zuvor gefundenen Caches voraus. Challenge-Caches dürfen erst geloggt werden, wenn bestimmte Leistungen erfüllt sind, etwa Funde in mehreren Ländern oder Bundesländern.

Vom Nachtcache bis zum EarthCache

Die Geocaching-Welt endet nicht bei Behältern im Gebüsch. Virtuelle Caches haben weder Dose noch Logbuch; vor Ort wird meist eine Frage beantwortet oder ein Foto erstellt. Webcam-Caches dokumentieren den Fund mit einem Webcam-Foto, EarthCaches vermitteln Wissen über geologische Erscheinungen und enthalten ebenfalls keinen Behälter. Der erste EarthCache wurde am 10. Januar 2004 in Australien gelegt; zum Loggen müssen Fragen beantwortet werden.

Adventure Labs laufen über eine externe App, die Antworten müssen meist vor Ort und innerhalb eines begrenzten Radius eingegeben werden. Wherigo nutzt GPS-gestützte Abenteuer mit Cartridges, virtuellen Objekten, Figuren, Bildern, Texten und Sounds; der Ablauf kann nichtlinear sein. Ein Letterbox-Hybrid verbindet Geocaching mit Letterboxing: Im Behälter liegen Stempel und Logbuch, GPS muss mindestens einmal verwendet werden.

Nachtcaches sind meist Multi- oder Mystery-Caches. Reflektoren, LEDs, akustische Signale, Lichtschranken oder UV-Markierungen weisen den Weg; manchmal braucht es Nachtsichtgeräte, Metalldetektoren, Funkgeräte oder UV-Leuchten. Beim Angelcache hängt der Behälter außerhalb der normalen Reichweite und wird mit einer Angel oder einer anderen Hilfsvorrichtung geborgen.

Reverse-Caches, bei denen Koordinaten zu einem vorgegebenen Thema veröffentlicht wurden, sind auf Geocaching.com seit 2005 abgeschafft; vergleichbare Safari-Caches gibt es bei opencaching.de. Eine besondere Reverse-Cache-Variante ist ein verschlossener Behälter mit GPS-Empfänger, der sich erst am Zielort öffnen lässt. Den