In Hamburg ist für angehende Pflege- und Gesundheitslehrkräfte kurzfristig eine neue Tür aufgegangen: Die MSH Medical School Hamburg bietet zum Wintersemester 2026 bis zu 30 zusätzliche Studienplätze an. Das Angebot richtet sich an Bewerberinnen und Bewerber, die vom kurzfristigen Aussetzen des gemeinsamen Aufbaustudiengangs „Pflege- und Therapiewissenschaft“ der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) und der Universität Hamburg betroffen sind.

Der Aufbaustudiengang wird 2026 eingestellt. 32 Studienanfängerinnen erfuhren davon nach Angaben des AStA zwei Monate vor dem geplanten Studienbeginn – für manche also ziemlich genau dann, wenn die Vorbereitungen längst liefen und der neue Lebensabschnitt eigentlich schon fest eingeplant war. Eine Aufnahme an der MSH ist möglich, sofern die individuellen Zugangsvoraussetzungen erfüllt sind. Für Personen, die wenige Tage vor Semesterbeginn ihren vorgesehenen Studienplatz verloren haben, will die Hochschule außerdem individuelle Studienmöglichkeiten prüfen.

Ein Ersatzangebot nach einer kurzfristigen Absage

Der gemeinsame Studiengang von HAW Hamburg und Universität Hamburg war das einzige vergleichbare Studium in Hamburg. Er hätte den Teilnehmerinnen eine berufliche Weiterbildung und zugleich die Qualifikation zur Ausbildung von Pflegefachkräften ermöglicht. In einer Region, in der seit Jahren erheblicher Fachkräftemangel herrscht, sorgt sein Wegfall entsprechend für Unruhe.

Der AStA kritisiert, die Wissenschaftsbehörde habe die Finanzierung ohne vorherige Ankündigung gegenüber den Hochschulen gestrichen. Als Folgen nennt die Studierendenvertretung kurzfristige Streichungen von Studienangeboten, fehlende Planungssicherheit und den Verlust von Weiterbildungsmöglichkeiten. Auch eine Einschränkung der Hochschulautonomie wird beschrieben.

Die MSH bildet seit 2013 Lehrkräfte für die beruflichen Fachrichtungen Pflege und Gesundheit aus. Ihr berufsbegleitender Masterstudiengang Medizinpädagogik führt zum Abschluss Master of Education (M.Ed.) und umfasst jährlich bis zu 50 Studienplätze. Nach dem vollständigen Ausbau des Studienangebots liegt die Abschlussquote laut hochschulinternen Auswertungen bei über 90 Prozent.

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Finanziert wird der Studiengang nicht institutionell durch die Freie und Hansestadt Hamburg. Die MSH ist eine private, staatlich anerkannte Hochschule. Sie verweist zugleich auf eigene Stipendien zur Förderung der Akademisierung der Gesundheitsberufe. Als zusätzliche Möglichkeit werden Arbeitgeberstipendien genannt, mit denen vorhandene Studienkapazitäten stärker für die Fachkräftesicherung genutzt werden könnten. Vorgeschlagen wird außerdem ein Hamburger Stipendienprogramm für angehende Lehrkräfte der Pflege- und Gesundheitsberufe, das die Studiengebühren abdeckt.

Die Hochschule erklärt, sie wolle ihre Studienkapazitäten, Erfahrung, Expertise und Stipendien in eine gemeinsame Hamburger Lösung einbringen. Gegründet wurde die MSH 2009; ihr Sitz liegt in der Hamburger HafenCity. Zum Angebot gehören Bachelor- und Masterstudiengänge sowie der Staatsexamensstudiengang Humanmedizin. Mit drei Fakultäten verbindet die Hochschule Fachhochschule und Universität. Sie gehört zu einem Hochschulverbund mit der BSP Business and Law School, der MSB Medical School Berlin sowie den HMU-Standorten in Erfurt, Potsdam, Düsseldorf/Krefeld und München.

Proteste gegen Kürzungen und Wehrpflicht

Der AStA ruft für den 25. September zu einer Demonstration gemeinsam mit Schüler*innen gegen die Wehrpflicht auf. Am 26. September soll eine weitere Demonstration mit Gewerkschaften und dem „unkürzbar“-Bündnis stattfinden. Sie richtet sich gegen Kürzungen – unter anderem an Hochschulen, Schulen, im Gesundheitswesen und bei Renten. Als weiterführende Quellen nennt der AStA einen NDR-Artikel zu den Sparmaßnahmen des Hamburger Senats sowie einen DBfK-Artikel zu Kürzungen beim Pflegestudium.

Der Streit fällt in eine Zeit, in der die Akademisierung der Pflege ohnehin nur langsam vorankommt. In angelsächsischen und skandinavischen Ländern ist die Akademisierung und Professionalisierung der Gesundheitsfachberufe zu etwa 60 bis 70 Prozent umgesetzt. In Deutschland sind dagegen nur rund ein Prozent der Pflegefachpersonen hochschulisch ausgebildet.

Dabei gibt es an deutschen Hochschulen und Universitäten zahlreiche Angebote: Bachelor- und Masterstudiengänge, Pflegemanagement, Pflegepädagogik und Pflegewissenschaft, primärqualifizierende und weiterführende Studiengänge, in Vollzeit oder berufsbegleitend. Es fehlt also nicht an jeder Ecke an Studiengängen – wohl aber an verlässlichen Strukturen und an der Frage, wo akademisch qualifizierte Pflegekräfte später konkret arbeiten sollen.

Mehr als ein weiterer Abschluss an der Wand

Der Einsatz akademisch qualifizierter Pflegekräfte in der direkten Patientenversorgung wird zunehmend thematisiert. Definierte Aufgaben für diese Qualifikationsgruppe könnten Vorteile für Arbeitgeber, Mitarbeitende und insbesondere Patientinnen und Patienten schaffen. Bislang sind strukturierte Einsatzkonzepte mit Stellen- und Tätigkeitsbeschreibungen allerdings selten und uneinheitlich.

Das Management soll deshalb entsprechende Konzepte entwickeln und eine Akademisierungsoffensive mit dem Schwerpunkt „Fachkarriere in der direkten Pflege“ starten. Die Akademisierung ist dabei Herausforderung und Möglichkeit zugleich – kein Schalter, den man einfach umlegt. Der Veränderungsprozess betrifft Pflegefachpersonen, das mittlere Pflegemanagement und weitere Berufsgruppen in der Patientenversorgung. Er soll strukturiert, empathisch und schrittweise umgesetzt werden.

Absolventinnen und Absolventen einer hochschulischen Erstausbildung übernehmen in der Patientenversorgung häufig dieselben Aufgaben wie Pflegefachpersonen mit dreijähriger Fachschulausbildung. Ihre zusätzlichen hochschulisch erworbenen Kompetenzen bleiben dadurch teilweise ungenutzt. Dazu gehören die Umsetzung evidenzbasierter Pflege, die Gestaltung und Steuerung hochkomplexer Pflegeprozesse, die Übertragung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse und Technologien in die Praxis sowie die Mitwirkung an Qualitätsmanagementkonzepten, Standards und Leitlinien.

Im Krankenhaus könnten solche Pflegefachpersonen neben der direkten Patientenversorgung Prozesse bei komplexen Pflegesituationen und Krankheitsbildern steuern, die Pflegequalität durch Analysen und Monitoring sichern und Kennzahlen nutzen – etwa zur Häufigkeit von Dekubitus oder Stürzen. Hinzu kommen die Implementierung und Aktualisierung wissenschaftlich fundierter Leitlinien und Standards, die Unterstützung beim Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis, Patientenedukation und kollegiale Beratung.

Internationale Studien berichten von qualitativen Verbesserungen der Patientenversorgung durch die Akademisierung der Pflege. In Deutschland erfolgt die berufliche Integration hochschulisch erstqualifizierter Pflegefachpersonen dennoch langsam. Die hochschulische Erstausbildung verbindet Fachwissen, wissenschaftliches Arbeiten und zunehmend praktische Erfahrung. Nun muss das Management diese Qualifikationen in bestehende Strukturen integrieren – und die Strukturen entsprechend anpassen.

APNs: Pflegeexpertise direkt am Patienten

Als neues Berufsbild werden Advanced Practice Nurses genannt. „Advanced Practice Nurse“ bezeichnet eine erweiterte pflegerische Praxis durch Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten. International sind entsprechende Fachpersonen auch als „Nurse Practitioner“ oder „Clinical Nurse Specialist“ bekannt.

APNs sind berufserfahren, auf direkte klinische Pflege spezialisiert und mit einem pflegebezogenen Masterabschluss oder einer Promotion qualifiziert. Sie arbeiten überwiegend patientennah in konkreten Abteilungen, übernehmen zusätzlich koordinierende fachliche Aufgaben und wirken an abteilungsübergreifenden Prozessen mit. Gemeinsam mit interdisziplinären Teams entwickeln sie evidenzbasierte Fragestellungen in der klinischen Pflege.

Auch Pflegemanagement und Pflegepädagogik bleiben wichtige Bereiche. Durch den Ruhestand der Babyboomer entstehen zunehmend Schwierigkeiten bei der Nachbesetzung entsprechender Positionen. In Hamburg geht es deshalb nicht nur um die Frage, ob ein Studienplatz kurzfristig gerettet werden kann. Es geht auch darum, ob ausgebildete Menschen später tatsächlich dort ankommen, wo ihre Kenntnisse gebraucht werden – auf Station, im Unterricht, in der Qualitätsentwicklung oder mitten in einem komplizierten Pflegeprozess.